Von Von Thorsten Riedl

Google, Yahoo und Microsoft wollen mit Werbung auf dem Handy Geld verdienen - an den Anbietern vorbei.

Arun Sarin gehört zu den mächtigsten Männern der Mobilfunkindustrie. Nach dem Kauf der indischen Hutchison Essar diese Woche hat sein Konzern Vodafone mit Sitz in Großbritannien 250 Millionen von zwei Milliarden Mobilfunkkunden weltweit unter Vertrag.

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Nur China Mobile kann mehr Kunden vorweisen. Dennoch sorgt sich Sarin: "Ob Microsoft, Yahoo, Disney oder Google, wer auch immer, sie dringen alle in unseren Bereich", sagte er in Barcelona bei der Messe 3GSM, dem wichtigsten Treff der Branche. "Wir müssen uns schneller bewegen - sonst nehmen bald andere unser Mittagessen ein."

Noch muss Sarin den Hungertod nicht fürchten, doch die Web-Firmen rüsten sich zum Sturm auf das Handy. Das Internetportal Yahoo war zum ersten Mal mit einem eigenem Stand auf der 3GSM vertreten, für den Suchmaschinenbetreiber Google war es überhaupt die Premiere.

Ihre Ansätze unterscheiden sich zwar, haben jedoch eines im Auge: Werbung auf dem Handy. Dem Marktforschungshaus Informa zufolge sollen die Umsätze mit mobiler Reklame von praktisch null in diesem Jahr auf mehr als elf Milliarden Euro im Jahr 2011 wachsen. Davon hätten die Mobilfunkanbieter gerne einen Teil. Doch Rob Conway, Präsident des Branchenverbandes GSMA, sagt: "Unsere Industrie verfolgt im Moment verschiedene Ansätze bei dem Thema."

Pepsi und Adidas werben schon mobil

Der Softwarekonzern Microsoft und Google experimentieren noch, Yahoo dagegen hat bei der 3GSM eine Werbeoffensive gestartet. "Die Schlacht um das Handy hat gerade erst begonnen", sagt Geraldine Wilson, bei Yahoo für das europäische Mobilgeschäft zuständig. Auf dem Handy soll das gelingen, womit Yahoo im Internet gescheitert ist.

Die Marktführerschaft im Anzeigengeschäft hat dort Google übernommen. Auf 18 seiner mobilen Internetseiten platziert Yahoo nun Werbung. Hinzu kommt ein Produkt namens Yahoo Go für unterwegs. Dort können Handynutzer nach einem Film oder Sportergebnis suchen sowie Nachrichten lesen.

In der Software zeigt der nordamerikanische Internetkonzern kleine Werbebilder, auch Reklamefilme sind geplant, so die Yahoo-Managerin. Pepsi, Adidas und Procter & Gamble gehören zu den ersten Anzeigenkunden.

Google zeigt noch keine Handyreklame. Die ersten Experimente mit der neuen Werbeform in Deutschland seien jedoch erfolgreich verlaufen, sagt Dipchand Nishar, Produktverantwortlicher für den Bereich bei Google.

Microsoft strebt nach einer dominanten Position

Bislang überträgt die Internetsuchmaschine Produkte aus der Online-Welt auf das Handy. So ist in Deutschland seit kurzem das Mailprogramm Google Mail in einer mobilen Version erhältlich. Das Landkartenprogramm Google Maps gibt es auch für unterwegs - mit GPS-Satellitenempfänger sogar als Navigationsprogramm verwendbar.

"Wenn nötig, werden wir auch spezifische Programme für den mobilen Einsatz entwickeln", sagt Nishar. Als Beispiel nennt er eine Suchfunktion für Kurzmitteilungen auf dem Handy.

Microsoft verfolgt den umfassendsten Ansatz der drei: Der größte Softwareanbieter hat in Barcelona die sechste Version seines Betriebssystems Windows Mobile gezeigt. Microsoft strebt auch auf dem Handy nach einer dominanten Position. Das Geschäft wachse rasant, so Pieter Knook, zuständig für Software auf mobilen Geräten.

So habe Microsoft mit drei Millionen Stück im abgelaufenen Quartal so viele Handys mit dem mobilen Betriebssystem verkauft wie 2005 insgesamt. Windows Mobile unterstützt nun auch die Suche im Internet: Eine Windows Live-Anwendung mit Werbepotential auch für das Handy.

Bei all dem Rummel verlieren die Mobilfunkanbieter den Anschluss. "Es gibt aber auch eine Chance", so Roman Friedrich, Berater bei Booz Allen & Hamilton. "Mit so attraktiven Spielern wie Google können die Mobilfunker das Internet für unterwegs attraktiver machen und mehr Datenverkehr generieren."

Daher hat Vodafone Kooperationen mit Google, Yahoo, dem Videoportal Youtube, dem Online-Poesiealbum Myspace und auch Ebay geschlossen. T-Mobile ruft das mobile Internet gar zum "Megatrend des Jahres 2007" aus. Im vorigen Jahr habe sich das Datenvolumen ohne SMS-Nachrichten auf etwa eine Milliarde Euro verachtfacht. Da bleibt einiges übrig für das ein oder andere Mittagessen.

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(SZ vom 14.2.2007)