Internet-Zensur in Iran Khamenei soll Facebook-Account haben

Ayatollah Ali Khamenei, der oberste geistliche Führer des Iran

(Foto: AFP)

Irans oberster geistlicher Führer Ayatollah Ali Khamenei soll seit sechs Tagen einen eigenen Facebook-Account haben. Das Widersprüchliche daran: Im Iran ist das soziale Netzwerk seit 2009 verboten.

Eine Milliarde Nutzer waren im Oktober 2012 bei Facebook angemeldet. Promis, Sportler und sogar das britische Königshaus nutzen das Netzwerk mittlerweile, um mit Fans in Kontakt zu treten. Präsident Obama hat in den vergangenen Jahren vorgemacht, wie man mit sozialen Netzwerken junge Wähler erreicht. Seit kurzem twittert der Papst.

Und auch Irans Oberster geistlicher Führer Ayatollah Ali Khamenei hat angeblich seit sechs Tagen einen Facebook-Account. Obwohl die Website im Iran seit 2009 verboten ist.

Am 13. Dezember soll der 73-Jährige beigetreten sein. Zwar gab es schon davor andere, Khamenei gewidmete Facebook-Seiten, doch Experten halten das jetzige Profil für offiziell autorisiert, berichtet der Guardian. Angekündigt wurde der Start über ein Twitterkonto mit einem Namen, der Khameneis Büro zugeschrieben wird. Verlinkt ist auch der offizielle Internetauftritt des geistlichen Führers. In der Vergangenheit wurden zahlreiche Iraner wegen ihrer Blogs und Aktivitäten auf Facebook und Twitter verhaftet oder sogar getötet.

15.470 Personen gefällt Khameneis neue Seite bisher. Offiziell haben die Iraner keinen Zugriff auf Facebook, doch ungeachtet der starken Internet-Einschränkungen der Regierung in Teheran, verschaffen sich viele über Proxy-Programme Zugang zum World Wide Web. Durch diese Programme können Nutzer vortäuschen, aus einem anderen Land zu stammen und so die Sperren umgehen. Experten schätzen, dass mittlerweile mehr als 20 Millionen Iraner über ein Facebook-Konto verfügen, schreibt The National, das führende englischsprachige Medium im Mittleren Osten.

Fortschritt im Iran?

Khamenei steht als oberster Rechtsgelehrter mit unumschränkten Machtbefugnissen über allen iranischen Institutionen. Er vertritt eine konservative Politik des Islamismus, die nur selten Reformen zulässt. Sein neuster Eintrag ist ein Youtube-Video, das Khamenei und Hassan Nassrallah, den Generalsekretär der Hisbollah, im Gespräch zeigt.

Einer der ersten Einträge vom 14. Dezember besteht aus einem alten Foto, auf dem der geistliche Führer mit dem Gründer der Islamischen Republik, Ayatollah Rouhollah Khomeini, zu sehen ist. Um die Gesichter der beiden Männer hervorzuheben wurde es mit dem Bilderdienst Instagram bearbeitet.

Sollte man Khamieinei und seinen Mitarbeitern soviel Fortschritt zutrauen? Ein Nahost-Experte des US-Analyseunternehmens CNA sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er halte es für wahrscheinlich, dass das iranische Regime bei aller Internetfeindlichkeit zunehmend die Vorteile von sozialen Medien entdecke. Über Kanäle wie Facebook und Twitter könnten sie ihre Botschaften besser an ein jüngeres und geografisch gestreutes Publikum verbreiten.