Nach dem Schweizer Volksentscheid kochen die Debatten im Netz hoch. Doch was unterscheidet, was eint islamkritische Gruppierungen? Eine Spurensuche.
Das "Ja" der schweizerischen Mehrheit zur Anti-Minarett-Initiative provoziert Erklärungen und Antworten auf grundlegende Fragen: Sind mehr als die Hälfte aller Schweizer ausländerfeindlich? Ist die Religionsfreiheit in der Schweiz bedroht? Sind Moslems in Europa strukureller Diskriminierung ausgesetzt?
Bild vergrößern
Die Anti-Minarett-Kampagne in der Schweiz erhielt viel Zustimmung vom rechten Rand (© Foto: Reuters)
Anzeige
Die Bandbreite der Fragen verlockt dazu, schnelle, schlichte Antworten zu suchen. Wer gegen die Minarette gestimmt hat, ist demnach xenophob, schließlich sind ja viele Moslems, die in der Schweiz leben, Ausländer. Und wer keine Minarette möchte, muss darüber hinaus kulturfeindlich sein, denn die Türmchen sehen doch so schön aus.
Die Wirklichkeit - man ahnt es - ist komplexer. Weltweit und im deutschen Sprachraum im Speziellen wachsen Gruppierungen zusammen, die sich noch vor wenigen Jahren grundsätzlich spinnefeind waren und die sich bis heute in allen Fragen jenseits der nach dem Islam und der Integration seiner Anhänger in die westliche Gesellschaft, unterscheiden. Gemeinsam haben sie nur eines: Alle kritisieren sie den Islam, die einen pauschal, die anderen bedächtig. Die einen mit Grund, die anderen aus purem Hass.
Politisch inkorrekt und rechtsaußen
Zu den einflussreichsten Aktivisten, die in Deutschland Stimmung gegen Muslime und deren Religion machen, gehören die Autoren der Internetseite Politically Incorrect. Die Nachrichten-Agenda rund um die schweizerische Anti-Minarett-Initiative bescherte der Webseite, die seit Februar 2006 regelmäßig aktualisiert wird, nach eigenen Angaben einen kräftigen Zuwachs in den Leserzahlen: Bis zu 65.000 Zugriffe verzeichnet PI derzeit täglich.
Insbesondere im Kommentarbereich der Webseite, in dem nach kurzer Registrierung jeder Leser seine Meinung kundtun darf, sind die Texte radikal anti-muslimisch, gelegentlich grundsätzlich ausländerfeindlich und fast immer von simplen, stereotypen Denkkategorien gekennzeichnet. "Liebe Musels!", schreibt einer mit dem Pseudonym r2d2, "Was wäre wenn wir eure Frauen und Töchter sexuell belästigen würden? Hättet ihr das gerne?"
Politically Incorrect ist dem Verfassungsschutz bekannt, wird dort aber nicht als verfassungsfeindlich eingeschätzt. Denn so harsch auf der Webseite Moslems angegangen werden, so radikal ihre Autoren gegen die Europäische Union, die arabische Welt und den Islam wettern, so eindeutig beziehen sie Stellung für das, was ihre Leser als "pro-westliche Werte" bezeichnen würden: Die amerikanischen Republikaner, Israel und das Christentum.
Liberal bis libertär
Und das ist nicht verfassungsfeindlich, sondern eher ein rechtsaußen angesiedeltes, aber eben nicht rechtsradikales Gegengewicht im sonst einseitig gegen andere ausgerichteten Verbalkampf. Dass ausgerechnet die Unterstützung durch die Radikalen von PI-News dem Image Israels in Deutschland helfen dürfte, darf allerdings bezweifelt werden.
Diese Zweifel hegen zum Beispiel die selbsternannten "Freunde der Offenen Gesellschaft", einer mittlerweile eher lose verbundenen Berliner Gruppe liberaler bis libertärer Geister, deren kluge Mitglieder und assoziierten Freundeskreise sich einerseits in der Nähe der wirtschaftspolitischen Ideen Ludwig von Mises verorten, andererseits durch eine besondere Treue zu Israel auffallen. Und die als logische Konsequenz dieses Bündnisses ein besonders kritisches Augenmerk auf die Entwicklungen islamischer Aktivitäten in Deutschland und der gesamten Welt legen, zum Beispiel auf der seit 2008 stattfindenden Konferenz "Stop the Bomb", die unter anderem von dem Politikwissenschaftler Matthias Küntzel unterstützt wird.
Ihre Kritik ist durchdacht und fundiert, sie konzentriert sich viel mehr auf wirtschaftliche und politische Gegebenheiten - zum Beispiel auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem Iran - als auf das marktschreierische Anprangern von "Ehrenmorden", wie es auf der Webseite PI-News gepflegt wird.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Thema
- Minarett-Verbot RSS
- Schweiz und das Minarett-Verbot Die große Verbockung 02.12.2009
- Minarett-Verbot "Ein weibliches Ja" 02.12.2009
- Nach Minarett-Verbot Muslime sollen Schweizer Konten räumen 02.12.2009
- Rechtspopulistische Initiative erfolgreich Schweizer stimmen gegen Minarett-Bau 29.11.2009
- Religionsfreiheit für Muslime Minarette als Raketen 22.01.2010
- Antisemiten und Islamfeinde Hetzer mit Parallelen 04.01.2010
- Minarettverbot: Politische Korrektheit Ihr könnt aufhören! 25.12.2009
Surfrider Beach in Malibu
Politische Korrektheit ist deswegen so gefährlich, weil sie sich eines einfachen "bist Du nicht für uns, bist Du gegen uns"-Reflexes bedient. Dadurch werden alle potentiellen Kritiker in eine bestimmte Tabu-Ecke gedrängt.
Der Artikel arbeitet eigentlich sehr schön heraus, dass es sich im PI-Forum nicht um rechtsradikale Elemente handelt, sondern im Gegenteil um liberal bis libertär Denkende!
Schön beobachten konnte man das bei der Affenkarikatur von Michelle Obama. Es ist nichts Ungewöhnliches, dass Menschen im öffentlichen Leben mit solchen Späßen bedacht werden. George W. Bush erhielt eine ganze Affencollage! Allerdings löst dieses Bild einen PC-Reflex aus, der auch hier im SZ-Forum haufenweise zu lesen war.
Eines der perfidesten Werkzeuge der PC-Fraktion ist die Verminung der Sprache, etwa durch Dinge wie das "Unwort des Jahres". Anfangs gedacht, um zynische Euphemismen bloßzustellen, wird es immer mehr dazu benutzt, um bestimmten Meinungen das Vokabular zu entziehen bzw. denen, die es dennoch benutzen eine entsprechende Tabu-Gesinnung unterzuschieben.
Eine Gesellschaft, in der ein Sarrazin sofort für einen winzigen, aus dem Zusammenhang gerissenen Teil einer längeren Rede, berufliche Konsequenzen erleidet, weil er schlichtweg die Wahrheit sagt, die dieser Fraktion nicht passt, macht mir viel mehr Angst als die, in der man hin und wieder ein paar extreme Plattitüden ertragen muss.
Ich fordere ein Fiffi-Verbot* im Bundestag! (Und natürlich in allen öffentlichen Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland.) Wer weiß denn schon, was er darunter trägt?!?
*Toupet
Friedmann? Sternstunde? Ich glaube zwar die selbe Sendung gesehen zu haben, aber nach dieser Schilderung bin ich mir nicht mehr sicher...
Nicht, dass ich ein Freund von Bosbach wäre, im Gegenteil, aber Friedmann hat schon ein Talent, Tatsachen zu seinen Gunsten zu verdrehen... *hust*
Und ist es unerträglich, was dort in den Kommentaren zum Besten gegeben wird. Wo die so genannten "News", die in Wirklichkeit nichts als um Vorurteile angereicherte Paraphrasen anderswo erschienener Artikel sind, sich noch einigermaßen im Rahmen eines wie auch immer gearteten Ethos bewegen, geben die jeweiligen Kommentare den Rest dazu: So wird aus einfachem, rechtspopulistischem Geschmier ein gefährlich-braunes Gebräu der besonderen Art.
Nicht umsonst muss von PI-Seite immmer und immer wieder betont werden, man sei ja soooo pro-westlich und nicht umsonst beruft man sich immer wieder auf solche "differenzierten" "Denker" wie Broder, der sich kürzlich dazu verstieg, das - sicher nicht demokratische - Regime in Teheran als "Diktatur pädophiler Greise" zu denunzieren oder einen Ralph Giordano, der sich bis heute nicht dafür entschuldigt hat, muslimische Frauen zu vertieren, indem er sie als "Pinguine" verunglimpfte*.
Aber vielleicht wächst da ja auch zusammen, was in seiner Schlichtheit zusammen gehört.
Schade wär's.
*Herr Giordano sollte sich eigentlich noch daran erinnern, wie Menschen im 3. Reich entmenschlicht wurden und so etwas grundsätzlich unterlassen. Aber so werden aus Opfern eben manchmal Täter.
In einer Talkshow am Mittwoch wurden wie erwartet von Bosbach die ewigen Phrasen gedroschen, ohne Lösungsvorschläge vorzubringen. Er mußte sich, wie stets mehrerer Spickzettel bedienen. Daß man nun den Schweizern von deutscher Seite den Besser-Wessi spielt (die Ossis würden ohnehin alle ihnen fremd erscheinenden herausjagen), halte ich für anmaßend. Gerade durch Bosbach und seine CDU einschl. der CSU o. der FDP wurde der Fremdenhaß in Deutschland geschürt. Auch weil diese stets ignorierten, daß D längst ein Einwanderungsland war - durch sie hervorgerufen, weil man mit billigen Gastarbeitern die deutschen Löhne drücken wollte.
Sie haben die Situation nicht einmal erkennen wollen, als Andersgläubige vom deutschen Mob in Ost und West verbrannt wurden.
Friedmann plädierte leidenschaftlich für ein friedliches Zusammenleben aller Konfessionen in Deutschland u. prangerte das Versagen deutscher Politik an. Da Bosbach so gern mit Zahlen hantiert, bewies er ihm das Gegenteil. Nachdem Friedmann den Konservativen (selbst Parteimitglied) ihr Integrationsversagen gegenüber allen Migranten - 5 % einschl. Muslime - vorwarf, kam sein Spitzenhammer:
Er warf Bosbach vor, sich auch nicht um die 15 % ausgegrenzten Deutschen zu kümmern, unter denen weit mehr gewaltbereite Neo-Nazis sind, als der verschwindend kleine Anteil an evtl. gewaltbereiten Muslime.
Es hat nicht viel gefehlt - sonst wäre Bosbach an seiner Sprachlosigkeit erstickt - oder weil ihm der nötige Spickzettel fehlte.
Paging