Die Jagd auf Raubkopierer ist nicht nur Selbstschutz, sondern auch ein einträgliches Geschäftsmodell. Einblicke in die Welt der Abmahnindustrie, in der auch ein bekannter Rapper mitmischt.
Sie wollten ihn ins Gefängnis stecken. Aber Günter Freiherr von Gravenreuth hatte sich geschworen, nicht in den Knast zu gehen. Der Rechtsanwalt dürfte wohl zu den meistgehassten Menschen im deutschsprachigen Internet gehört haben.
Das digitale Zeitalter ist voller neuer Ideen - zum Beispiel die, Abmahnungen als lukratives Geschäftsmodell zu betrachten. (© Foto: iStock)
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Gravenreuth hatte bereits in den neunziger Jahren mit moralisch fragwürdigen Methoden Internetsurfer für geringfügige Vergehen abgemahnt: Zehntausende Briefe muss er im Laufe seine Lebens geschrieben haben - egal ob an Schüler, Arbeitslose oder Besserverdienende.
Wer an Gravenreuth geriet, musste in der Regel zahlen. Doch dann verurteilte ihn ein Richter wegen Betrugs. "Die Allgemeinheit" müsse vor Gravenreuth geschützt werden, schrieb der Richter in seinem Urteil: sechs Monate ohne Bewährung. Günter Freiherr von Gravenreuth griff am vergangenen Montag zur Waffe und erschoss sich.
Seine Idee, mit massenhaften Abmahnungen Geld zu verdienen, lebt weiter. Hunderte Rechtsanwälte dürften in Deutschland ihr Einkommen damit bestreiten. Wie fragwürdig dieses Geschäftsmodell ist, verdeutlicht der Fall von Ronald Schaible (Name geändert). Er handelt von der Sehnsucht nach einer Zeit, in der CDs gekauft und nicht kopiert wurden, und das Internet nicht mehr war als die verrückte Idee einiger amerikanischer Wissenschaftler. Und er erzählt von einer Generation, die nicht mehr weiß, was geistiges Eigentum überhaupt ist, sie kopiert ohne nachzudenken. Ein Mausklick mit Folgen.
Bis zu 60.000 Abmahnungen verschickt
Sechs Seiten lang ist der Brief, den der Rechtsanwalt Udo Kornmeier aus Frankfurt im September 2009 an Ronald Schaible (Name geändert) schickt. Der 25-jährige Laborant lebt auf dem Hof seiner Eltern in der Provinz. Kornmeier möchte, dass Schaible 450 Euro zahlt, weil er ein Lied illegalerweise aus dem Internet geladen und für andere Nutzer zur Verfügung gestellt haben soll.
Udo Kornmeier agiert im Fall Schaible, wie in Zehntausenden weiteren Fällen, im Auftrag der Firma Digiprotect. Sie residiert in einer Frankfurter Villa. Ihre Mitarbeiter und Geschäftspartner lassen hauptberuflich Abmahnungen verschicken. Eine Abmahnung ist eigentlich ein einfaches juristisches Mittel.
Der Gesetzgeber hat die Abmahnung erfunden, damit geringfügige Streitigkeiten bei klarer Rechtslage ohne teure Gerichtsverfahren schnell beigelegt werden können. Vereinfacht gesagt: In der Regel verschickt einer, der unzweifelhaft von jemand anderem geschädigt wurde, einen meist vom Anwalt verfassten Brief und lässt sich den entstandenen Schaden mit Geld bezahlen. Der Übeltäter muss den Rechtsanwalt bezahlen.
Mit Abmahnungen lässt sich aber auch ordentlich Gewinn machen. Man muss nur genügend verschicken. Die Digiprotect GmbH hat nach eigenen Angaben im Jahr 2009 zwischen 45.000 und 60.000 Abmahnungen verschicken lassen. Das hat der Gesetzgeber nicht unbedingt so vorgesehen, aber es ist ein funktionierendes Geschäftsmodell.
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Diese Kritik am Abmahnmodell wirkt dann ein wenig seltsam, wenn man von die Praxis der SZ weiß - siehe meinen Blog:
http://www.freitag.de/community/blogs/rick
Allerbeste allererseits
Ullrich Läntzsch
-SUPER-
98% meines Beitrages wurde nicht übernommen bzw. gelöscht, und auf die restlichen 2% kann man nun getrost verzichten. Kauft's Euch bitte einen halbwegs fähigen Programmierer/Admin!!! Echt bitter für einen kommerziellen Verlag ein so schlecht programmiertes Script zu benutzen!!!
ich habe keine Gigabytes mp3/avi Sammlungen auf HD. Ich habe etliche tausende legal erworbene Vinyls & CD's & komponiere auch selber......
Der Kunde zahlt, der Dieb nicht.
Verklagt werden nur die Diebe und das ist gut so !
Fakt ist doch das die MI anstelle von qualitativ hochwertiger Musik seit Jahren, nein seit Jahrzehnten auf Eintagsfliegen setzt von denen Sie erwartet das sie immer mehr und mehr Geld in die Kassen spülen. Da wird zu jedem Mittel gegriffen, bspw. bestehende Songs in allen nur erdenklichen Formen mit viel Elektronik modifiziert und als neu auf den Markt geworfen.
Noch scheint das ganze zu funktionieren, aber die immer in vollen Tönen bejammerte Zunahme von Raubkopien ist doch ein Indiz das sich dieses Businessmodell allein langfristig nicht mehr als wirtschaftlich einträglich behaupten werden kann. Hier mag das schon geschwächte Herz noch künstlich verlängert werden durch neue Distributions- und Marketingkanäle ala iTunes, Mobile Ringtones und DSDS aber auf Dauer wird es auch hier zu einem Problem kommen.
Die MI muss weg vom risikolosem aber zunehmend schwächerem Geschäftsmodell. Wenn die MI keine Experimente wagt, kein Mut zum Risiko bei neuen Künstlern, neuen Distributions- und neuen Marketingkanälen beweist wird es langfristig irgendjemand anderes tun und die MI wird erneut die Chance auf nahezu grenzenlosen Profit verschlafen.
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