iPad von Apple Schreibblock oder Tampon?

Apple feiert sich und sein neuestes Gadget. Ganz ohne Ärger geht das nicht. Der Konzern erntet Spott wegen des Namens "iPad" - und muss rechtliche Konsequenzen fürchten.

Von Jürgen Schmieder

Kaum hatte Apple-Chef Steve Jobs am Mittwoch das neue Produkt seines Unternehmens vorgestellt, wurde im Internet über den Namen des Tablet-Rechners gespottet. "Pad" bedeutet im Englischen nicht nur "Schreibblock", worauf Apple offensichtlich abzielt, sondern unter anderem auch "Tampon" oder "Damenbinde" - weshalb sogleich entsprechende Bilder mit dem Apple-Logo und dem Slogan "iPad: Wie ein Tampon, nur teurer" kursierten. Auch eine obszöne Parodie der TV-Sendung "MadTV" aus dem Jahr 2006, in der eine Geschäftsfrau das "iPad" erfindet, wurde in den vergangenen Tagen auf der Video-Plattform YouTube mehr als eine Million Mal aufgerufen.

Konflikt mit Fujitsu

Neben all dem Spott könnte die Namensgebung auch ernsthafte Konsequenzen für Apple nach sich ziehen. Die japanische Firma Fujitsu nämlich brachte vor sieben Jahren ein Touchscreen-Gerät mit Intel-Prozessor, 3,5-Zoll-Bildschirm und Microsoft-Betriebssystem auf den Markt; es sollte Verkäufern in großen Geschäften ermöglichen, mobil Zugriff auf das Warensystem zu haben. Der Name des Geräts: iPad. "Nach unserem Verständnis gehört der Name uns", sagte Fujitsu-Pressesprecher Masahiro Yamane der New York Times. "Auch für unser Produkt ist Mobilität ein Schlüsselbegriff, der Benutzer hat alle Daten sofort verfügbar." Apple erkennt die Argumentation nicht an - vor allem weil das japanische Unternehmen selbst Probleme hat, den Namen für sich zu reklamieren.

Fujitsu stellte vor der Einführung einen Antrag auf Markenschutz. Dieser wurde jedoch vor einem Jahr abgelehnt mit der Begründung, die Sicherheitsfirma Magtek habe die Bezeichnung noch früher für ihr Kreditkartenlesegerät "IPAD" angemeldet. Im Juni vergangenen Jahres legte Fujitsu Einspruch gegen diese Entscheidung ein und bekräftigte seinen Anspruch. Einen Monat später sicherte sich das Apple-Unternehmen Slate Computing in Kanada den Namen iPad und reichte beim amerikanischen Patentamt eine Reihe von Anträgen ein. Bis zum 28. Februar muss Apple nun laut Patentamt erklären, ob die Firma Schritte gegen den Anspruch Fujitsus auf den Markennamen einleiten möchte.

Geheimes Abkommen

Der aufkeimende Streit erinnert ein wenig an das Jahr 2007, als die Firma Cisco gegen Apple klagte, mit der Begründung, die Rechte am Namen "iPhone" zu halten. Kurze Zeit später gaben beide Unternehmen eine knappe Pressemitteilung heraus: Man habe sich darauf geeinigt, dass beide Firmen den Namen verwenden dürfen. Der Rest des Abkommens blieb geheim, es wurde jedoch spekuliert, dass Apple einen sehr hohen Betrag an Cisco überwiesen habe. Auf eine derartige Einigung könnte es im aktuellen Streit auch hinauslaufen, auch wenn Masahiro Yamane betont, dass Apple noch keinen Kontakt zu Fujitsu aufgenommen habe, um die Rechtslage zu klären. "Wir wussten von Apples Plänen und haben nun unsere Anwälte beauftragt", sagt Yamane.

Auch andere Firmen könnten Ansprüche erheben

Da sich die Sicherheitsfirma Magtek aus dem Zwist bislang heraushält, streiten in den USA derzeit nur Fujitsu und Apple. Weltweit indes könnten auch andere Firmen Ansprüche erheben. Der Rechtsanwalt Jens Hänsch etwa hat herausgefunden, dass in der europäischen Union der Name iPAD seit Februar 2006 für die Siemens AG als Gemeinschaftsmarke unter der Nummer 004928859 geschützt ist. In Kanada dagegen gehört er der Dessous-Marke Coconut Grove Pads. Das Unternehmen vertreibt unter dem Namen iPad Büstenhalter. "Pad" bedeutet eben nicht nur Schreibblock oder Tampon, sondern auch Pölsterchen jeder Art.

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