Internet-Überwachung NSA soll Zugriff auf Smartphones haben

Auch Smartphones sind offenbar nicht sicher vor der Neugier der NSA. Einem Bericht des "Spiegels" zufolge kann der US-Geheimdienst auf sensible Daten von iPhones, Blackberrys und Android-Smartphones zugreifen. Selbst das Sicherheits-Herzstück von Blackberry will die NSA geknackt haben.

Digitale, private Daten sind vor der NSA offenbar nirgendwo sicher. Nicht einmal auf Smartphones, die für immer mehr Menschen eine zentrale Rolle bei der privaten aber auch beruflichen Kommunikation und Internetnutzung spielen.

So kann sich der US-Geheimdienst einem Bericht des Spiegel zufolge Nutzerdaten von modernen Mobiltelefonen der führenden Hersteller verschaffen. In geheimen NSA-Unterlagen, die dem Nachrichtenmagazin vorliegen, ist demnach unter anderem explizit von Geräten der Marken Apple (iPhone) und Blackberry sowie von Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android die Rede.

Der Spiegel berichtet, der NSA sei es möglich, nahezu alle Informationen eines Smartphones auszulesen, etwa Kontaktlisten, den SMS-Verkehr, Notizen und Aufenthaltsorte des Besitzers, zu deren Bestimmung moderne Smartphones auf GPS-Daten zugreifen.

Erst vor Kurzem war bekannt geworden, dass die NSA und ihr britisches Pendant GCHQ im großen Stil Verschlüsselungstechniken im Internet knacken oder umgehen. Diese sollen persönliche Daten, E-Mails, Bank-Überweisungen oder andere Online-Aktivitäten schützen. Das enthüllten die New York Times, der Guardian und das Netzwerk für Investigativjournalismus ProPublica. Die Medien berufen sich dabei auf weitere Geheimdokumente des Whistleblowers Edward Snowden.

Die NSA und der britische GCHQ-Dienst hätten große Fortschritte gegen die SSL-Technologie erzielt, heißt es in den Berichten. Mit SSL werden Millionen Internetseiten, die mit "https" beginnen sowie private Netze geschützt - vielen Usern ist die Technologie von der privaten E-Mail-Nutzung bekannt.

Blackberry unter Druck

Die Spiegel-Geschichte enthüllt nun, dass die NSA für jeden größeren Hersteller von Handy-Betriebssystemen eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet habe. Deren Ziel war es demnach, heimliche Zugänge zu den Smartphones zu ermöglichen, schreibt das Magazin.

Aus den Dokumenten geht hervor, dass die NSA sich sogar Zugang zum angeblich besonders gesicherten E-Mailsystem von Blackberry verschafft haben will. Für das kanadische Unternehmen wäre dies ein herber Rückschlag; bislang hat Blackberry stets beteuert, sein E-Mailsystem sei unknackbar. Auf Spiegel-Anfrage sagte Blackberry, es sei nicht Aufgabe des Unternehmens, zur angeblichen Überwachung durch Regierungen Stellung zu nehmen. Es gebe keine einprogrammierte "Hintertür", die Nutzer könnten beruhigt sein.

Die NSA habe bereits 2009 geschrieben, dass sie den SMS-Verkehr von Blackberry-Geräten habe "sehen und lesen" können. Allerdings sei der Zugang 2009 zeitweise blockiert gewesen, nachdem das kanadische Unternehmen eine Firma übernommen und mit deren Hilfe die Datenkomprimierung geändert hatte. Im März 2010 vermeldete die zuständige Abteilung laut Spiegel-Bericht schließlich, man habe den Zugang wiederherstellen können und jubelte: "Champagner!"

Einzelaktionen ohne Mitwissen der Unternehmen

In internen Dokumenten brüsten sich die Mitarbeiter angeblich sogar für ihre Expertise beim Eingriff in die Privatsphäre. So reiche es für den erfolgreichen Zugang zu iPhone-Informationen, wenn die NSA den Computer, mit dem das Telefon synchronisiert wird, infiltriere. Mini-Programme, sogenannte Skripte, ermöglichen dem Spiegel zufolge anschließend den Zugriff auf mindestens 38 iPhone-Anwendungen.

Die Materialien legen laut Spiegel den Schluss nahe, dass es sich nicht um Massen-Ausspähungen, sondern um zielgerichtete, teils auf den Einzelfall zugeschnittene Operationen handelt, die ohne Wissen der betroffenen Unternehmen laufen.