Ein Kommentar von Jörg Donner

Das lang erwartete iPhone ist da. Gestern Abend stellte Apple-Chef Steve Jobs das Gerät vor und die Mac-Gemeinde ist hingerissen. Aber hat das Telefon auf dem Markt eine Chance?

Das iPhone ist ein Hingucker, keine Frage. Ein Telefon ohne Tasten hat es bislang noch nicht gegeben. Zwar bietet beispielsweise das LG Chocolate ebenfalls einen Touchscreen, aber die Zifferneingabe erfolgt nach wie vor über einen Ziffernblock, die Steuerung über Tasten.

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Glaubt man den Worten von Steve Jobs ist die Bedienung außerordentlich intuitiv: Kontakte werden einfach per "Fingerzeig" ausgewählt, virtuelle Buttons erscheinen dann, wenn man sie benötigt. Das hört sich zunächst mal sehr gut an. Allerdings ist das Display einer der größten Stromverbraucher in Mobiltelefonen. Der 3,5-Zoll große Bildschirm ist zwar schön anzusehen, für die Batterielebensdauer aber ein Manko. Über die Standby-Zeit, also die Dauer, bevor das Handy wieder ans Netz muss, schweigt sich Apple bislang aus.

Auch die Internet-Funktionalität beeindruckte die Zuhörer am Dienstag Morgen in San Francisco. Ein Druck aufs Display und die Internetverbindung stand. Im iTunes-Store schnell ein Lied herunterladen? Kein Problem.

Vor allem die Netzbetreiber werden sich angesichts dieser Anwendungen die Hände reiben. Schließlich lässt sich mit Datentarifen im Gegensatz zur Sprachtelefonie noch richtig Geld verdienen. Bei T-Mobile kosten beispielsweise 200 Megabyte Datenvolumen 20 Euro monatlich. Nutzt man das Telefon tatsächlich zum surfen und für Downloads, kommt diese Datenmenge schnell zusammen.

Videonachricht statt sms

Eine sms zu tippen dürfte auf dem virtuellen Keyboard deutlich schwieriger sein, als auf der gewohnten Nummernblock-Tastatur. Für Steve Jobs kein Problem, denn statt dessen schicke man sich heutzutage sowieso lieber eine Videonachricht, sagte er bei der Keynote. Die Nutzer sehen das freilich momentan noch anders. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland über 20 Milliarden sms verschickt, Multimedianachrichten (MMS) lagen dagegen im unteren Millionenbereich. Womöglich setzt das iPhone hier einen neuen Trend - der sich aber sicherlich auch an den Preisen der Provider orientieren wird. Für MMS fallen momentan noch deutlich höhere Gebühren an, also für sms.

Zudem ist das Apple-Handy rein technisch gesehen nicht auf dem neusten Stand: Keine UMTS-Funktionalität, nur 2 Megapixel-Kamera, keine Möglichkeit für Speicherkarten. Ärgerlich auf der einen Seite, andererseits möglicherweise genau das, was sich viele Anwender wünschen: Ein einfach zu bedienendes Gerät, ohne technischen Schnickschnack, in schöner Optik. Mit diesem einfach Prinzip hat Apple den Markt für mp3-Player klar definiert, der iPod steht mit 62 Prozent Martkanteil unangefochten an der Spitze.

Möglicherweise enthalten zukünftige Modelle des iPhone zusätzliche Spielereien. Auch beim iPod kamen Features wie Videofunktionalität und längere Spieldauer erst nach und nach. Apple hat es immer verstanden, mit dieser häppchenweisen Dreingabe seine Kunden bei der Stange zu halten und ordentlich zu verdienen.

Geht dieses Prinzip auch beim iPhone auf, müssen sich Nokia, Motorola und Co. warm anziehen.

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