iPhone, Mac und Co Schluss mit Apple

Verführerisch: Unser Autor hört trotz seiner jahrelangen Faszination für Apple-Produkte auf, sie weiter zu kaufen

Seit 20 Jahren betet unser Autor die Produkte von Apple an. Jetzt macht er Schluss. Warum? Weil er sich verraten fühlt - und weil Apple böse wurde. Die traurige Geschichte vom Ende einer Liebe.

Von David Pfeifer

Ich mag mein iPhone nicht mehr. Das ist insofern ungewöhnlich, als ich anfangs eine geradezu obsessive Beziehung zu ihm hatte. Mein iPhone und ich, das war irgendwas zwischen einer Affäre im On/Off-Modus und einem zickigen Haustier, auf das man nicht treten sollte. 2008 habe ich mir eines besorgt, ich war nicht unter den ersten Käufern, aber ich war früh dran. 2011 dann das zweite. Es wird mein letztes gewesen sein. Mein letztes in einer langen Reihe von Apple-Produkten seit 1992. Nun ist Schluss, es ist vorbei. Aus.

Ich wurde verarscht, getäuscht, schlecht behandelt - und dann kamen noch Dinge ans Tageslicht, die ich lieber nicht gewusst hätte. Zu viel ist passiert in den vergangenen zwei Jahren: So kann ich kein entspanntes Verhältnis mehr zu meinem iPhone, iMac oder MacBook Pro haben. Lange, sehr lange habe ich mir das angesehen, nun bin ich an einem Punkt angelangt, an dem klar ist: Zu einem Idioten gehören immer zwei. Einer, der ihn dazu macht, und einer, der sich dazu machen lässt.

Man kann mir Naivität unterstellen - schließlich habe ich erst Skrupel bekommen, als in der Presse breitgetreten wurde, dass sich in China die Arbeiter beim Apple-Teile-Lieferanten Foxconn umbringen, weil sie die Arbeitsbedingungen nicht mehr ertragen. Dass man nicht durch Humanismus zum wertvollsten Börsenunternehmen der Welt wird, war mir auch vorher klar.

Apple erzielt Traumrenditen, von denen andere nur träumen können

Aber Apple macht nicht nur Gewinn, der Konzern erzielt mit diesen Ausbeutermethoden Traumrenditen, von denen Hersteller anderer elektronischer Geräte nur träumen können. Normalerweise setzt nach jeder technischen Erfindung ein unbarmherziger Preiskampf ein, an dessen Ende ein MP3-Player nur noch zehn Euro kostet.

Apple aber stellt sich der Konkurrenz nicht, sondern überzieht sie mit Patentklagen. Und um die Arbeitsbedingungen bei Zulieferern muss Apple sich nicht scheren, solange Kunden wie ich trotzdem weiterhin Mondpreise bezahlen. Interessant ist die Frage, warum aufgeklärte Konsumenten die Herstellungsbedingungen ausgerechnet bei Apple konsequent ausblenden.

Als Ende der 1990er-Jahre die ersten Geschichten über die Arbeitsbedingungen beim Sportschuhhersteller Nike in dessen asiatischen Fabriken ans Licht kamen, war das ein herber Imageverlust. Der Nachweis sauberer Produktionsmethoden gehört mittlerweile ins Stammbuch der meisten Weltkonzerne. Apple aber entzog sich den obligatorischen Öko-Standards.

Erst als sich 2012 der Protest von Macianern regte, erklärte der Konzern, wenigstens die reichlich laschen US-Umwelt-Standards für die Recycle- und Reparierbarkeit von Elektrogeräten zu erfüllen. Bis heute werden nicht ersetzbare Teile in Apple-Geräten verbaut, an den Rest gelangt man nur mit Spezialwerkzeug.

Umso erstaunlicher, dass Apple-Produkte weiterhin als Statussymbole taugen - vor allem in einer Gesellschaftsschicht, die sich etwas darauf einbildet, das Auto gegen ein Fahrrad getauscht zu haben und kein Fleisch mehr zu essen.