Die Angst ist seit den versuchten Bahnattentaten in Deutschland ohnehin da, dazu noch der Fahnungserfolg - kein Wunder, wenn Videoüberwachung im Anti-Terror-Kampf als Mittel der Wahl erscheint. Aber was kann die wirklich leisten?
Im Falle der versuchten Attentate auf Regionalzüge waren es die Videos aus Überwachungskameras, die entscheidend dazu beitrugen, die mutmaßlichen Täter zu identifizieren.
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(© Foto: dpa)
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Aber kann diese Technik tatsächlich mehr leisten als die Täter im nachhinein dingfest zu machen? Das will das Bundeskriminalamt (BKA) demnächst mit einem Video-Gesichtserkennungsprojekt im Mainzer Hauptbahnhof herausfinden.
Von Oktober an sollen sechs Kameras zwölf Wochen lang Passanten auf einer Rolltreppe und einem Teil der Steintreppe in der Eingangshalle des Mainzer Hauptbahnhofes erfassen und dabei 200 Probanden herausfiltern, die sich für den Test zur Verfügung stellen sollen.
Dafür setzt das BKA die Kameras und Auswertungsprogramme von drei Anbietern ein. Die Systeme speichern Fotos der Teilnehmer, die dann in der Menschenmenge automatisch erkannt werden sollen.
Individuelle Merkmale
Gesichtserkennung gehört zu den biometrischen Techniken wie beispielsweise Fingerabdruck-Sensoren. Aber die Systeme müssen in diesem Fall mehr leisten, als das bisher bei Flughäfen oder anderen Test-Projekten der Fall war: Sie sollen Personen anhand von individuellen Merkmalen erkennen, wie den oberen Rändern der Augenhöhlen oder bestimmten Bereichen der Kieferknochen und des Mundes.
Dafür vergleichen sie die aufgenommenen Messwerte mit Fotos aus einer Datenbank. Die Testpersonen müssen während des Pilotversuches beim Durchqueren der Halle zusätzlich RFID-Chips bei sich tragen. Damit lässt sich elektronisch zweifelsfrei feststellen, wie oft die Kameras die richtigen Personen erkannt haben.
Noch gilt die automatische Gesichtserkennung in der Praxis als unzuverlässig. Joachim Köhler, Abteilungsleiter der Forschungsabteilung NetMedia im Fraunhofer-Institut IAIS: "Je mehr Personen in der Datenbank sind, desto größer ist die Verwechslungsgefahr."
Der Abgleich mit 50 gespeicherten Bildern funktioniert nach seinen Worten mit einer Trefferquote von mehr als 90 Prozent. Aber bei 500 gespeicherten Personen liege die Erfolgsrate nur noch bei 50 Prozent. Doch nicht nur die Datenmengen, auch die Lichtverhältnisse können die Analyse erschweren.
Ähnliche Erkennungsraten gibt es auch beim Mitschnitt von Gesprächen. Köhler: "Die Systeme können Ton-Mitschnitte in Text umwandeln und haben dabei eine Trefferquote von 75 Prozent. Schlüsselwörter erkennen sie immerhin schon zu 95 Prozent- bei einem ausgewählten Vokabular von 30 Wörtern."
Köhler weiß, wovon er spricht - er hat den so genannten iFinder entwickelt, der Audiodaten nach Schlüsselwörtern und Sprechverhaltensmustern durchsucht. Eingesetzt werden Prototypen seit kurzem im Medienarchiv von WDR und Deutsche Welle.
Auch das Verhalten von Menschen lässt sich bereits automatisch bewerten. Zu den erfolgreichsten intelligenten Auswertungssystemen gehört das von der NEC-Tochter Vidient Systems entwickelte "Smartcatch".
Es ist eine verhaltens- und regelbasierte Video-Monitoring-Software. Vidient-Chef Brooks McChesney zufolge bietet sie "eine echte Verhaltenserkennung und ist in der Lage, in Echtzeit zu reagieren, selbständig Alarm zu geben und das verantwortliche Sicherheitspersonal zu verständigen."
In Deutschland wird das System seit kurzem an den Flughäfen auf den Frankfurt/Main und München eingesetzt. NEC-Sprecher Ralf Wolf: "Man muss definieren, was erlaubt und was verboten ist und das der Software beibringen."
In Frankfurt soll die Software Personen erkennen, die ein Terminal in der falschen Richtung betreten. Doch darf sie nicht immer Alarm schlagen, da das Sicherheitspersonal das Ankunftsterminal sehr wohl durch den Ausgang betreten darf.
Die Software sortiert deshalb das Personal anhand bestimmter Merkmale der Wachuniform aus. In München soll sie den Ein- und Ausgang von Sicherheitsbereichen und Vereinzelungsschleusen kontrollieren.
Smartcatch verfügt auch über ein Softwaremodul, das liegen gelassene Gepäckstücke erkennen soll. Im Praxiseinsatz ist es allerdings noch nicht. Darüber wie effektiv Smartcatch ist, schweigen sich die deutschen Flughäfen aus.
Die Finnen hingegen berichten über ihre Erfahrungen offener. 500 Kameras überwachen den Flughafen Helsinki-Vantaa. Mit konventioneller Videoüberwachung, so Jyri Vikstrom, Sicherheitschef der Betreiberfirma Finavia, konnte er lange ein gravierendes Sicherheitsproblem nicht lösen.
Es entstand durch parkende Fahrzeuge auf den Rangier- und Abstellflächen für Flugzeuge, die den Bereich nach dem Be- und Entladen nicht sofort verließen. Vikstrom: "Wir konnten mit unseren Leuten unmöglich alle gleichzeitig im Blick haben können."
Finavia entschied sich deshalb für Smartcatch. "Nach der Installation der neuen Software stellte sich heraus," so Vikstrom, "dass wir bislang nur etwa fünf Prozent aller Verstöße gegen die Sicherheitsrichtlinien auf dem Rollfeld registriert hatten."
(sueddeutsche.de)
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