iPhone, Mac und Co Apple-Kunden halten sich für etwas Besseres

Vielleicht lässt sich diese Schizophrenie mit einer Studie erklären, die vor zwei Jahren durch die Presse geisterte. Demnach fühlen sich die Käufer von Bio-Produkten berechtigt, sich vorzudrängeln und beim Bezahlen zu schummeln, weil sie ihr Verhalten sowieso für überlegen halten.

So ließe sich erklären, warum man von Prenzlauer Berg in Berlin bis zum Münchner Glockenbachviertel weiterhin den Apfel durch die Glasfronten der Cafés mit W-Lan leuchten sieht, und warum weiße Kopfhörerkabel sogar in den Camps der Occupy-Bewegung auszumachen waren. Apple, dieser riesige, schillernde Tempel des Turbokapitalismus, wird nicht angegriffen, weil die Kunden sich für etwas Besseres halten und vermutlich den eigenen Gerätepark nicht entwerten wollen.

Ich habe nichts gegen Distinktionsgewinn und Warenfetischismus, aber das Zurschaustellen meines MacBooks oder iPhones an öffentlichen Orten erscheint mir zunehmend so, als würde ich in Klamotten aus Bangladesch in einem Hummer-Jeep durch ein Biotop brettern.

Als die Apple-Produkte rauskamen waren sie so schick, so sexy, so gut

Nun kann man sich vielleicht nicht für alles Elend der Welt verantwortlich fühlen; man kann sich auch nicht allzeit politisch korrekt verhalten (PC!). Ich vermute als aufgeklärter Konsument natürlich auch Ausbeuter und Umweltfeinde unter den Herstellern meines Flachbildfernsehers, meiner Möbel und meiner Lebensmittel. Aber ich vermute sie eben nur.

Bei Apple allerdings häufen sich die Hinweise. Deswegen ist es mir heute auch unangenehm, dass ich die Firma seit Jahrzehnten unterstütze. Mit einem beigen Quader namens Apple Macintosh Classic II fing es vor 20 Jahren an. Seitdem habe ich einen ganzen Schrottplatz an Apple-Geräten angehäuft, Quadra, PowerBook, ein bonbonbunter iMac, Titanium-Baureihe... Ich will gar nicht wissen, was das alles insgesamt gekostet hat, einen bedenklichen fünfstelligen Betrag auf jeden Fall. Die Geräte sind nach zwei, drei Jahren ja meistens schon veraltet.

Aber als sie rauskamen, waren sie so schick, so sexy, so gut. Und zwar nicht nur gut im Sinn der Qualität. Gut im Sinn von: auf der richtigen Seite stehen. Das Böse, das war Microsoft, das war Bill Gates. Microsoft versuchte, ein Monopol zu errichten, Konkurrenten zu schlucken oder zu vernichten, die Weltherrschaft zu übernehmen.

Als Apple-User war man Einwohner des kleinen gallischen Dorfes, das sich dieser Übermacht entgegenstellte. So fühlte es sich in den 1990er-Jahren an, wenn man Apple kaufte. Dass man für die gleiche Qualität mehr bezahlen musste als einer dieser "PC"-Käufer: schon okay. So wie man heute für Ökoprodukte mehr bezahlt, selbst wenn nicht klar ist, ob sie gesünder sind. Man bezahlt auch für das erhabene Gefühl.

Die Zeiten haben sich geändert, Bill Gates hat sich lange aus dem Geschäft zurückgezogen und Milliarden in wohltätige Stiftungen investiert, während Apple gleich ein paar Weltherrschaften errichten konnte, die mit äußerster Härte verteidigt werden.