Von Meite Thiede

Ernst Raue will den Schrumpfkurs der Messe stoppen. Seit Jahren hat die Messe mit Aussteller- und Besucherschwund zu kämpfen.

Seit Wochen schon hacken sie auf seiner Cebit rum, sprechen vom Niedergang der einst so starken Messe für Informationstechnologie und Kommunikation, und zu allem Übel ist der schwache Verlauf der Ausstellung 2006 ja auch tatsächlich mit schuld daran, dass die Deutsche Messe AG für das vergangene Jahr einen Verlust bilanzieren muss.

Ernst Raue

(© Foto: dpa)

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Ernst Raue, im Vorstand der Hannoveraner Messegesellschaft für die Cebit und die Internationalisierung verantwortlich, hat derzeit keine besonders gute Presse. Der Cebit mangele es an Profil, sie sei zu teuer und brauche eine klare Ausrichtung, kritisieren die Kunden, und wenn am 15. März wieder Messestart ist, fehlen Namen wie Motorola oder Nokia auf dem Gelände.

Schon längst hat Raue reagiert und ein neues Konzept entwickelt, aber das kann so richtig erst 2008 umgesetzt werden. Die Cebit wird dann auf sechs Tage verkürzt, sie bekennt sich klar zu Geschäftskunden statt Konsumenten, und mit einem neuen Preissystem will sie bei den Ausstellern, denen bei der Planung ihres Messeauftritts längst die Controller im Nacken sitzen, auch punkten.

Als Raue all dies auf einer Pressekonferenz präsentierte, bekam er denn auch gleich Lob vom Präsidenten des Branchenverbandes Bitkom. Das, sagte Willi Berchtold, sei der richtige Weg in die Zukunft.

Mit dem Absturz kam der "leise Mr. Cebit"

In Hannover nennen sie Raue den "leisen Mr. Cebit", im Gegensatz zu seinem Vorgänger Helmut Lange, der gelegentlich recht laut und deftig daherkam. Lange hatte noch Glück gehabt: Sein letztes Jahr als verantwortlicher Vorstand war 2001, die Blütezeit der IT-Branche und der Höhepunkt der Cebit.

Damals gab es noch Anmeldefristen von neun Monaten, 8100 Aussteller und 840 000 Besucher drängelten sich auf dem riesigen Messegelände in Hannover, es waren eben die berühmten "wilden Jahre" der Messe. Die Cebit 2001 war weltweit die größte Messe aller Zeiten. Dann stürzte die Branche ab, Sparsamkeit kam in Mode, und Raue muss seither einen kontinuierlichen Schrumpfkurs verkraften.

2006 kamen noch 6200 Aussteller und 434 000 Besucher nach Hannover, 2007 werden 6000 Aussteller erwartet, aber wer in den letzten Wochen vor Messestart noch anfragt, ist herzlich willkommen. Raue wendet die Dinge positiv, schließlich sei die Cebit nach wie vor die größte IT-Messe der Welt, und dass die Ausstellungsfläche deutlich schrumpfe, liege an Fusionen der Kunden, aber auch daran, dass die Produkte immer kleiner würden, sagte er.

Und der Manager hat es geschafft, dass Hannover im März zum Gipfeltreffen der EU-Minister für Informations- und Telekommunikationstechnik wird.

Ein lupenreines Messegewächs

Der 52 Jahre alte Raue ist ein fast lupenreines Messegewächs. Nach einer Lehre als Industriekaufmann hat der Niedersachse einige Jahre in der Kunststoffindustrie gearbeitet und ist dann zur Deutschen Messe gewechselt.

Zunächst kümmerte er sich um die Standvermietung für die Hannover Messe Industrie, bis ihn Lange als Projektleiter zur 1986 ausgegliederten Cebit holte. Seit 2000 ist Raue Vorstandsmitglied und hat seither nicht mehr so viel Zeit für seine Hobbys, die Oldtimer-Sammlung und das Motorradfahren.

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(SZ vom 24. Januar 2007)