Judenhass im Internet Anonym, aggressiv, verfault

Von Kalifornien aus verbreitet eine angeblich wahrhaft katholische Webseite Hetze. Pro und Kontra Holocaust, das wird hier diskutiert wie anderswo Tempo 100 auf Autobahnen.

Von M. Drobinski

"Katholische Nachrichten" steht rechts, links schaut einen der ans Kreuz genagelte Schmerzensmann an. Wer hierher kommt, soll gleich wissen, worum es geht.

(Foto: Screenshot: sueddeutsche.de)

Es geht ums wahrhaft Katholische, nicht um den weichgespülten Wischiwaschi-Glauben, den das Zweite Vatikanische Konzil brachte, den die pflichtvergessenen Hirten der Systemkirche lehren.

Willkommen in der Welt der katholischen Traditionalisten. Wer wissen will, was in dieser Welt gedacht wird, kann im Internet die Seiten von kreuz.net anklicken.

Gerade weil kreuz.net keine offizielle Seite der Priesterbruderschaft St. Pius X. ist, atmet sie ungefiltert den Geist der Szene. Anonyme Texte sind hier ausdrücklich willkommen.

Der Server der "Sodalicium for Religion and Information", der "Kameradschaft für Religion und Information", steht in Kalifornien in den USA. Die Leugnung des Holocaust steht hier nicht unter Strafe.

Kein Administrator greift ein

Die Sprache auf kreuz.net ist deutsch, der Ton durchgängig aggressiv. "Die verknöcherte und altliberal vergiftete Amtsdiözese Linz jubiliert", heißt es zum Rückzug des umstrittenen designierten Weihbischofs Wagner.

Schuld daran sei "der schwer übergewichtige Bischof Ludwig Schwarz", der jetzt "weiterschmausen und weiterschlafen darf - wie eine Made im Speck". Auf kreuz.net ist die Kirche "bis aufs Mark verfault" und das Papsttum zur "Schaubuden-Institution" verkommen.

Und Bischof Williamson ist Unrecht geschehen, jenem Traditionalisten-Bischof, der die Meinung vertritt, es habe keine Gaskammern gegeben. "Jetzt wird der von Holocaust-Hysterikern als Leugner des NS-Völkermords an den Juden diffamierte Prälat endgültig zum Märtyrer gemacht", steht über der Nachricht, dass Argentinien Williamson ausweisen will.

Ein Simon Glauber spricht von einem "Williamson-Pogrom" und von "hysterischem Gebrüll". "Gott schütze Bischof Williamson!", ruft ein Blogger und wünscht, dass der sich nicht dem "Holocaust-Dogma der Synagoge Satans" unterwirft.

"Großinquisitor aus Marktl am Inn"

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