Interview: Thorsten Riedl

Der Branchenverband Bitkom sorgt sich um die Zukunft der deutschen High-Tech-Industrie. Sein Präsident August-Wilhelm Scheer fordert eine neue Standortpolitik.

SZ: Herr Professor Scheer, welche Geräte aus Ihrer Branche haben Sie denn in dieser Woche schon genutzt?

August-Wilhelm Scheer, dpa

August-Wilhelm Scheer: "Wir haben eine Chance, wenn wir unsere Kräfte bündeln." (© Foto: dpa)

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August-Wilhelm Scheer: Derzeit bin ich in den Vereinigten Staaten, das Videokonferenzsystem war in den vergangenen Tagen also mehrfach im Einsatz. Und natürlich gehören mein Mobiltelefon und der tragbare Computer zu meinem Arbeitstag.

SZ: Obwohl die Informationstechnologie (IT) vielerorts ein fester Bestandteil im Alltag ist, rechnet Ihr Verband für die Branche in diesem Jahr nur mit einem schwachen Zuwachs. Warum?

Scheer: Der Bitkom vertritt eine heterogene Industrie. In der Informationstechnik und bei Unterhaltungselektronik rechnen wir mit einem guten Wachstum von fünf Prozent und mehr. Probleme bereitet die Telekommunikation. Zwar nimmt die reine Zahl der Gesprächsminuten hier weiter zu, allerdings bei einem enormen Preiswettbewerb. Aber auch dieser Sektor wird nach unserer Ansicht bald wieder bessere Zahlen schreiben. Hoffnungsträger ist das mobile Internet. Die Ideen kommen hier so schnell, dass einige der Geschäftsmodelle aber noch nicht ausgereift sind.

SZ: Die Frage, wie einmal Geld verdient werden soll, ist auch bei vielen, jungen Internetunternehmen nicht geklärt.

Scheer: Richtig, Klicks auf einer Internetseite machen noch keinen Gewinn. Im Moment ist das vorherrschende Modell im Web, alles über Werbung zu finanzieren - das sollten Firmen nicht überstrapazieren. Es müssen auch Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden, die selbst Ergebnisse erwirtschaften.

SZ: Unternehmen ohne tragfähiges Geschäftsmodell - das klingt ähnlich wie in vielen Firmenpräsentationen zur Jahrtausendwende. Sehen Sie eine neue Blase in der Informationswirtschaft?

Scheer: Häufig entwickeln sich Themen in unserem Sektor nach einem ähnlichen Muster: Ein Konzept wird in der Öffentlichkeit heftig diskutiert und scheint sehr begehrt zu sein. Nach einem solchen Überschwang kommt es zur Ernüchterung. Wenn sich die Technik weiterentwickelt, geht es vom Boden der Tatsachen wieder langsam bergauf. Ich bedauere allerdings, dass deutsche Unternehmen bei den Entwicklungen im Internet derzeit nicht sehr stark vertreten sind. Bei den neuen Geschäftsmodellen im Netz liegen die Firmen in den Vereinigten Staaten eindeutig vorne.

SZ: Welche Gründe hat das?

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