sueddeutsche.de: Wie viele Stunden in der Woche üben die Spieler für ihre Turniere?

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Bownik: Das hängt von der Strategie der Gruppe ab. Manche trainieren fünf Stunden täglich, fünf Tage die Woche. Zu lange darf das Trainingsprogramm allerdings nicht dauern, weil die Spieler sonst zu müde und uneffizient werden.

sueddeutsche.de: Vor einigen Jahren starb ein 24-Jähriger, nachdem er über 80 Stunden am Stück Computer gespielt hatte ohne zu schlafen und zu essen...

Bownik: Vorfälle wie diese sind sehr selten, aber natürlich berichten die Medien gerne darüber. Es geht dann meist um Stereotype - den Nerd und darum, dass Computerspiele gefährlich sind. Dadurch wird das Bild eines E-Sportlers verzerrt. Man muss ja auch differenzieren zwischen einem normalen Computerspieler und einem E-Sportler. Heutzutage spielt fast jeder in seiner Freizeit Computerspiele, ein E-Sportler hingegen nimmt, wie gesagt, auch an Wettbewerben teil.

sueddeutsche.de: Sie haben nicht nur die Spieler fotografiert, sondern auch deren "Übungshallen", die Zimmer. Was war ihr Eindruck?

Bownik: Die Zimmer verbinden tatsächlich die Funktion einer Übungshalle mit der eines Wohn- oder Jugendzimmers. Ich habe darin Spuren des Erwachsenwerdens entdeckt, der täglichen Aktivitäten, des Lernens. Ich kannte die Jugendlichen vorher nicht und hatte das Gefühl, einen sehr privaten Raum zu betreten. Ich wollte in meinen Fotos die Gebrauchsspuren dieser Zimmer zeigen - alte Gegenstände, Kratzer oder Risse hier und dort. Um das zu betonen, habe ich mich für ein Licht entschieden, das dem Blitzlicht auf Polizeifotos ähnelt.

sueddeutsche.de: Wie kam Ihnen die Idee, E-Sport künstlerisch umzusetzen?

Bownik: Ich wurde zufällig Zeuge eines E-Sport-Turniers und habe die Spieler mit meiner Polaroid-Kamera fotografiert. Es wurde mir bewusst, wie unglaublich wenig wir von diesem Phänomen und auch diesen Menschen wissen. Ich habe mich auch immer schon für das Überschreiten zwischen neuer Technologie und Kultur interessiert.

sueddeutsche.de: Inwiefern trifft das auf den E-Sport zu?

Bownik: Halten Sie sich einfach nur mal vor Augen, wie sehr der Sound von Computerspielen, beispielsweise der 8bit Computer oder des GameBoy, die Musik beeinflusst haben. Künstler haben sich zum Teil von Computerspielen inspirieren lassen. Und auch die E-Sportler beginnen nun damit, sich und ihre Welt zur Kunst zu machen. Carmac etwa, zweimaliger Preisträger des eSports-Award für den besten E-Sportjournalisten und Veranstalter der Counterstrike- und World of Warcraft-Weltmeisterschaft, dreht quasi Off-Filme über das Milieu.

sueddeutsche.de: Trotzdem gelten Computerspiele nicht gerade als kulturell wertvoll. Woran, glauben Sie, liegt das?

Bownik: Ich denke, das Phänomen ist immer noch zu jung. Computerspiele werden als Unterhaltung auf niedrigerem Niveau wahrgenommen. Ich bin mir aber sicher, dass sich das ändern wird.

sueddeutsche.de: Welches Computerspiel war denn unter den E-Sportlern, die Sie fotografiert haben, am beliebtesten?

Bownik: Counterstrike. Ich glaube, es ist derzeit auch das populärste Spiel in Polen.

Pawel Bownik, geboren 1977, studierte Philosophie und Fotografie. Seine Werke wurden bereits mehrfach ausgestellt, unter anderem in seinem Heimatland Polen, Österreich, Schweden und Deutschland. Für sein Projekt "Gamers" bekam er 2008 ein Stipendium des polnischen Ministeriums für Kultur und nationales Erbe. Die gleichnamige Ausstellung ist noch bis zum 25. Oktober in der Yours Gallery in Warschau zu sehen.

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(sueddeutsche.de/jb)