Kapitalverkehrskontrollen Gefangen in Griechenland

  • Die Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland verhindern Geldtransfers ins Ausland.
  • Dienste wie Paypal, iTunes oder Amazon lassen sich damit nicht mehr mit griechischem Konto nutzen.
  • Griechen können jenseits ihrer Landesgrenzen nur bar oder mit ausländischem Konto bezahlen.
Von Simon Hurtz

Elizabeth Tsirigoti ist Griechin, interessiert sich für Außenpolitik und hat deshalb ein digitales Abo bei der Nachrichtenseite Foreign Policy abgeschlossen. Sie zahlt fünf Dollar pro Monat kann dafür so viele Artikel lesen, wie sie will. Doch am vergangenen Montag ist ihr Abonnement ausgelaufen; auch ihrer Tochter wurde der Zugang zur kostenpflichtigen E-Learning-Plattform Education.com gesperrt - obwohl ihre Konten gedeckt sind.

Der Grund heißt: Kapitalverkehrskontrollen. Seit vergangenem Montag sind die griechischen Börsen und Banken geschlossen, Geldautomaten spucken pro Person nur noch 60 Euro pro Tag aus, und alle Geldtransfers ins Ausland sind verboten - auch Online-Überweisungen. Deshalb kann Elizabeth Tsirigoti keine Texte bei Foreign Policy mehr lesen, deshalb dürfen sich Griechen im iTunes Store keine Songs für 99 Cent mehr kaufen, deshalb bitten sie Apple auf Twitter, ihre Kreditkartenzahlungen zu akzeptieren.

Die Krise trifft die Menschen

In Deutschland wäre das wohl Grund für Empörung, in Griechenland ist es nur eine weitere unter vielen Schreckensmeldungen. Doch sie zeigt, dass die Krise eben kein abstraktes, ökonomisches Problem ist, sondern die Menschen sehr konkret in ihrem Alltag betrifft.

Auch der Online-Bezahldienst Paypal lässt keine Transaktionen von griechischen Nutzern mehr zu:

Auf Nachfrage bestätigte Paypal die Sperre: "Wie beobachten aufmerksam die Situation in Griechenland und den Fortschritt der Verhandlungen." Aufgrund der Kapitalverkehrskontrollen der griechischen Regierung sei es derzeit nicht möglich, einen Paypal-Account von einem griechischen Bankkonto aus aufzuladen oder Geld ins Ausland zu überweisen. Allerdings wolle Paypal den "geschätzten Kunden in Griechenland" möglichst bald wieder den vollen Service zu Verfügung stellen.

Auslandsreisen werden quasi unmöglich

Betroffen sind alle Nutzer von ausländischen Online-Diensten: Griechen können sich keine digitale Musik mehr kaufen, keine Google-Apps herunterladen, keine Waren mehr bei Amazon bestellen. Journalisten aus dem Athener Büro von Bloomberg berichten, dass sie ihren Cloud-Speicherplatz verloren hätten. Apple habe angekündigt ihren 20-GB-Account bei iCloud auf fünf Gigabyte herabzustufen, weil die monatliche Abo-Gebühr von 99 Cent nicht automatisch eingezogen werden konnte.

Betroffen sind aber auch alle Griechen, die außerhalb ihres Landes reisen und kein ausländisches Bankkonto besitzen: Jenseits von Griechenland sind ihre EC- und Kreditkarten nicht gedeckt. Wenn sie nicht gerade über große Mengen Bargeld verfügen, sind sie im eigenen Land gefangen.