"In einem Zustand freudiger Erregung", verschickte Werner Zorn vor 20 Jahren, am 2. August 1984, die erste deutsche E-Mail. Seine damalige Mail-Adresse: zorn@germany.
Am 2. August 1984 versendeten Werner Zorn und seine damaligen Kollegen die erste deutsche E-Mail. Es war die Antwort auf den offiziellen Willkommensgruß des US-amerikanischen "Csnet", einer herstellerübergreifenden Plattform zur elektronischen Kommunikation von Wissenschaftlern.
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Es war ein Mausklick von historischer Tragweite. "Die Bedeutung des 2. August liegt in der späteren Entwicklung", sagt Zorn, der zu jener Zeit die schöne Adresse zorn@germany hatte. "Das technologische Neue war, das es sich um ein offenes Rechnernetz handelte", erläutert der Informatik-Professor. Offen heißt in dem Fall, dass sich über standardisierte Schnittstellen immer weitere Teilnehmer anschließen können. Es ist die Technologie, die sich gegenüber zentral administrierten Netzen durchsetzte.
"We are glad to have you aboard"
Auf Grund eines Vertrages mit "Csnet" wurde Karlsruhe zum deutschen Knotenpunkt. Von dort aus wurde der Dienst bundesweit zur Verfügung gestellt. Er war nach Kanada, Schweden und Israel weltweit erst der vierte. Auch in der Bundesrepublik diente das Netz zunächst zur schnelleren und einfacheren Verständigung unter Wissenschaftlern.
So gehörten Einrichtungen wie Fraunhofer- oder Max-Planck-Institute zu den ersten Kunden, schnell folgten dann Unternehmen wie Siemens oder BASF.
Unter dem Titel "Interkonnektion von Netzen" starteten die Informatiker in Karlsruhe 1982 ihre Arbeit, eingebunden in das Verbundprojekt deutsches Forschungsnetz. Zu den Aufgaben der Informatikprofessoren und -studenten um Zorn gehörte neben der Herstellung einer internationalen Verbindung auch, den Dienst lokal zu verteilen, um ihn am einzelnen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. Nach zweijähriger Vorarbeit und vielen Tests konnte schließlich die Erfolgsmeldung verbreitet werden.
"Unliebsame Konkurrenz"
Die stieß nicht auf ungeteilte Freude. Mancherorts sah man die Karlsruher als "unliebsame Konkurrenz", berichtet Zorn. Eine Folge war, dass Fördergelder fortan ausblieben. Auf der anderen Seite stieß die Entwicklung aber auf große Akzeptanz, und so sicherten Einnahmen aus der Bereitstellung des Mail-Dienstes die weitere Arbeit. Von Karlsruhe aus wurde die E-Mail-Verbindung nach China aufgebaut, und 1989 schließlich folgte der Wechsel zu vollen Internetdiensten mit der ersten deutschen Internet-Direktleitung in die Vereinigten Staaten.
Heute liegen in der badischen Stadt auf Servern des Unternehmens Schlund&Partner über drei Millionen Internetdomains, mehr als in jedem anderen Rechenzentrum Europas. Über viele Jahre wurden deutsche Internetadressen ausschließlich von Karlsruhe aus vergeben, 2003 schließlich kürte man die so genannte Residenz des Rechts zur Internet-Hauptstadt Deutschlands. Der Anfang aber liegt 20 Jahre zurück und begann mit den Zeilen: "This is your official welcome to Csnet! We are glad to have you aboard." Deutschland war an Bord.
(ddp)