Durch Änderungen bei der Vergabe von Internetadressen ließe sich Kinderpornographie im Netz eindämmen - wenn es dabei nicht um so viel Geld gehen würde.
Es klingt so bestechend einfach: Die Polizei stellt täglich eine schwarze Liste zusammen, schickt sie an Internetzugangs-Anbieter und diese zeigen ihren Kunden statt Bildern missbrauchter Kinder eine Seite mit einem Stoppschild an, wenn sie auf eine entsprechende Seite geklickt haben. Die Wirklichkeit im weltumspannenden Netz aber ist um einiges komplizierter.
Beamte des BKA spüren immer wieder Kinderpornographie im Netz auf. Doch die Kriminellen, die dahinter stehen, nutzen Methoden, die sie nahezu unsichtbar werden lassen. (© Foto: ddp)
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Viele, die mit Schmutz und Schund im Internet Geld machen, nutzen längst Methoden, die sie für das Radar der Ermittler nahezu unsichtbar werden lassen. Die Internetverwaltung Icann könnte ein sehr wichtiges dieser Schlupflöcher stopfen, geschehen aber ist bisher nichts - weil es dabei auch um viel Geld geht.
Unentdeckte Malware
Kaum ein Online-Krimineller ist heute noch so dumm, seine illegalen Geschäfte von einem Rechner aus zu erledigen, der ihm zugeordnet werden kann. Benutzt werden dazu vielmehr Netze aus sogenannten Bots. Das sind nicht etwa die Rechner von Bandenmitgliedern, sondern Computer meist völlig ahnungsloser Menschen irgendwo auf dem Globus, die durch Schadsoftware gekapert wurden. Während frühere Viren und Würmer auf sich aufmerksam machten oder - meist weil sie schlecht programmiert waren - sogar den PC lahmlegten, tut die Malware von heute alles, um möglichst unentdeckt zu bleiben. Sie wird von Profis geschrieben und dient überwiegend einem Zweck: illegal Geld zu machen. Und dazu braucht man Rechner, die funktionieren.
Vor kurzem erst hat ein amerikanisches Sicherheitsunternehmen ein riesiges solches Netz an Rechnern entdeckt. Es soll sich aus nahezu zwei Millionen Rechnern zusammensetzen, die in 77 Ländern der Erde stehen, immerhin knapp 80.000 davon in Deutschland. Die Entdeckung ist nicht nur wegen der schieren Größe des Heeres aus Zombierechnern bemerkenswert, sondern auch, weil es nur selten gelingt, Zugang zu einem der sogenannten Command-and-Control-Rechner zu erhalten, von denen aus die illegalen Operationen gesteuert werden. Als nämlich die Strafverfolgungsbehörden gezielt gegen diese Steuerzentralen vorzugehen begannen, entwickelten die Kriminellen raffinierte Verschleierungstaktiken.
Die Command-and-Control-Rechner kommunizieren nicht mehr direkt mit den einzelnen Bots. Vielmehr werden einzelne Bots dazu benutzt, den Verkehr weiterzuleiten - jedoch nur für ein paar Minuten. "Illegale Inhalte können über Botnetze verbreitet werden, die alle paar Minuten die Inhalte auf einem anderen Rechner zeigen", sagt der IT-Experte Lutz Donnerhacke. Er sitzt in der Icann-Arbeitsgruppe, die sich mit der Sicherheit des Adresssystems im Internet beschäftigt. Im Fachjargon Domain Name System (DNS) genannt, sorgt es dafür, dass Namen von Webseiten wie sueddeutsche.de in die Ziffernkombination übersetzt werden, die Internetcomputer verstehen, in diesem Fall 213.221.91.5.
Täglich zehn Millionen Änderungen
Namen und zugehörige Nummern sind auf Rechnern gespeichert, die über das gesamte Internet verteilt sind. Ändert nun ein Server seine Adresse, muss das dem Domain Name System gemeldet werden, sonst würden Internetnutzer eine Seite nicht mehr aufrufen können, wenn Name und Nummer nicht mehr zusammenpassen.
Damit die Botnetze unerkannt agieren können, ändern sie kurzfristig über ein vorher festgelegtes Programm den Eintrag im Domain-Name-Server. Die Methoden dafür heißen "Fast Flux" und "Fast Double Flux". Möglich ist das beispielsweise bei Seiten, die auf .com und .net enden. "Es gibt in der .com-Domain täglich zehn Millionen Änderungen", sagt der Netzexperte Donnerhacke, "erklären lässt sich das nur mit Botnetzen, die Spam, Wurmattacken oder Kinderpornographie verbreiten."
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Unnütze Hygienemaßnahmen
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Sehr geehrte Autoren H. Martin-Jung und C. Schulzki-Haddouti,
In ihrem Artikel wird ein Zusammenhang zwischen dem Massenphänomen "Botnetz" und Kinderpornografie hergestellt.
Ich finde das absolut unzulässig, wenn nicht demagogisch. Worin besteht dieser, und können sie das belegen?
Durch den Artikel entsteht der Eindruck: Kinderpornografie überall!
Vor allem: Warum schreiben sie solches hinsichtlich der heiß diskutierten Internetsperren?
Durch die aktuell geplanten "Internetsperren" soll eine Infrastruktur gesetzlich werden, die es einer Kriminalbehörde sehr leicht macht, das komplette Internet zu zensieren, ohne jede parlamentarische oder richterliche Kontrolle.
Einmal errichtet, kann es sehr schwer sein, diese zu kontrollieren oder gar wieder abzubauen, denn jegliche Information (eben auch über Internetsperren) kann ja ganz einfach gefiltert werden.
Beträchtliche Anteile unserer eben noch gefeierten Freiheitlich Demokratischen Grundordnung basieren auf bitter erkämpften Menschen- und Bürgerrechten und werden dadurch leichtfertig aufs Spiel gesetzt.
Ich appeliere an die Autoren, bitte informieren sie sich, und erwägen Sie die Konsequenzen aus den geplanten Maßnahmen. Dieses Thema ist außerordentlich wichtig.
Von den geplanten Maßnahmen zu chinesischen Verhältnissen ist es technisch und politisch nur noch ein klitzekleiner Schritt (Kombination Vorratsdatenspeischerung und Onlinedurchsuchung noch gar nicht mit einbezogen). Wer das anders sieht, kann mir gerne erläutern, warum.
Wenn sie wüssten, was man mit einer tollen Datenbank alles machen kann!
Die Netze mit denen (unter anderem auch illegale) Dateien verbreitet werden, sind meist unabhängig von DNS-Dienst.
Viele Filesharing-Programme laufen bspw. mit sich ständig gegenseitig aktualisierenden Listen, und zwar direkt der IP-Adressen, ohne dass zunächst irgendwo ein Name aufgelöst werden müsste.
Das WWW spielt in dieser Hinsicht so gut wie keine Rolle, ist aber der einzige Dienst, auf dem eine "Sperre" griffe und dann dieses dümmliche Stoppschild zu sehen wäre.
Das ist in etwa so, als wollte man die Drogenszene hinter einigen Bahnhöfen austrocknen und sperrt hierzu bestimmte Gleise auf selbigen. Medienwirksam speichert man dann "Daten von Hunderttausenden Besuchern der zwielichten Orte", weil sie ein solches Gleis betreten in der - aberwitzigen - Meinung, dort führe ein Zug.
Hinter dem Bahnhof geht der Handel natürlich weiter, aber dann ist die Wahl ja auch schon vorbei.
Angenommen es gelänge die Kinderpornographie aus dem Netz zu verbannen. Würde damit auch der Kindesmissbrauch verrignert, der zwangsläufig mit den Aufnahmen verbunden ist? Sicherlich verschlimmert das Zeigen in der Öffentlichkeit die Situation für ein missbrauchtes Kind, aber das Problem ist durch nicht zegien nicht gelöst.
Werden Kinder missbraucht, um Filme herzustellen, oder wird der ohnehin stattfindende Missbrauch gefilmt?
Ich habe nicht genügend Phantasie mich in die Gedankenwelt der Täter zu versetzen. Wenn nämlich zweiteres der Fall ist, ist global betrachtet das Problem im oben beschriebenen Sinne zunächst nur gemildert, weil das Problem dann aber auch weniger im öffentlichen Bewusstsein ist, nimmt die Zahl der Misshandlungen evtl sogar zu.
Natürlich ist für Missbrauch der Staat mit seiner Strafverfolgung zuständig und für Konsum der Filme gleichfalls der Staat des Ortes des Konsums. Wenn in einem Land "nur" Filme angesehenw erden, aber kein Missbrauch stattfindet, reicht es aus, sich auf die Bekämpfung der Pornographie und ihrer Verbreitung zu bekämpfen. Davon ist Deutschland wie jedes andere Land aber weit entfernt.
Kindesmissbrauch bekämpfen heißt auch Kinderpornographie bekämpfen. Umgekehrt gilt das nicht zwangsläufig. Daher sollte auch der Missbrauch der Schwerpunkt der Tätigkeit sein. Auch durch Frau von der Leyens Aktionismus steht das jetzt leider Kopf.
"Während frühere Viren und Würmer auf sich aufmerksam machten oder - meist weil sie schlecht programmiert waren - sogar den PC lahmlegten, tut die Malware von heute alles, um möglichst unentdeckt zu bleiben." Das kommt halt davon wen man den Whiteheads die Hände bindet.
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