25 Jahre Gameboy Gefahr für Super Mario

Auch Gameboy-Schlümpfe sind Freunde

Rumhüpfen im Pilzland, mit dem Oktopus durch den Weltraum oder stundenlanges Blöcke-Verschieben: Zum 25. Geburtstag von Nintendos Gameboy erinnern sich SZ-Mitarbeiter an ihre schönsten Spiel-Erlebnisse. Und an eine besondere Enttäuschung. mehr...

Wieder in der Krise: Nintendo hat den veränderten Markt seit Einführung des Smartphones verschlafen, behaupten Analysten. Der Konzern zehre nur noch von alten Verkaufsschlagern wie dem 25 Jahre alten Gameboy. Fehlen die Ideen für die Zukunft?

Von Christoph Neidhart, Tokio

Einst jagten sie mit Super Mario und ihrem Gameboy durch virtuelle Welten, später spielten sie Tennis, Fußball, Baseball und, ja, sogar Skispringen war keine Hexerei - im Wohnzimmer mit der Spielekonsole Wii. Und viele tun es noch heute. Eine ganze Generation ist mit dem Gameboy groß geworden, jenem kleinen Computerspielgerät für unterwegs, das der japanische Spielehersteller Nintendo vor 25 Jahren auf dem Markt brachte. Ein Sensationserfolg, der Nintendo für lange Zeit zum absoluten Weltmeister der Videospiele machte. Der Konzern aus Kyoto hält sich bis heute für so überlegen, dass er nicht zum Vergleich mit der Konkurrenz antritt. An der Tokyo Game Show, der größten Fachmesse der Welt, nimmt die Firma, die mit Tetris, Super Mario, DS und Wii Erfolge feierte, gar nicht erst teil.

Doch eigentlich kann sich Nintendo so viel Hochnäsigkeit gar nicht mehr leisten: Die Firma steckt in ähnlichen Schwierigkeiten wie Sony - und die anderen japanischen Elektronikriesen. Vorige Woche musste die Firma warnen, sie werde auch 2013 - wie schon in den beiden Jahren zuvor - tiefrote Zahlen schreiben. Investoren und Fachpresse werfen Nintendo vor, man habe die Entwicklung des Smartphones verschlafen. Präsident Satoru Iwata weist dies energisch zurück: "Wir haben schon ähnliche Herausforderungen überwunden." Er könne sich vorstellen, Apps für Smartphones zu entwickeln, um die Spiele zu bewerben; Super Mario und andere Nintendo-Kreationen auf Handys laufen lassen, das komme aber nicht infrage.

Nintendo hat schon oft alles anders gemacht, als Experten, Investoren und Journalisten rieten - und war dennoch oder gerade deshalb erfolgreich. Und wie: Seit der Markteinführung des Gameboy hat Nintendo mehr als 300 Millionen Spielkonsolen und gut zwei Milliarden Software-Programme für Spiele verkauft. 1989 hielt die Firma vorübergehend 90 Prozent Anteil des US-Computerspielmarktes. Seine Profitmarge lag über Jahre bei 50 Prozent, 2008 machte Nintendo 1,67 Billionen Yen Gewinn, nach dem damaligen Kurs elf Milliarden Euro. Nintendo war damals eine der wertvollsten Firmen Japans.

Eine Szene aus dem SNES-Spiel "Super Mario World"

(Foto: Nintendo)

Mit Sony verbindet Nintendo eine lange erbitterte Feindschaft

Im sogenannten Spielkonsolenkrieg hatte Nintendo in den 1990er-Jahren zusammen mit Sony den Konkurrenten Sega aus dem Hardware-Geschäft verdrängt. Und Sonys Computerspiele-Sparte in die Knie gezwungen. Als einziges Unternehmen der Branche verkauft Nintendo Hardware und Software integriert. Es akzeptiert keine Software von Dritt-Entwicklern; und lässt seine Spiele auch nicht auf anderen Geräten laufen.

Mit Sony verbindet Nintendo eine lange erbitterte Feindschaft. Umso erstaunlicher war es, daß Ken Ken Kutaragi, der "Vater der Playstation" von Sony, im Herbst als Ehrengast an der Beerdigung von Hiroshi Yamauchi teilnahm, der Nintendo 56 Jahre leitete. Industriebeobachter deuteten dies als Hinweis, die beiden Firmen könnten künftig zusammenarbeiten.

Nintendo, der schon 1889 gegründete Familienbetrieb, war als Hersteller von Hanafuda entstanden, das sind handgemalte Spielkarten, die gerne auch für (illegale) Geldspiele verwendet werden. Doch nach 1945 gingen die Absätze zurück, Nintendo stand kurz vor der Pleite. 1949 machte die Familie den 22-jährigen Hiroshi Yamauchi, einen Enkel des Gründers, zum Firmenchef. Der leidenschaftliche Go-Spieler war direkt von der Waseda-Universität auf diese Position gehievt worden, die er bis 2005 hielt und derweil zu einem der reichsten Männer Japans wurde.

Von der Keksdose bis zum Touchscreen

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Nintendo stand vor seinem Ende

Yamauchi begann, Hanafuda als Massenware zu produzieren. Er arbeitete mit Disney zusammen, um dessen Figuren auf Karten zu drucken, stieg ins Taxi-Geschäft, zog eine Stundenhotel-Kette auf, produzierte Instant-Nudeln und baute Baseball-Wurfmaschinen. Alles ohne größeren Erfolg. Derweil ging der Absatz von Hanafuda-Karten, an denen Nintendo bis heute festhält, mit dem Aufkommen des Fernsehens weiter zurück. Nintendo stand vor seinem Ende. Das vermochte auch der "Love-Tester" nicht zu ändern, ein Spiel-Lügendetektor für gehemmte Teenager.

Erfunden hatte ihn Gunpei Yokoi, ein junger Elektroingenieur . Als Hobby hatte Yokoi eine "Ultra-Hand" konstruiert, einen scherenartigen Greifarm aus billigem Plastik. Yamauchi sah das Ding zufällig - und erkannte einen Verkaufsschlager. Er machte Yokoi zu seinem Spiele-Designer. Und unterstützte ihn, als er die Firma an die Elektronik heranführte. Yokoi, der 1997 bei einem Autounfall starb, wurde zum Vater des "Game Boy".

Bisher brach das Unternehmen nach einer Krise jeweils alle früheren Rekorde. Doch die derzeitige Schwäche ist die erste, die das Unternehmen ohne seinen Patriarchen meistern muss, der 2013 starb. Über seine Nachfolger, den Software-Star Shigeru Miyamoto, der seit Mario fast alle Spiele entwickelt hat, und Firmenchef Iwata, schreibt die Wirtschaftszeitung Nikkei, die beiden mischten sie sich gegenseitig nicht in die Bereiche des jeweils anderen ein. Für die Firma sei dieses Nebeneinander aber kontraproduktiv.