Klage gegen Raubkopien Bayerische Firma will 600 Millionen Dollar von der US-Marine

Der Flugzeugträger USS Harry S. Truman auf dem Atlantik - gerade nicht auf Piratenjagd

(Foto: AFP)
  • Die Software-Firma Bitmanagement aus dem Landkreis Starnberg wirft der US-Regierung Urheberrechtsverletzung in mehr als einer halben Million Fälle vor.
  • Die US-Marine soll laut Klage Software unerlaubt kopiert haben. Die Firma will deswegen einen hohen Schadenersatz erstreiten.
Von Sebastian Jannasch

Einmal im Jahr gibt der Handelsbeauftragte der USA eine Liste heraus. Sie brandmarkt Länder, die aus Sicht der Vereinigten Staaten zu wenig gegen Urheberrechtsverletzungen machen. China, Indien und Russland wird in dem Report vorgeworfen, geistiges Eigentum nicht ausreichend zu schützen. Damit werden "amerikanische Erfinder abgezockt", sagt der Handelsbeauftragte Michael Froman bei der Vorstellung der Sünder-Liste im April.

Für den nächsten Bericht kann Froman ein neues Land auf die Liste der Copyright-Piraten schreiben: sein eigenes. Zumindest wenn es richtig ist, was die Software-Firma Bitmanagement aus dem oberbayerischen Landkreis Starnberg der amerikanischen Regierung vorwirft: Urheberrechtsverletzung in mehr als einer halben Million Fälle. Bitmanagement Software GmbH gegen Vereinigte Staaten von Amerika steht auf einer Klageschrift, die das IT-Unternehmen nun in den USA eingereicht hat.

Darin wirft Bitmanagement der US-Navy vor, eine von der Firma entwickelte 3-D-Software hunderttausendfach kopiert und verwendet zu haben - ohne Erlaubnis. Pro Lizenz fordert Bitmanagement 1067,76 Dollar. Macht insgesamt gut 596 Millionen Dollar, die die US-Marine nachzahlen soll.

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Das Unternehmen lieferte extra ohne Kopierschutz

Es geht um das Programm BS Contact Geo, das geografische Daten visualisieren kann. Laut Firmenwebsite kann die Anwendung genutzt werden, um Kartenmaterial dreidimensional darzustellen oder räumliche, interaktive Animationen zu erzeugen. Auch auf wenig leistungsfähigen Computern könnten mehrere Nutzer auf einer virtuellen Plattform zusammenarbeiten, heißt es in der Klageschrift. Das US-Militär interessierte sich offenbar für diese Technik. Laut Klage habe die Firma der US-Marine in den Jahren 2011 und 2012 Lizenzen für 38 Kopien der Software ausgestellt, da die Navy das Programm testen wollte.

Damit das Programm ins System der Marine integriert werden konnte, sei der Kopierschutz deaktiviert worden. Nach der Darstellung in der Klageschrift erfolgte dieser Schritt nur, weil die Navy signalisiert hatte, anschließend Lizenzen für den großflächigen Einsatz kaufen zu wollen. Die Militäreinheit habe sogar schriftlich eingeräumt, dass dafür weitere Lizenzen nötig seien.

Durch "weitergeleitete Mails" habe Bitmanagement im Herbst 2013 mitbekommen, dass die US-Navy begonnen hatte, Kopien des Programms auf weiteren Rechnern zu installieren, obwohl die Verhandlungen über den Kauf weiterer Lizenzen noch liefen. Bitmanagement habe daraufhin erfolglos Nachzahlungen für die bereits eingesetzten Softwarekopien gefordert. Die US-Navy lehnte am Freitag eine Stellungnahme ab, weil es sich um ein laufendes Verfahren handele.

Der Handelsbeauftragte Froman fordert in seinem Bericht Regierungen weltweit übrigens dazu auf, als Vorbild zu dienen und nur lizenzierte Software zu verwenden. Stimmen die Vorwürfe von Bitmanagement, könnte Froman seinem Kabinettskollegen Ashton Carter, dem US-Verteidigungsminister, wohl ein paar Tipps geben.