Das jüngste Opfer des illegalen Kopierens von Computerdateien ist das Hörbuch: Ein Gespräch mit Per Olov Enquist über das Urheberrecht.
Schweden debattiert wieder über Internetpiraterie. Am kommenden Freitag soll das Urteil im Verfahren gegen die international operierende, aber in Schweden beheimatete Raubkopierer-Webseite "The Pirate Bay" fallen. Seit dem 1. April gewährt zudem ein neues Gesetz der Industrie Zugriff auf die Verbindungsdaten schwedischer Internetnutzer. Unternehmen und Lobbyverbände können damit härter als bisher gegen Netzpiraterie vorgehen. Zu den ersten, die von dem neuen Gesetz Gebrauch machten, gehörten Verlage und Schriftsteller, darunter Per Olov Enquist.
Immer mehr Hörbücher werden illegal zum Download angeboten. (© Foto: dpa)
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SZ: Herr Enquist, Netzpiraterie war bislang vor allem ein Problem der Film- und Musikproduzenten.
Enquist: Die Musikbranche soll für sich selbst sprechen. Bei den Verlagen betrifft es gegenwärtig vor allem die Hörbücher. Fünf schwedische Verlage haben sich nun zusammengetan, um festzustellen, wie groß das Problem ist. Man führte eine erste Untersuchung durch, wenige Stunden, nachdem das neue Gesetz bei uns in Kraft getreten war. Und entdeckte Erstaunliches: Auf einem einzigen Rechner zum Beispiel wurden 2800 Hörbücher illegal zum Download angeboten. Darunter auch drei meiner Werke.
SZ: Sind Hörbücher so wichtig für die Verlage?
Enquist: Der Verkauf hat in den letzten fünf Jahren stark zugelegt. Schweden ist geographisch ein großes Land, die Menschen sitzen oft lange im Auto, und dann hören sie eben CDs. Im Herbst 2008 gab es eine dramatische Veränderung, der Absatz sank um fünfzig Prozent. Es ist teuer, ein Hörbuch herzustellen. Um Gewinn zu machen, muss man um die 3500 Exemplare verkaufen. Heute liegt der Mittelwert bei etwas unter 2000 verkauften Exemplaren. Norstedts, mein Verlag, reduzierte deswegen die Anzahl der Hörbuchproduktionen im vergangenen Herbst auf etwa die Hälfte.
SZ: Könnten die Probleme nicht auch andere Gründe haben, die Finanzkrise zum Beispiel?
Enquist: Ich kann mich da eigentlich nur auf das verlassen, was in der Branche gesagt wird. Sicher, die Finanzkrise beeinträchtigt den Buchverkauf insgesamt. Er ist in Schweden ungefähr um zehn Prozent zurückgegangen. Der Einbruch bei Hörbüchern aber ist viel markanter, dafür muss es eine andere Erklärung geben. Ich glaube, dass Diebstahl dabei eine entscheidende Rolle spielt.
SZ: Leute, die Hörbücher im Internet kopieren, sind Diebe?
Enquist: Ich kann das nicht anders sehen. Es ist vielleicht ein kleinerer Diebstahl. Aber meine Mutter sagte immer: Es beginnt mit einer Stecknadel und endet mit einer silbernen Schüssel. Ich finde, es ist kein großer Unterschied, ob man gratis ein Hörbuch herunterlädt, für das man bezahlen sollte. Oder ob man in einen Buchladen geht und das Buch stiehlt. Lässt man dieses Prinzip zu, hört das Hörbuch auf zu existieren. Warum, in Gottes Namen, sollte ein Verlag ein teures Hörbuch produzieren, wenn es dafür keine wirtschaftliche Basis gibt?
SZ: Die Raubkopierer sagen: Wir helfen, Kultur zu verbreiten. Man kann einen Vergleich ziehen zu öffentlichen Bibliotheken. Als diese in Schweden eingeführt wurden, haben die Schriftsteller auch protestiert, weil sie um ihre Einnahmen fürchteten.
Enquist: Es stimmt, das Ausleihen von Büchern ist in Schweden gratis. Aber die Autoren haben das nur akzeptiert, weil der Staat für jedes ausgeliehene Buch einen festen Betrag bezahlt (ähnlich der deutschen Bibliothekstantieme , Anm. d. Red.). Das Geld fließt in einen Fonds, den wir Schriftsteller verwalten. Wir haben also ein Abkommen mit dem Staat: Wir gestatten, dass er Bücher gratis ausleiht. Dafür muss er uns entschädigen. Natürlich ist es gut, wenn Kultur verbreitet wird. Aber die jungen Leute könnten ja in einen Laden gehen und sich ein Hörbuch kaufen. So wird Kultur auch verbreitet.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Per Olov Enquist damit umgeht, dass er in schwedischen Blogs als "gieriger Schriftsteller" bezeichnet wird.
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Wave-Gotik-Treffen in Leipzig
Wenn ein Buchautor auch noch mit Hörbüchern Geld verdienen will, dann sollten seine Entgelt- vorstellung ohne Staatsgewalt durchgesetzt werden.
Das kann doch nicht angehen, die Gesellschaft auch noch dafür aufkommen müssen, das der arme Buchautor nicht nur durch den Verkauf seiner Bücher zu Geld kommt, sondern auch noch Urheberrechte d.d. Mediales geltend macht. Urheber streicht die knete ein, der Bürger zahlt die Beitreibungskosten.
Wenn der Buchautor nicht das Risiko eingehen will, dass einige seiner Hörbücher kopiert werden, dann soll ganz darauf verzichten.
Wer Rechte aus Urheberschaften gegen die breite Schicht der Bevölkerung geltend macht, sollte zu 10 Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden.
Weg mit dem Urheberrecht.
habe ich so richtig satt. Ich bevorzuge den physischen Besitz der Platte oder CD, weil es mir zu umständlich ist, mich durch irgendwelche Dateiordner zu klicken, um ein bestimmtes Lied zu hören, aber wie oft habe ich in Läden schon gehört "Nein, die Band haben wir nicht im Programm. Nie gehört. Können wir nicht bestellen. Ach so, aus Spanien (oder sonstwo). Dann müssen Sie wohl dahin fahren."
Oder wie sieht es denn aus mit der Sabotage, die die Musikindustrie an unabhängigen Künstlern betreibt? So ist es z.B. absurderweise möglich, einer Band, die nur im Selbstverlag veröffentlicht hat, den Namen zu "klauen", in dem man heimlich den Begriff beim Markenamt schützen lässt, und anschließend den Leuten wegen angeblicher "Urheberrechtsverletzung" verbietet, unter dem Namen aufzutreten oder zu veröffentlichen. Der gelackmeierte Künstler kann zwar dagegen beim Markenamt Beschwerde einlegen, aber nur gegen Zahlung von zig hundert Euro Gebühr. Und ob er Recht bekommt, steht dann immer noch in den Sternen.
Für jedes Konzert von Schülerbands sind GEMA-Gebühren zu entrichten, weil wie selbstverständlich unterstellt wird, dass sämtliches dargebotenes Repertoire "geklaut" ist.
Das gleiche Spiel, wenn man seine eigene CD oder Schallplatte pressen lassen will: Viele Presswerke verweigern unabhängigen Künstlern die Zusammenarbeit, wenn man keine GEMA-Registrierung vorlegen kann. Es bleibt dann nur, die eigene Musik kostenlos übers Internet anzubieten, um überhaupt ein Lebenszeichen von sich geben zu können.
Ne, sorry, wer das Urheber- und Markenrecht selber dermaßen zu Gildenhuberei und Ideenklau missbraucht, sollte nicht auf Sympathien hoffen.
Ich habe kein Problem etwas zu kaufen, wenn man mich denn ließe.
Audiobooks sind z.Zt. nur schwer als legale Downloads zu bekommen, vor allem wenn man im Ausland lebt. Was auch immer "Ausland" im Internet bedeuten soll.
Es ist z.B. ziemlich blöd, dass ein Audiobook als Download erhältlich ist, aber nur, wenn der Computer gerade in Land X steht oder die Kreditkarte von einer Bank in Land Y ausgegeben wurde. Die Alternative CDs zu kaufen, die man dann rippen muss, um sie dann in der Bahn hören zu können wirkt doch fast archaisch.
Die Rechteinhaber tun sich keinen Gefallen damit, wenn sie regionale Rechtevergabe für traditionelle physikalische Medien versuchen auf Downloads anzuwenden. Sobald ein potenzieller Kunde merkt, dass ein illegaler Download einfacher ist als ein legaler Kauf, ist es nicht unwahrscheinlich, dass er künftig ein treuer Kunde von Tauschbörsen wird
Nein! Ist es nicht!
a) Raub ist nach § 249 "..die Wegnahme (Besitzübergang) einer fremden beweglichen Sache mittels Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben mit der Absicht, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen." (Zitat: wikipedia). Wir stellen fest: es wird nichts geraubt.
b) der vergleich mit Milch oder gar Autos offenbart die intellektuelle Güte dieses Interviews: Milch oder auch Autos können nicht verlustfrei kopiert werden, blöderweise müsen derartige Güter immer aufs neue komplett produziert werden, von Kühen unter der regie oder bauern oder von Autobauern (nettes Wortspiel übrigens). TROTZDEM ist auch dieser Markt gesättigt und es werden Rettungsschirme benötigt.
der Mann redet also heisse Luft, hat von der Materie keine Ahnung und seine Rhetorik ist unterirdisch. Da glaube ich dann doch, dass niemand seine Hörbücher kauft.
Trotzdem: Es muss eine Lösung gefunden werden, damit es aufhört, dass jeder mit DSL-Anschluss ein potettieller RaubkopierKIPOTerrorist ist den man rundum überwachen muss. Flatrate. Weg mit der GEZ, weg mit dem ÖR bis auf die wirklich benötigten 10% und her mit einer Kulturflat auf Haushaltsebene. Dann könnte es natürlich sein, dass man mher wie ein Buch alle 5 jahre schreiben muss, um bequem leben zu können, selbst wenn man mindertalentiert ist. Und? Ich muss auch jeden Tag arbeiten.
DW
In der SZ findet doch immer die gleiche Hetze gegen "pöse Raubkopierer" statt.
Ich für meinen Teil habe es aufgegeben hier mit einer ausgewogenen Berichterstattung zum Thema zu rechnen.
Die SZ ist halt nur noch Bild-Zeitung für Pseudointellektuelle.
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