Illegale Downloads Ein Rapper, der den Mann im Hintergrund spielt

Dieses Geschäftsprinzip hat auch der Frankfurter Plattenproduzent Moses Pelham erkannt. Pelham ist keiner, der lange fackelt. 1997 brach er dem TV-Moderator Stefan Raab im Streit die Nase. Dafür musste er 50.000 Mark Strafe zahlen. Heute lässt der Produzent andere zahlen. Er fackelt noch immer nicht lange. In der noblen Frankfurter Villa sitzt er hinter einem Schreibtisch aus schwarzem Stein. Der erinnert an den Tisch des Gangsterbosses Tony Montana aus dem Film "Scarface".

Pelham gehört die Digiprotect GmbH zum Teil. Aber Chef ist jemand anderes: der 29-jährige Alex Besparis. Besparis. Der wiederum im Nebenjob bei Pelhams Plattenlabel 3P arbeitet.

Mit Personalunionen und Verträgen haben die Musikproduzenten ein feines Netz aus Firmen und Kanzleien gesponnen, das von außen nur schwer durchschaubar ist. Zu dem Netzwerk gehören auch die Techniker der Digiright-Solutions GmbH in Darmstadt und natürlich der scharfzüngige Rechtsanwalt Udo Kornmeier, von dem Ronald Schaible Post bekam.

Eine Welt, die es nicht mehr gibt

Moses Pelham, Udo Kornmeier und Alex Besparis leben in einer Welt, die es nicht mehr gibt. Sie wurde von einer Generation zerstört, deren klügste Köpfe in Essays darüber nachdenken, ob geistiges Eigentum im Netz geschützt werden kann.

"Dass es ausgerechnet mich erwischt hat, ist total ungerecht", sagt Schaible. 200 schwarz gebrannte Filme besitzt er, dazu 60 Gigabyte Musik, das sind circa 20000 Songs, die meisten davon kennt er nicht, bezahlt hat er für keinen einzigen. "Ich höre fast nie Musik", sagt Schaible.

Er sammle einfach gerne Dinge, Musikalben besitze er eben am liebsten vollständig. "Wenn die Hoch- und Runterladegeschwindigkeit gering ist, wird man doch nicht erwischt", sagt er. Das ist natürlich falsch: Die Geschwindigkeit der Computerleitungen macht keinen Unterschied. Wer erwischt wird, wird erwischt. Schaible hat den Brief sorgfältig aufbewahrt, den Kornmeier mit ein paar Klicks angefertigt hat. Es ist ein Serienbrief, immer dieselben Textbausteine, tausendfach.

Schaible hat sie gelesen. Mehrfach, immer wieder. Aber er versteht den Text nicht. Musik, sagt er, sei im Netz doch kostenlos. Wovon Künstler leben sollen, wenn niemand für Musik bezahlt, weiß er auch nicht. Es ist ihm auch egal. Für ein Album würde er sechs, sieben Euro zahlen, aber nicht die üblichen 16 oder 17 Euro, die eine Platte im Laden kostet.

Als der Laborant den Abmahnbrief bekommt, ist er so erschrocken, dass er beim Landeskriminalamt anruft und fragt, ob die Abmahnung ein Versuch sein könnte, ihn zu betrügen. Die Beamten beim LKA machen Schaible klar, dass er ein Straftäter ist. Sie leiten aber kein Verfahren gegen ihn ein, die Justiz hat Wichtigeres zu tun. Udo Kornmeier nicht, er lässt nicht locker.

Deshalb nimmt sich der Laborant einen Anwalt, den Fachmann Thomas Stadler. Stadler nimmt den Kampf gegen die Frankfurter Abmahner auf. Er hat sich bereits im Internet in seinem Weblog mit Kornmeier persönlich angelegt und kennt das Geschäftsmodell seiner Gegner. Es ist nicht schwer zu verstehen:

450 Euro für ein einzelnes Lied

Digiprotect-Geschäftsführer Alex Besparis bekommt von Musik- und Filmproduzenten die Rechte an ihren Werken. Ausschließlich zu einem Zweck: Um die Werke vor Raubkopierern zu schützen. Derzeit kümmert sich Besparis um bis zu 5000 Titel.

Die sechs, sieben Techniker von Digiright-Solutions in Darmstadt überwachen im Auftrag von Digiprotect mit automatisierten Computerabfragen die Datei-Tauschbörsen im Internet. Sobald die Techniker einen Computer finden, auf dem illegalerweise eine Film- oder Musikdatei angeboten wird, speichern sie dessen IP-Adresse.

Das ist eine eindeutige Ziffernfolge, die einem einzigen Computer zugeordnet ist. Tausende dieser gespeicherten Zahlenfolgen verkauft Digiright-Solutions an die Digiprotect GmbH pro Woche. Sie verraten kaum mehr als den Netzanbieter, bei dem der mutmaßliche Raubkopierer seinen Internetzugang gebucht hat - also zum Beispiel bei Alice oder der Telekom.

Weil mit den Nummern nicht viel anzufangen ist, schickt Digiprotect die Datenreihen weiter an Rechtsanwalt Kornmeier. Der beantragt bei Gericht, dass die Netzanbieter ihm mitteilen müssen, welche reale Person sich hinter der Ziffernfolge verbirgt.