Totó Cuffaro wurde wegen Begünstigung der Mafia verurteilt, nun zieht er selber vor Gericht: 4600 Kommentare unter einem YouTube-Video sollen ihn beleidigt haben.

Salavatore "Totó" Cuffaro gehört zu den zwielichtigen Gestalten in Italiens Politik: Als der ehemalige Regionalpräsident von Sizilien im Jahre 2008 wegen Begünstigung der Mafia zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde, feierte er dies mit einem Umtrunk für Journalisten und Freunde. Wegen des Urteils von seinem Amt zurückzutreten, fiel ihm erst einige Wochen später ein - als ihm seine Partei, die christlich-konservative UDC, einen guten Listenplatz für die anstehenden Senatswahlen anbot.

Bild vergrößern

Im Jahre 2006 hatte Salavatore "Totó" Cuffaro noch gut lachen. Damals steckte YouTube in den Kinderschuhen. (© Foto: AP)

Anzeige

Nun ist Cuffaro Senator und alles andere als glücklich über das, was im Internet über ihn geschrieben wird. Tausende Kommentare finden sich unter einem YouTube-Video, das einen TV-Mitschnitt aus dem Jahre 1991 zeigt. Dort meldet sich Cuffaro, damals noch kein Regionalpräsident, bei einer Diskussionsrunde unter den Pfiffen des Publikums zu Wort, um kritische Journalisten und den Mafia-Jäger Giovanni Falcone dafür zu beschimpfen, das politische System Siziliens zu beschädigen. Ein Jahr später wurde Falcone bei einem Mafia-Attentat getötet.

"Beleidigung und Drohungen"

Die Kommentare unter dem Video sind zum Teil wenig schmeichelhaft, weshalb Cuffaro der italienischen Zeitung La Repubblica zufolge nun bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet hat. Wegen "Beleidigung und Drohungen" will er alle Verfasser der 4600 Kommentare zur Rechenschaft ziehen, die sich zum Zeitpunkt der Anzeige unter dem Video verewigt hatten.

Antonio di Pietro, ein ehemaliger Minister der Prodi-Regierung, bezeichnet den Schritt in einem Blogeintrag als "pure Arroganz" und hat im Namen seiner Antikorruptionspartei Italia dei Valori den Betroffenen Hilfe angeboten. Erst einmal, so schreibt der frühere Staatsanwalt, hätten die Behörden allerdings die undankbare Aufgabe, die Identitäten aller Kommentatoren festzustellen, auch, wenn deren Aussagen überhaupt keine Beleidigungen enthielten.

Eventuell müssen Cuffaro und Staatsanwaltscahft allerdings auch nacharbeiten: Weil sich die Angelegenheit im Internet herumgesprochen hat, befinden sich inzwischen bereits mehr als 5800 Kommentare unter dem Video. Jetzt darf der Politiker neben Sätzen wie "Ha-ha, verklag mich doch" auch Beschimpfungen aus den verschiedensten Teilen der Welt lesen.

Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/joku/holz)