Bislang am stärksten ist der Text, den Kinsley selbst vorschlägt, ein Nachruf auf einen Mann aus Los Angeles, der gerne spazieren ging. Der Mann war weder exzentrisch noch manisch oder anderweitig schillernd, sondern ganz und gar unauffällig und freundlich. Er war auch kein geheimnisvoller Einzelgänger, sondern führte ein durchschnittliches Familienleben. Er lief, um halbwegs in Form zu bleiben, starb mit knapp 60 Jahren eines sanften Todes und die Menschen, die in dem Artikel zu Wort kamen, haben ausschließlich Nichtssagendes über ihn zu berichten. So ist der Text in Sachen Langeweile durchaus solide gearbeitet. Gleichzeitig denkt man als deutscher Zeitungsleser: Das soll alles sein? Da geht doch noch was.

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Aktenordnergraues Politikergerede

Wie wäre es beispielsweise mit einer dieser Berlin-Reportagen, die keine sind, sondern nur aktenordnergraues Politgerede, und irgendwo steht in all dem Textgerümpel dann als Reportagesignal der Halbsatz, der Ministerialbeamte Meier lehne sich auf seinem grauen Schreibtischstuhl zurück. Es ist erfrischender, nach einem Dauerlauf bei sengender Augusthitze eine Tüte Mehl zu essen als solche Texte zu lesen.

Oder wie wär's mit einer dieser klebrigen Sozialreportagen aus einem Krisengebiet, in denen die kleine, leprakranke Sanem den Leser im ersten Absatz unter der schlammverschmierten Zeltplane hervor anstarrt? Bei näherem Hinsehen stellt sich dann auch noch heraus, dass einen Sanem, deren Eltern längst gestorben sind, aus blinden Augen anstarrt. Und unbedingt im letzten Absatz den ersten Absatz wieder aufnehmen, dann erst wird das eine wirklich runde Geschichte: Am besten ist es, man schreibt einfach einen Artikel ohne Inhalt. Einen, der bis zu seinem faden Ende nur Platz füllt. Füllt. Füllt. Füllt. Füllt.

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  1. Öde an die Freude
  2. Sie lesen jetzt Eine Tüte Mehl ist erfrischender
Leser empfehlen 

(SZ vom 31.07.2010/mob)