iPhone, Mac und Co Steve Jobs' Weltherrschaftsphantasien

Nun hat Steve Jobs selber nie behauptet, ein netter Mensch gewesen zu sein. Aber es ist dann doch erstaunlich, wie man die von ihm gewünschte und geförderte Biografie aus dem vergangen Jahr zusammenfassen kann: Dem Buch zufolge hatte Jobs eine ziemliche Sozialstörung.

Weltherrschaftsphantasien waren noch ein sympathischer Teil seines Ich-Kults. Wobei man in so eine Erfolgsgeschichte ja auch immer die Frage hineinliest, ob man selbst reicher, mächtiger, berühmter wäre, wenn man sich wie eine offene Hose verhalten würde. Wer weiß. Sicher ist: Auch ein erfolgreicher Sektierer ist immer noch ein Sektierer.

Mein Facebook-Verlauf füllte sich nach Jobs' Tod schneller mit Kondolenzen, als ich Freunde disconnecten konnte. Dabei war es Steve Wozniak, der einfach nur bessere Computer bauen wollte. Woz, wie er ehrfurchtsvoll genannt wird. Woz' technisches Genie und Jobs' Ehrgeiz haben uns Geräte beschert, zu denen ich bis heute ein fast erotisches Verhältnis habe. Die Überführung der superreduzierten Bauhaus-Philosophie in das Informationszeitalter wird mich weiterhin mit Begeisterung erfüllen. Bis heute haben die Apple-Geräte eine haptische Sexyness, die dazu führt, dass man sie einfach gerne besitzen möchte.

Jobs zog seine Produktvorstellungem in Stil von Gottesdiensten auf

Wobei Apple mittlerweile von einigen Konkurrenten eingeholt wurde. Auch andere Hersteller stecken inzwischen mehr Geld und Geist in das Produktdesign - während Apple allmählich formal auf der Stelle tritt. Mit dem Ergebnis: Viele Geräte sind ähnlich ästhetisch - aber Apple ist immer noch teurer.

Bleibt die gesellschaftsverändernde Kraft der Firma, die zu erkennen ist, wenn man im Zug Jugendliche beobachtet, die mit Fingerwischbewegungen versuchen, die Anzeige dazu zu bewegen, etwas anderes anzuzeigen als die verspätete Ankunftszeit. Leider zeichnet sich die Informationsgesellschaft durch ein kurzes Gedächtnis aus. Da kann man noch so viele Patente anmelden - den Touchscreen beispielsweise nehmen die meisten Menschen heute als Standard wahr. Wie ein Lenkrad im Auto, das auch sicher mal jemand erfunden hat.

Dass Steve Jobs es als eine seiner letzten Lebensaufgaben empfunden hat, das Google-Mobilbetriebssystem Android zu zerstören, ist bezeichnend. Cool war nur Woz, Jobs hingegen war der Mann für die Ideologie. Seine Produktvorstellungen zog er im Stil von Gottesdiensten auf. Seine Stärke war das Marketing.

Wie verkniffen Jobs und seine Konzernphilosophie dabei immer waren, konnte ich erst vor Kurzem im Spiegel nachlesen. Da erschien ein Bericht über die bizarren Schulungs- und Arbeitsbedingungen in den Mac-Stores. Zum Beispiel müssen sich die Verkäufer angeblich Gedichte ausdenken. Etwa dieses: "Welch ein toller Ort / Community, Freunde und Spaß / Ja zum Apple Store!"

Abgesehen davon liegen die Arbeitsbedingungen zwar über den Standards bei Foxconn, allerdings deutlich unter denen bei Karstadt. Schlechte Bezahlung, ständige Kontrolle, Begeisterungsterror. So richtig begeistert kann man einen Apple-Store nicht betreten, wenn man weiß, dass der Verkäufer weder mit Werkzeug helfen darf noch dort arbeiten könnte, ohne ausgebeutet und in Versform erniedrigt zu werden.

Bleibt die Online-Bestellung. Theoretisch. Was aber passiert, wenn man beim Apple-Telefonservice landet, zum Beispiel deshalb, weil die halbe iTunes-Musiksammlung nach einem Gerätewechsel verschwunden ist: geschenkt. Vermutlich hätte man sich die absurd teure Garantieverlängerung dazukaufen sollen (wenn das Gerät problemlos älter als ein Jahr werden soll). Im Store wird einem das gern aufgeschwatzt - als hätte man es mit Versicherungsvertretern im Beteiligungsrausch zu tun. Nur ohne Beteiligung.