25 Jahre c't Löte und schreibe

Seit 25 Jahren ist die c't die Zeitschrift für Nerds und IT-Profis. Auch weil die Macher nicht jedem Trend folgen, ist das Heft für den Heise-Verlag ein Goldesel.

Von Simon Feldmer

Sie hätten extra ein bisschen aufgeräumt in ihren Büros, berichten die Redakteure des Computermagazins c't. Schließlich wurden in den Tagen zuvor mehr als 200 Gäste durch die langen Gänge ihres Verlags geschleust. Nein, keine Anzeigenleiter von IT-Unternehmen, die man bei solchen Führungen ordentlich bauchpinseln könnte, sondern treue Leser, Abonnenten der ersten Stunde von vor 25 Jahren.

Eine schöne Geburtstagsfeier gab es in einem Varieté in Hannover, auch Verlagsgeschäftsführer Steven P. Steinkraus, 61, war bis vier Uhr morgens dabei. Drei Tage später bekommt der gebürtige Amerikaner noch immer glückliche Augen, wenn er sich an die Laudatio des Autors und Technik-Philosophen Peter Glaser erinnert. Der hatte am Festabend der Computerbibel sogar den Bogen von der Aufklärungsarbeit des c't-Teams bis zur Verhinderung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen hinbekommen.

Männerarbeit im Keller

Vor allem aber steht die vierzehntäglich erscheinende Zeitschrift aus dem Heise Verlag in Hannover zum Jubiläum bestens da. Die Abozahlen steigen, im vergangenen Jahr sogar deutlich von 238 000 auf 250 000.

Dazu kommen regelmäßig an die 100.000 Leser, die am Kiosk aktuell 3,30 Euro für das meist über 250 Seiten dicke Heft hinlegen. Auch die Anzeigenumsätze entwickelten sich stabil, sagt Steinkraus und blickt unverdrossen in die Zukunft, als drohe keine Krise am Himmel der deutschen Printverleger: c't werde auch in 20 Jahren noch als Printprodukt in dieser Stärke existieren, prophezeit er.

Er sagt das so, als würde man gegen ein Zeitschriftengesetz verstoßen, wollte man das anzweifeln. Denn inhaltlich ist das Magazin samt seiner angesehenen Online-Seite heise.de zwar ein Special Interest-Produkt für IT-Profis und Technikfans geblieben, seine Geltung aber strahlt weit über die Nische hinaus.

90 Mitarbeiter löten und schreiben für c't. Die erste Ausgabe im November 1983 hatten noch vier Redakteure gefüllt. Mit dem Apple 2 war gerade der erste ernstzunehmende Personal Computer auf den Markt gekommen, der erste IBM-PC und der Commodore 64 folgten.

Goldesel des Verlages

Seine Millionen hatte Verlagsinhaber Christian Heise bis dahin mit Telefonbüchern und Nachschlagewerken verdient. Ein kleines Elektrojournal Elrad war nicht mehr als ein journalistisches Nischenprodukt im Haus. Doch dessen Anzeigenleiter, offenbar ein ausgesprochen fähiger Mann, registrierte rechtzeitig die steigende Nachfrage aus der Industrie nach Werbefläche im ersten PC-Boom der frühen achtziger Jahre und seinen Chefs die Idee für ein dazu passendes Magazin vorgetragen.

Wie sich dieser Vorschlag finanziell für den Elrad-Anzeigenleiter auswirkte, ist nicht überliefert. Doch die c't (der Name ergab sich aus der anfänglichen Kooperation mit einer englischsprachigen Zeitschrift namens Computing Today) hat sich in vielen Jahren unbestechlicher journalistischer Arbeit zum Goldesel des Heise Verlages entwickelt.

Im Anzeigenmarkt misst sich der Titel mit Computermagazinen großer Häuser, mit der monatlich erscheinenden Chip aus dem Burda-Verlag (durchschnittlich 408825 verkaufte Exemplare im 3. Quartal 2008) oder mit Springers vierzehntäglicher Computer Bild (706112 Exemplare). Inhaltlich spielt c't jedoch in einer anderen Liga.

Und das liegt auch an diesem angeblich aufgeräumten Keller. Dabei gehört schon ein gehobenes Maß an leidenschaftlichem Interesse für Platinen, Prozessoren, Adapter oder Netzteile, fürs Kabellöten oder Tastaturzerlegen dazu, um in den Testräumen des Verlages bei Laune zu bleiben.

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