Kaspersky und Hypponen auf der DLD-Konferenz Cyberkrieger unter sich

Eugene Kaspersky und Mikko Hypponen von F-Secure warnen auf der Münchner DLD-Konferenz vor den Gefahren aus dem Internet. Die Erkenntnis: Auch ein scheinbar virtueller Krieg kann Todesopfer fordern. Trotzdem muss man nicht bei jeder Attacke gleich den Cyberkrieg ausrufen.

Von Mirjam Hauck

Wer im Silicon Valley zu Hause ist oder auch in einem deutschen Start-up arbeitet oder dem Geschäftsbereich "Digital" in einem Großunternehmen angehört und es trotz Schneechaos nach München geschafft hat, der ist derzeit mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf der Internetkonferenz DLD, die das Medienhaus Burda jährlich quasi als Opener für das Weltwirtschaftsforum in Davos veranstaltet.

Die Botschaft der seit 2005 stattfindenden Konferenz ist einfach, aber nicht einfältig: Das Internet verändert alles: Geschäftsmodelle, Medien, den Alltag und auch den Krieg. Für letztgenanntes Thema waren am Montag die Virenjäger Eugene Kaspersky, Gründer und Chef des gleichnamigen russischen Sicherheitsunternehmens, sowie Mikko Hypponen, Virenexperte der finnischen Firma F-Secure, geladen.

Und Kaspersky, der auf vielen Podien und in einigen Gazetten vor den Gefahren des Cyberkriegs warnt, nutzte auch seinen Auftritt auf dem DLD, um für seine Idee einer internationalen Cyber-Sicherheitsorganisation zu werben. Dafür bediente er sich einigermaßen drastischer Vergleiche. So sei der drohende Cyberkrieg das nächste Pearl Harbour. Und könnte es nicht sein, dass der deutsche Atomausstieg nicht dem Unglück von Fukushima geschuldet sei, sondern etwas mit der Angst vor Stuxnet zu habe? Stuxnet war der Virus, der iranische Atomanlagen lahmlegte und vermutlich vom US-Geheimdienst CIA eingeschleust wurde. Die Bedrohungen, die von moderner Schadsoftware ausgehen, seien mit Terrorattacken vergleichbar.

Selbstbetitelung als "paranoidester IT-Experte"

Da sich Kaspersky selbst als "paranoidesten IT-Experten" bezeichnet, war man sich allerdings nicht sicher, ob er seinem Anliegen damit nicht eher schadet. Weniger alarmistisch und dadurch in der Sache analytischer erklärte Mikko Hypponen die Gefahren aus dem Internet: Nicht jeder Angriff und jede Bedrohung sei gleich ein Cyberwar.

Da gebe es die Kriminellen, die es auf das Geld der Internetnutzer abgesehen haben, die sogenannten Hacktivisten wie Anonymous oder Lulzsec, die Aufmerksamkeit für ihren Protest erreichen wollen und Länder und Firmen, die Spionage bertreiben. All das sei noch kein Krieg. Eine andere Qualität haben dagegen Viren wie Stuxnet und Flame. Das Zerstörungspotenzial dieser Schadprogramme sei immens und mit traditionellen Waffen durchaus vergleichbar.

Den Einwand des Moderators, dass ein Cyberkrieg im Vergleich zu bisher bekannten Kriegen, doch die "bessere Alternative" sei, da er im Gegensatz zu Bomben keine Todesopfer fordere, ließen Kaspersky und Hypponen nicht gelten. Denn Stuxnet hätte beispielsweise durchaus dafür sorgen können, dass es aufgrund der Beeinflussung iranischer Atomanlagen zu einer einer nuklearen Katastrophe hätte kommen können. Es sei nun belegt, dass Viren Kraftwerke oder Industrieanlagen stören können und das mit unabsehbaren Folgen.

"Bevor Waffen abgefeuert werden, wird es Cyber-Angriffe gegen die Strom- oder Wasserversorgung geben", sagte Hypponen. Der Krieg via Internet wird ein Teil der Auseinandersetzung werden. Und auch wenn die Attacken von den Guten geführt werden, es bleiben Attacken, so Kaspersky.