sueddeutsche.de: Sie haben einmal eine Kulturflatrate ins Spiel gebracht, mit der, wie beim Fernsehen, pauschal für kulturelle Leistungen gezahlt werden könnte. Ist das eine Utopie?
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Hoeren: Zunächst einmal ja. Es gibt kaum Anwendungsfälle, ich habe mal gelesen, dass auf der Isle of Man eine Kulturflatrate umgesetzt worden sei. Der Vorschlag entstammt einer geradezu legendären Sitzung im französischen Parlament, wo er lang diskutiert worden ist. Ich glaube, dass eine Kulturflatrate als Gesamtlösung für alle Internetnutzungen nicht kommen wird. Es lässt sich ja auch kaum berechnen, wer was wann und wo bezahlen soll. Schon bei den Rundfunkgebühren gibt es viel Geschrei. Wie soll es da erst bei der Nutzung des Internets werden. Eine solche Flatrate könnte aber für bestimmte Marktsegmente sinnvoll sein. In der Forschung wird der Bereich Wissenschaft derzeit besonders diskutiert. In eine Unibibliothek darf ja noch nicht einmal ein USB-Stick mitgenommen werden, weil die Regelungen des Urheberrechts dem entgegenstehen. Da könnte eine Wissenschaftsflatrate helfen, wie es sie bereits in den Niederlanden gibt. Einmal zahlen, und dann ist Ruhe.
sueddeutsche.de: Wie sieht das Urheberrecht in zehn Jahren aus?
Hoeren: Wir stehen derzeit an einem Wendepunkt. Derzeit sieht es so aus, als könnten die Verleger und Tonträgergesellschaften das Urheberrecht förmlich explodieren lassen, in dem sie die Leistungsschutzrechte stark aufblähen.
sueddeutsche.de: Die Rechte würden sich dann vor allem Unternehmen sichern?
Hoeren: Es gibt eine entsprechende Initiative des EU-Kommissars Charlie McCreevy, der die Leistungsschutzrechte von Tonträgerherstellern von 50 auf 95 Jahre ausdehnen will. Dann gibt es die BGH-Entscheidung zu den Musiksamples. Es entsteht also der Eindruck, dass die Leistungsschutzrechte groß an Bedeutung gewinnen. Die Kreativen aber auch die Nutzer würden ins Abseits gestellt. Und die Verleger kloppen sich dann gegenseitig darum, wer welches Wort oder welches Musikstück wo verwenden darf.
sueddeutsche.de: Was wäre die Alternative?
Hoeren: Es müsste - unter Beteiligung der Netzgemeinde - eine geordnete Diskussion über das Dreieck Urheber, Rechteinhaber, also Leistungsschutzberechtigte, und Nutzer geben. Verfassungsrechtlich müsste geklärt werden, wie die unterschiedlichen Interessen dieser drei Parteien optimal entfaltet werden können.
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(sueddeutsche.de)
Griechenland und die Euro-Zone
Es müsste eine Bagatellgrenze geben, die sich an der Art der Nutzung orientiert, als das Private noch privat war.
Fast jeder hatte früher zuhause einen Schrank mit alten VHS-Kassetten, von denen einige Kopien aus der Videothek waren. Gleiches galt für MC-Kassetten, deren Inhalt auch nicht ausschließlich aus dem Radio kam.
Die Musikindustrie erfuhr dadurch auch kostenlose Werbung und ich habe seinerzeit auch noch deutlich mehr Geld für Tonträger ausgegeben als heute.
Auf die Bespielbaren wird nämlich noch heute eine Naz... ähm Gemagebühr fällig, womit alles, was man darauf brennen könnte abgegolten ist.
Dennoch werden, wie Rottmair gesagt hat, Kinder kriminalisiert und um eine weitergehende Zensur durchzusetzen gleichzeitig als Grund vorgeschoben...
Urheberrecht (und demnaechst das Leistungsschutzrecht) wird immer mehr dazu verwendet, um Geld zu drucken und hindert Kreativitaet.
Da werden mit brachialer Polizeigewalt kleine Kinder zu Schwerkriminellen gemacht (http://www.lawblog.de/index.php/archives/2010/07/23/durchsuchung-im-kinderzimmer/)
Da loescht schon mal die GVU das falsche Video und ist sich noch nicht mal zu schade dafuer, sich nicht zu entschuldigen und steht nicht zu ihren Taten: http://www.heise.de/newsticker/meldung/GVU-lehnt-Verantwortung-fuer-faelschliche-Videosperrungen-ab-1057653.html
Das Urheberrecht ist veraltet, nicht im Rechtsempfinden des normalen Menschen und immer oefter ein Hemmnis fuer Fortschrit und wirtschaftlichen Wohlstand. Wann reformieren wir das endlich??
Aus meiner Verachtung für diese Berufsgruppe habe ich nie einen Hehl gemacht, weil diese Typen keinerlei Mehrwert schaffen.
Ich bin Künstler und muss "eigentlich mehr als 140 Rechtsordnungen prüfen, um festzustellen, ob etwas wirklich als gemeinfrei angesehen werden kann", was natürlich nur Figuren zustande bringen, die sich ausschließlich mit der Feststellung haarspalterischer Wahrheitsaussagen beschäftigen, dabei aber nichts Neues hervorbringen oder der Allgemeinheit nützen.
Stattdessen schaden sie Letzterer indem sie in der Politik immer mehr ihren Bedarf zementieren (die Mehrheit der Berufspolitiker sind Juristen) oder in ihrem eigentlichen "Beruf" für viel Geld anderer Leute gegenseitig aufeinander los zu plappern.
Unterm Strich wird viel Geld vernichtet, das man für den jeweiligen künstlerischen Zweck besser hätte einsetzen können.
Danny DeVito stellte als Simon Garfield ("Das Geld anderer Leute") den einen, einzigen Vorteil einmal schön heraus, den ein neu aufflammender Kommunismus haben könnte: "Als erstes stellen sie alle Anwälte an die Wand und dabei werde ich ihnen mit großem Vergnügen helfen!".
Viele - vor allem leider viele Politiker - glauben immer noch, "Urheberrecht" sei in erster Linie eine Angelegenheit, die große Medienkonzerne und ihre Anwälte betrifft.
Dank Internet ist es heute aber bereits so, dass jede Privatperson sehr direkt vom Urheberrecht und seinen Folgen betroffen ist: Das fängt beim Anschauen von Videos an, und hört beim Einstellen von eigenen Inhalten etwa bei einem Blog oder einer Social-Network-Seite noch lange nicht auf.
Im Prinzip kann man sich heute kaum noch im Internet bewegen, ohne irgendwo irgendeine Urheberrechtsverletzung zu begehen - und im zunehmenden Maße finden sich auch Anwälte, die einem dafür teure Abmahnungen in's Haus schicken...
Aber unsere Politik interessiert derweil nur, dass Bertelsmann und Rupert Murdoch mit den Urheberrechtsgesetzen einverstanden sind - was aus Privatpersonen wird, fällt völlig unter den Tisch!
ag.