Der Sportartikelhersteller Jako hat Ärger mit einem Blogger - und bekommt nun die ganze Macht der Netzgemeinde zu spüren.
Dies ist der Höhepunkt misslungener Krisenkommunikation: Die Drähte glühen heiß, aber beim Sportartikelhersteller Jako in Mulfingen-Hollenbach wimmeln die Assistentinnen jede Reporterfrage ab: "Kein Kommentar." Die Krise begann für Jako vor einigen Wochen. Im Mai ließ das Unternehmen aus Baden-Württemberg durch seine Anwältin Iris Sanguinette von der Kanzlei Horn und Kollegen in Neckarsulm den Hobby-Fußballtrainer Frank Baade abmahnen.
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Die Jako-Homepage und der Stein des Anstoßes: Das neue Firmen-Logo sei ein Wechsel "von relativer Scheiße zu ganz besonderer Scheiße" urteilte Blogger Baade. (© Screenshot: www.jako.de)
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Baade hatte auf seinem Blog im Internet, einer Art öffentlichem Tagebuch, geschrieben, dass Jakos neues Logo ein Wechsel "von relativer Scheiße zu ganz besonderer Scheiße" sei und dass der Konzern der "Aldi oder Lidl unter den Sportartikelherstellern" sei.
Juristische Breitseite
Diese Sätze wollte Jako neben anderen so nicht im Netz stehen lassen, der Beitrag war von ungefähr 400 Besuchern der Blogseite gelesen worden. Sanguinette forderte den Trainer aus Moers in Nordrhein-Westfalen auf, 1085 Euro zu zahlen. Baade löschte den Text. Außerdem unterschrieb er eine abgeänderte Unterlassungserklärung. Gestritten wurde aber weiterhin über die Kosten, die sich nach diversen juristischen Geplänkeln auf mehr als 1900 Euro beliefen.
Dann jedoch ließ der Sportartikelhersteller ein weiteres Schreiben schicken, in dem etwa 5100 Euro für eine angebliche Verletzung der abgegebenen Unterlassungserklärung gefordert wurden. Dabei war der beanstandete Text laut Baade bloß automatisch aus seinem Blog kopiert und ohne sein Zutun woanders im Internet veröffentlicht worden.
Jetzt bat Baade befreundete Blogger um Hilfe. Diese Internetautoren veröffentlichten am Dienstag eine für Jako wenig schmeichelhafte Zusammenfassung der Geschehnisse. Die Netzöffentlichkeit solidarisierte sich sofort mit Baade. Und Jako erleidet deshalb seit zwei Tagen einen Imageschaden im Netz, der weit größer ist, als es die beanstandeten Äußerungen von Baade jemals vermocht hätten.
Versuch der Schadensbegrenzung
Baades Internetseite wird viel weniger gelesen als die Webseiten, auf denen jetzt über den vermeintlichen Goliath Jako gelästert wird, der den armen Baade ins finanzielle Abseits schießen wolle. Die unerfreuliche Zusammenfassung der Geschichte listet Google bei der Suche nach "Jako" jetzt direkt hinter der Firmenseite auf.
Am Mittwoch versuchte die Firma dann, den Schaden einzudämmen. Sanguinettes Kollege Giuseppe D'Antuono kündigte gegenüber der SZ an, dass Baade in Kürze eine Erklärung veröffentlichen wolle. Der Fußballtrainer sagte jedoch, die Anwälte hätten ihn zu einer für Jako günstigen Meinungsäußerung überreden und ihm im Gegenzug die zweite Forderung über 5100 Euro erlassen wollen. Er aber wolle sich erst dann positiv im Internet äußern, wenn alle Forderungen fallengelassen würden. Dabei, sagt Baade, hätte ein einfacher Anruf am Anfang der Geschichte bei ihm gereicht, und er hätte den Text schnell gelöscht.
Genau dies aber verkennen viele Firmen, die sich das erste Mal mit Bloggern anlegen: dass ein einfacher Anruf oft mehr bewirkt als die juristische Breitseite.
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(SZ vom 03.09.2009/jb)
Syrien
das Problem sind ja die immens hohen Abmahngebühren die bewusst in den Raum gestellt werden, um den "Gegener" einzuschüchtern und dazu zu bewegen, sich in allen Punkten unterzuordnen.
Diese dann auch noch einzuklagen - ohne dass es hierfür eine wirkliche Verhältnissmässigkeit zum "Schaden" ergibt finde ich Hyänenhaft. Eine erstmalige Abmahnung (ein Brief), die Anwaltskosten von fast 2.000 Euro erzeugt haben soll - steht in keiner Relation zum Aufwand.
Und dazu, dass Frau Iris Sanguinette sich u.a. als Mediatorin im Internet ausweist - kann man ebenfalls unkommentiert lassen.
Für mich sind Rechtsanwälte auf dieser Schiene nur Abzocker auf Level einer Geldeintreiber-Schlägerbande.
Danke .. wusste nicht das beides geht ;)
Jetzt mal im Ernst ...
a) in der Sache geht es nicht um einen Fussballtrainer, der was gesagt hat, sondern um einen Blogger, der in die Abmahnhölle geraten ist.
b) hier höre ich zum ersten Mal das es um einen Fussballtrainer geht, was ja nicht stimmt. Lesen Sie mal den Originalartikel auf allesaussersport. Da zitiert man in den Kommentaren schon süffisant diese Wortwahl hier.
(Un)witzigerweise ist der Kommentator "jw" auf aas selbst schon Opfer des Abmahnwesens in ähnlicher Sache.
"Am Anfang ist noch von einen Blogger die Rede, am Schluß meint man, es geht um einen U15-Trainer eines Dorfvereins."
Es mag Sie überraschen, aber man tatsächlich beides machen!
Die Internetgemeinde zu verkennen ist ein Fehler, den viele Leute machen. Sie beschränkt sich schon lange nicht mehr auf "Nerds" und Leute, die ihr ganzes Leben nur digital verbringen (möchten).
Ein kurze Suche nach Frank Baade bei Google beantwortet manche Fragen (ein kleiner Tip: Xing gibt antwort) ...
Diese Firmen nutzen ihre Macht, um Kritiker finanziell tot zu machen, das war beim Vater von Heidi Klum (auch sie eine "Marke") genauso, der den Grafiker auf wieviel tausend Euro Schadenersatz verklagte, weil der ein Internetfoto von Klum auf ein Werbeplakat geklebt hatte?
Natürlich sind die Äußerungen des Fußballtrainers unangemessen, aber in diesem Fall hätte tastächlich ein kurzer Anrug genügt, wenn es um die Sache gegangen wäre. Darum gings aber nicht. Es ging um Strafe und um Geld.
Paging