Eigentlich soll sich das Internetangebot von ARD und ZDF auf Programmbegleitung beschränken. Eine Debatte, ob dazu auch Partnervermittlungsbörsen und eine Verlinkung zum Spielzeugladen gehören, bestimmte die Medientage.
Auf der Eröffnungsdiskussion der Medientage München spielten die Veranstalter am Mittwoch ein Filmchen ein, das eine abenteuerliche Vision zeigte: Menschen als virtuelle Existenzen, als Erd- und Weltraum-Avatare, in den Portalen der Internet-Giganten. Werbung ausschließlich im Netz.
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Dabei sein ist alles, auch am Stand des ZDF bei den Medientagen München (© Foto: AP)
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Klassische Medien verschollen in den Weiten des World Wide Web: "Der Mensch wird zu der Person, die er sein will", sagte eine getragene Stimme aus dem Off. Von der "Macht der Massen" war die Rede.
Es wäre fast zum Frösteln gewesen, wenn sich die versammelte Medienmacht nicht im Anschluss recht bodenständig über Reales erhitzt hätte: über die gebührenfinanzierten Pläne der öffentlich-rechtlichen Sender im digitalen Zeitalter.
Verleger Hubert Burda beschwerte sich über Einrichtungstipps auf ARD-Ratgeberseiten. RTL-Chefin Anke Schäferkordt forderte, den "Funktionsauftrag" von ARD und ZDF zu klären. Pro Sieben Sat1-Chef Guillaume de Posch fragte, was Modeltrainer Bruce Darnell in Zukunft für geschätzte eine Million Euro Gehalt im ARD-Vorabend zu suchen habe. Eine berechtigte Frage.
Allerdings verband Jürgen Doetz, der Sprecher des Verbands privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), seine Philippika gegen die Öffentlich-Rechtlichen in überreizten Worten mit der Forderung, ARD und ZDF den gebührenfinanzierten Zugang zum Internet zu versagen. Da fiel es Markus Schächter, dem Intendanten des ZDF, leicht zu kontern: "Wer im Internet nicht dabei ist, hat keine Zukunft".
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Wave-Gotik-Treffen in Leipzig
Die werbefinanzierten privaten Sender haben das Problem, dass das Internet für sie eher eine Existenzbedrohung darstellt: der TV-Konsum der jungen Leute wandert ins Internet, die Werbung im TV ist immer schwerer zu verkaufen, im Internet kann Werbung leicht gefiltert werden. Also braucht das private Fernsehen neue Konzepte und Geldquellen. Das Internet weckt Begehrlichkeiten. Da nervt es natürlich, wenn der öR mit Gebührengeldern im gleichen Teich fischt.
Andersherum hat der öR sich in der irrigen Annahme verstiegen, mit den gleichen Mitteln arbeiten zu müssen, wie die Privaten. Also senden sie auch Quiz-Shows, Seifenopern und Reality-Dokus. Und deshalb wollen sie auch im Internet möglichst all das machen, was die Privaten machen. Das Problem ist, dass der öR dadurch sein Profil verliert und die Frage provoziert, warum man dafür Gebühren erheben muss.