John McAfee im Porträt Virenjäger, Antibiotika-Hersteller, Mordverdächtiger

John McAfee erkannte als einer der Ersten, welches Potenzial in Anti-Viren-Software steckt. Seine Firma machte ihn zum Multimillionär. Er verließ sie bereits in den neunziger Jahren und wurde Yogalehrer. Jetzt wird er wegen des Verdachts gesucht, seinen Nachbarn ermordet zu haben.

Von Mirjam Hauck

Der Gründer des Anti-Viren-Software-Herstellers McAfee, John McAfee, wird im zentralamerikanischen Kleinstaat Belize derzeit wegen Mordes gesucht. Der 67-Jährige ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten der IT-Branche. 1945 in England geboren, wächst McAfee in Salem, Virginia auf. Nach einem College-Abschluss in Mathematik arbeitet er als Programmierer am Nasa-Institut für Weltraumforschung in New York. Weitere berufliche Stationen in den 1970ern und 1980ern sind der Fotokopier- und Druckerhersteller Xerox sowie das Luft-und Raumfahrtunternehmen Lockheed.

Dort kommt er auch in Kontakt mit einem der ersten Computerviren namens Pakistani Brain. Diese von zwei pakistanischen Brüdern geschriebene Schadsoftware verbreitet sich Ende der 1980er Jahre weltweit über Floppy-Disks und verlangsamt das Diskettenlaufwerk.

McAfee erkennt schnell, welches neue Geschäftsfeld sich daraus ergeben würde und gründet 1987 seine erste eigene Firma McAfee Associates und beginnt Anti-Viren-Software zu programmieren und zu vertreiben. Da aber zu dieser Zeit erst wenige Viren im Umlauf sind, steht McAfee im Verdacht, mit seiner Firma einen Virus programmiert zu haben, für den er sodann die passende Anti-Schadsoftware liefert.

Mit der Verbreitung des Wold Wide Web Anfang der 90er Jahre steigt die Zahl der Viren aber rasant an, da sie sich nun ungehindert von Rechner zu Rechner verbreiten können. Der Bedarf an Antivirensoftware steigt und Hersteller wie McAfee und Kaspersky verdienen Millionen.

Leben als Aussteiger

1994 verkauft McAfee seine Firma und erlöst damit Millionenbeträge. Danach gründet er das Unternehmen Tribal Voice, das mit "PowWow" eines der ersten Chat-Programme herstellt. McAfee begeistert sich aber nicht nur für Software. Er führt zeitweise ein Aussteigerleben. So lässt er sich zum Yogaleherer ausbilden, unterrichtet in Arizona und schreibt einige Bücher über die indische Lehre.

John McAfee gelingt es, mit allen seinen Unternehmungen viel Geld zu verdienen. Zu Spitzenzeiten beträgt sein Vermögen 100 Millionen US-Dollar. Aufgrund der weltweiten Finanzkrise und Immobilien- und Aktienspekulationen verliert McAfee aber einen Großteil seines Geldes. Laut New York Times bleiben ihm 2009 gerade noch vier Millionen US-Dollar. Auch sein ihm als letztes verbliebenes Grundstück muss er versteigern, um seine Rechnungen bezahlen zu können. Von der Übernahme McAfees durch den Chip-Hersteller Intel profitiert der Gründer nicht mehr. Intel zahlte 2011 rund 7,7 Milliarden US-Dollar für das Unternehmen.

McAfee verlässt frustriert die USA und verlegt 2008 seinen Wohnsitz in den zentralamerikanischen Kleinstaat Belize, wo er 2010 die Firma QuorumEx gründet. Sie vertreibt pflanzliche Antibiotika. Wie das Internetportal Gizmodo berichtet, fällt McAfee den örtlichen Behörden und der Polizei bereits im Mai 2012 auf wegen seltsamen Verhalten auf. Damals wird er in Begleitung seiner 17-jährigen Freundin wegen Drogenkonsums und illegalen Waffenbesitzes verhaftet. Zudem habe er Kontakte ins kriminelle Milieu gehabt.

Jetzt steht der 67-Jährige im Verdacht, seinen Nachbarn getötet zu haben. Gizmodo schreibt unter Berufung auf Inselbewohner von Ambergris Caye, er und McAfee hätten vor kurzem einen Streit gehabt. McAfee bestreitet die Vorwürfe. Dem Magazin Wired, bei dem er sich telefonisch meldet, sagt er, er werde von den Behörden der früheren britischen Kolonie verfolgt. Es sei "klar, dass sie mich töten wollen. Sie versuchen seit Monaten, mich zu kriegen. Sie wollen mich zum Schweigen bringen."