Von Thorsten Riedl

Das TV-Gerät im Wohnzimmer soll die Zentrale für die Vernetzung zu Hause werden. Doch der Mensch ist leider zu dumm, um drahtlose Musikanlagen zu verstehen.

Achim Berg lebt die Zukunft heute. Der Chef der deutschen Niederlassung von Microsoft wohnt eigentlich im Rheinland. Wenn er aber von seinem Büro in Unterschleißheim bei München die Heizung zu Hause aufdrehen will, ist das kein Problem. Auch von jedem anderen Ort der Welt kann er die Elektronik im eigenen Heim steuern, sofern Berg Zugang zum Internet hat: Alarmanlage scharf schalten, per E-Mail informiert werden, wer gerade vor der Tür steht, oder die Jalousien schließen. Alles kein Thema.

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Fernseher wohin das Auge reicht: Aber nur Zu- und Abschalten ist Geschichte. jetzt wird gesurft, gespielt und gesteuert. (© Foto: dpa)

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Berg wohnt in einem intelligenten Heim, seit er bei der Deutschen Telekom im Vorstand gesessen hat. Der ehemalige Staatsbetrieb betreibt deutschlandweit noch ähnliche Projekthäuser. Viele Technologien, die dort zu bewundern sind, waren vor einigen Jahren noch Science Fiction. Inzwischen gelten sie als alltagstauglich. Zur Funkausstellung, die am Donnerstagabend von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet wird, gibt es eine Reihe von Produkten zu sehen, mit denen jeder seine Träume vom digitalen Zuhause ausleben kann. Im Mittelpunkt steht der Fernseher. Er wird zum Multimedia-Talent und zur Steuerungszentrale in den eigenen vier Wänden. Wenn der Kunde das denn will: Noch kommen die Ideen für die Vernetzung im eigenen Heim nämlich in erster Linie von den Herstellern - nicht von den Verbrauchern.

TV zum Fotos anschauen

Rechtzeitig zum Start der IFA hat der Bitkom, der Branchenverband der Informationstechnologie (IT)- und Telekommunikationsfirmen, eine Studie vorlegt. "Wofür wollen Sie Ihren Fernseher neben dem Schauen von TV-Sendungen nutzen?", lautete eine der zentralen Fragen. Allein das Zeigen von Digitalfotos stieß auf Interesse. Von den Befragten möchten mehr als 60 Prozent ihre digitalen Bilder lieber auf dem großen Schirm im Wohnzimmer als am Monitor im Arbeitszimmer anschauen, oder sie tun das bereits.

In anderen Bereichen zeigten sich die Verbraucher weniger zukunftskompatibel: Über das Fernsehen im Internet surfen oder E-Mails beantworten? Musik oder Spielfilme herunterladen? Oder online spielen, Dokumente etwa von einer Textverarbeitung lesen oder Videotelefonate mit den Lieben führen? Technisch alles möglich heutzutage. Doch auf alle Fragen antworteten zwei Drittel oder mehr der Studienteilnehmer, das sei für sie nicht interessant.

Die Industrie setzt darauf, dass den Verbrauchern der Appetit beim Essen kommt: Sind erst einmal die Geräte mit der entsprechenden Technik verfügbar, werden sich schon Käufer finden. "Das vernetzte Haus wird Realität", sagt etwa Fabien Roth, Marketingverantwortlicher im TV-Geschäft von Panasonic. "Ein erster Schritt ist die entsprechende TV-Plattform, die zur IFA zu sehen sein wird. Dann geht es weiter." Ebenso wie andere Konzerne der Unterhaltungselektronikindustrie, Pioneer, Samsung oder Sharp, wird Panasonic bei der Funkausstellung Flachbildfernseher mit Internetanschluss zeigen.

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