iPhone, Mac und Co "Da haben wir kein Einfluss, das sind Apple-Preise"

Tja, und dann ist noch was passiert, dieses Jahr, was dann eben gar nicht mehr geht, selbst wenn man die schönsten Geräte und die beste Technik erfinden würde. In diesem Jahr wurde das Geschäft nämlich endgültig ideologisch. Apple verkauft ja schon lange nicht mehr nur Geräte, sondern auch Inhalte. Mit welcher monopolistischen Kaltschnäuzigkeit der Konzern dabei vorgeht, durften die Produzenten von Apps vor Kurzem feststellen.

Apple hob die Preise im App-Store in Europa einfach um durchschnittlich einen Euro pro App an. Dabei bezog Apple die Verhandlungsposition von, sagen wir mal, Darth Vader. Es wurde einfach gar nicht verhandelt, sondern in Kenntnis gesetzt. Die Apps-Hersteller gingen dann zähneknirschend mit den Preisen runter, damit sie weiterhin ihre Produkte im "App-Store" verkaufen können.

Auch bei iTunes wurde es ulkig, als Hörer von naturgemäß obszöner Hip-Hop-Musik unlängst bemerkten, dass die expliziten Versionen ihrer legal gekauften und bezahlten Lieder über Nacht durch jugendfreie Versionen ausgetauscht worden waren. Wo vorher ein "motherfucker" zu hören war, wurde nun ausgeblendet oder überpiept.

Je nach Lied und Interpret kann da bei Hip-Hop eine Menge Text verloren gehen. Dafür musste man nur einen Apple-Service für 24,99 Euro im Jahr bestellen, der die Song-Liste auf alle verfügbaren Apple-Geräte im Haus vervielfältigt. Eigentlich praktisch, ich bin schließlich nicht der Einzige, der einen Apple-Maschinenpark zu Hause herumstehen hat und noch einige Geräte mit sich herumschleppt.

Der Macintosh Classic II - wie das Foto einer vergangenen Jugendliebe

Dieser US-amerikanische Puritanismus kippt nach unserer Sichtweise sowieso schnell ins Absurde. Zum Beispiel als Apple vor Kurzem zwei Bücher des Autors Peter Øvig Knudsen über die dänische Hippie-Bewegung aus dem Apple-Store entfernte, weil nackte Menschen auf dem Cover abgebildet waren. Wie gesagt, es geht um die Hippie-Bewegung, inhaltlich ist das also durchaus gedeckt, auch für US-Moralwächter müsste das leicht zu begreifen sein, denn die Bücher heißen "Hippie 1" und "Hippie 2". Und überhaupt, wie kommen die dazu, so was zu zensieren?

Knudsen machte sich den Spaß, die entscheidenden Teile des Covers daraufhin mit Äpfeln abzudecken. Ein paar Tage blieb das neue Cover anschließend im Store, dann wurde es wieder gesperrt. Vielleicht hatte dann doch jemand bemerkt, am Hauptsitz von Apple in Cupertino, dass es ein Gag auf Kosten der Firma war. Dass Titel von Zeitschriften im App-Store zensiert werden, ist seit Langem üblich. Aber irgendwie regt sich niemand so richtig darüber auf. Die Zulieferer, auch die deutschen Verlage, haben wenig Macht in dieser Frage, denn die Macht haben die Konsumenten durch ihre Produktkäufe leider Apple übertragen. Und solange wir weiter und weiter kaufen, kann der Konzern machen, was er will.

Nur wird mir das jetzt eben alles zu lächerlich. Mein iPhone hat sowieso seit einem Jahr einen Sprung im Gehäuse. Es fiel einmal runter, das hat gereicht, und bei T-Mobile teilte mir die freundliche Kundenberaterin mit, eine Reparatur koste pauschal 240 Euro, "da haben wir keinen Einfluss drauf, das sind die Apple-Preise."

Im Februar läuft der Vertrag aus, dann motte ich entweder mein altes, viel kleineres Nokia wieder aus oder bestelle mir ein neues Smartphone. Bald werden auch die anderen Geräte in meinem Haushalt wieder veraltet sein, irgendein Betriebssystem, das wie ein Raubtier heißt, wird von meinem Prozessor nicht mehr verstanden werden, und dann: Aus.

Der Apple Macintosh Classic II, der immer noch in meinem Regal steht, wird auch das überleben. Er steht da ja schon lange nicht mehr als Gebrauchsgerät, sondern als Erinnerungsstück. Es ist wie mit dem Foto einer vergangenen Jugendliebe, an dem man ab und an vorbei geht und sich fragt, was wohl gewesen wäre, wenn man sich nicht auseinandergelebt und irgendwann getrennt hätte.