Singuläre Ausnahmen
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Kein einziger seiner Mandanten habe je für die Aufnahmen bezahlt, sagt Vetter. Die Dateien, die bei unterschiedlichen Hausdurchsuchungen gefunden würden, seien stets zu 80 bis 90 Prozent identisch. "Teilweise sind das 30 bis 40 Jahre alte Bilder." Anders als in der Debatte um Netzsperren suggeriert wird, erhöht sich die Anzahl kinderpornographischer Aufnahmen im Netz also nur äußerst langsam. Und dabei seien die Aufnahmen mit singulären Ausnahmen, bei denen die Opfer im Teenageralter waren und die möglicherweise legal entstanden sind, nie professionell produziert worden, sagte Vetter.
Stattdessen handele es sich um Dokumente von "ohnehin stattfindendem Missbrauch". Also: in der Familie oder im Bekanntenkreis sexueller Missbrauch. Kinderschänder, die ihre Tat als Filme oder Bild festhalten. Indem die Täter das Material online verfügbar machten, befriedigten sie ihre Geltungssucht, sagt Vetter. Sein Fazit: "Das ist schlimm genug, aber die Sache hat eine ganz andere Dimension, als wenn Kinder aus kommerziellen Gründen für Filmaufnahmen missbraucht würden."
Vetter plädiert für eine wirksamere Familien- und Sozialarbeit und eine effiziente Strafverfolgung in der realen Welt. "Wem hilft in Anbetracht dieser Fakten Internetzensur?", fragt er.
Den Missbrauch sichtbar gemacht
Das Gesetz, so der Tenor im Internet, wo Surfer die Sperren als verfassungswidrigen Eingriff in die Kommunikationsfreiheit betrachten, könne Missbrauchsopfern sogar schaden. Christian Bahls, Vorstand des Vereins Missbrauchsopfer gegen Internetsperren (Mogis), befürchtet, dass sich mit der Sichtweise von Kindesmissbrauch als digitalem Problem die Bekämpfung ebenfalls ins Netz verlagere: "Da wird also ein Kind missbraucht, und die Politik schaut, demnächst auch dank Sperren, weg?"
Seine Befürchtung ist begründet, denn Kindesmissbrauch existiert viel länger als das Internet. Dessen Etablierung hat lediglich den Missbrauch sichtbar gemacht, der früher hinter verschlossenen Türen begangen wurde. Das Problem vor allem online zu bekämpfen sei falsch, sagt Bahls: "Denn seien wir doch mal ehrlich, da wird doch kein einziges Kind weniger missbraucht."
Die Mär vom millionenschweren Missbrauchsmarkt
Doch viele Befürworter der Netzsperren sind für ihr Ziel bereit, noch ganz andere Grenzen als Bahls' Einwände zu überschreiten. So sagte der SPD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Sachsen, Thomas Jurk, jüngst in einem Chat: "Wenn wir gegen das Grundgesetz verstoßen, weil wir Pädophilen unmöglich machen, kinderpornographische Bilder aus dem Internet herunterzuladen, dann nehme ich das in Kauf." Die Mär vom millionenschweren Missbrauchsmarkt, den die Politik erfolgreich bekämpfe, ist damit auch ein Wahlkampfthema geworden. Was ist dagegen das Grundgesetz, die Kommunikationsfreiheit?
Offenbar nicht viel. Wie berechtigt die Zensurbefürchtungen von Vetter, Bahls und anderen Netzbewohnern sind, zeigen die Vorstöße von Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) und Ursula von der Leyen, die eine Ausweitung der Sperren auf weitere Inhalte nicht ausschließen. Der CDU-Generalsekretär in Baden-Württemberg, Thomas Strobl, forderte, in Zukunft auch Seiten mit gewaltverherrlichenden Spielen zu sperren. Eine weitere simple Lösung für ein komplexes Problem.
Das vollständige Hintergrundgespräch zwischen Udo Vetter und Johannes Boie finden Sie im Blog Schaltzentrale.
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(SZ vom 06.08.2009/bön)
Christopher Lee zum 90.
Jedr der sich nur ein bißchen in die Materie eingelesen hat kennt die Argumente schon seit langem.
Die einzige Frage ist, waren unsere Politiker zu dumm den Argumenten zu folgen oder haben die Kritiker doch Recht und es ging ihnen von vorneherein nur um die Errichtung einer Zensurinfrastruktur?
BEIDES sollte sie eigentlich für ihren Job disqualifizieren, allein die breite Masse begreift es nicht und außerhalb ihrer Online-Ausgaben hält die deutsche Presse sich mit der Kritik und bei der Aufklärung auch eher zurück.
Ein Schelm wer böses dabei denkt...!
"Im Dauergetöse der politischen Rohrkrepierer und der blökenden (sorry: bloggenden) Enterhaken-Anarchos gehen die (ohnehin zaghaften) Stimmen der Vernunft unbemerkt unter."
Eine Stimme - besonders nicht ihre - ist nicht vernünftig, nur weil Sie sich nicht über Einschränkung der Grundrechte empören kann.
Es erschien seit dem Vorhaben in dieser Zeitung nur *ein* Artikel, der die Dinge so darstellte, wie sie sich technisch auch wirklich verhalten! Alle anderen waren der Außenansicht verfallen, als sei die Unwirksamkeit nur "umstritten" und es gäbe "Kritiker", die eine andere "Meinung" hätten.
Die Unwirksamkeit der Maßnahme ist jedoch mathematisch *beweisbar*. Hierzu gibt es keine Meinung, es ist ein Faktum, dass man durch die Maßnahme den Tausch von Kinderpornographie weder verhindern noch behindern könnte.
Ebenso beweisbar ist, dass dieses Instrument vor der Auslieferung an die Bevölkerung einen Filter schaltet, der - ohne richterliche Prüfung oder Verantwortungspflicht gegenüber einer kompetenten Stelle - willkürlich Inhalte unzugänglich macht.
Obwohl es recht einfach ist, diese Sperre zu umgehen, fehlt der Mehrheit der Internetnutzer das Wissen dazu.
Diese Definition ist exakt diejenige des Begriffes "Zensur". Der letzte Politiker, der so etwas zuvor beschlossen hat, wurde 1946 von den Alliierten hingerichtet.
Den Kindern schon mal nicht, womit sich die Grundlage zu diesem Machwerk geräuschlos in heiße Luft verwandelt hat.
Für mich sind zwei Szenarien, zur Entstehung dieses Gesetzes, die wahrscheinlichsten.
Zum einen brauchte man eine gesetzliche Infrastruktur um dem anarchischen Netz beizukommen. Die Grundlage zur Kontrolle, ich rede bewusst jetzt mal nicht von Zensur, sind damit jedenfalls geschaffen.
Das Andere ist wohl die Kaschierung der eher mäßigen Ermittlungserfolge unserer Behörden. Nehmen wir ein aktuelles Beispiel. Auf den Pedärast, der sich jetzt gestellt hat, wurde man erst aufmerksam durch das Material eines Journalisten (!), wobei ich mich frage, ob demnächst auch gegen den Journalisten ermittelt wird, denn seien wir mal ehrlich, eigentlich muss er sich strafbar gemacht haben.
Ich kann es nur wiederholen: In dieser ganzen Diskussion scheint es auf beiden Seiten nur fundamentalistische Vereinfacher zu geben.
Hier die Politiker, die ein äußerst heikles Thema für ihre parteipolitischen Interessen instrumentalisieren,
dort die Internet-Korsaren, die in ihrer virtuellen Fluchtwelt für gescheiterte Ich-1.0-Existenzen noch nicht einmal einen Hauch ziviler Ordnung dulden wollen.
Im Dauergetöse der politischen Rohrkrepierer und der blökenden (sorry: bloggenden) Enterhaken-Anarchos gehen die (ohnehin zaghaften) Stimmen der Vernunft unbemerkt unter.
allein mir fehlt der Glaube!!! Wie sehr hatte Herr Goethe Recht. Der Fall Dutroux hatte in Belgien und in Europa grosses Interesse gefunden. Was ist letztlich aufgeklärt worden? Nichts. Es besteht an den höchstenpolitischen und staatlichen Stellen Null Interesse etwas für Kinderschutz und gegen diese Inhalte zu tun.
Paging