Mittlerweile beschäftigt er 170 vornehmlich junge Leute in seinem Softwarehaus, das im vergangenen Jahr etwa 13 Millionen Euro umgesetzt hat. Ob es in den nächsten Jahren deutlich mehr werden, hängt auch von der erfolgreichen Markteinführung des Tablet-Rechners ab, der nun nicht mehr, wie ursprünglich geplant, WePad heißt, sondern WeTab. Die große Namensnähe zum iPad des Computergiganten Apple hat die Änderung wohl notwendig gemacht, auch wenn Ankershoffen sich dazu nicht weiter äußern will. Auch bei anderen Fragen versiegt bald sein Redefluss. Weder will er verraten, welcher chinesische Produzent die Geräte liefert, noch wer seine Vertriebspartner sein werden oder welche Verlage an seinem WeTab und der Plattform WeMagazin Interesse zeigen. "Wir sind in Gesprächen", bescheidet er nur kurz. In der Branche wird vor allem Gruner+Jahr als möglicher Neofonie-Partner genannt. Eine E-Version der Illustrierten Stern haben Ankershoffen und Vertreter von Gruner+Jahr schon vorgestellt. Auch der Schweizer Ringier-Verlag, heißt es, werde das WeTab für sich nutzen, zuerst für das Magazin Cicero und für die Schweizer Illustrierte.
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Verkaufsstart für das 29 mal 19 Zentimeter große und 800 Gramm schwere WeTab soll nun der 19. September sein. Das schwarz lackierte Gerät geht dann gegen den bereits erhältlichen silberglänzenden iPad von Apple an den Start. Schützenhilfe erhalten die Berliner von den Großkonzernen Intel und Nokia, deren gemeinsam entwickeltes Betriebssystem Meego nach diversen Zeitungsberichten die Basis für das WeTab bilden soll. Zudem, heißt es, liefere der Intel-Konzern einen stromsparenden Prozessor für den Tablet-PC von Neofonie zu, der auf der Berliner Funkausstellung vorgestellt wird. Ankershoffen aber ist inzwischen mit Vergleichen vorsichtiger geworden. "Wir greifen nicht das iPad an", sagt er. "Wir schneiden uns nur ein Stück von dem schnell wachsenden Markt ab, der sich in kürzester Zeit stark fragmentieren wird." Das zeichnet sich bereits ab. Inzwischen haben knapp zwei Dutzend Unternehmen ein eigenes Tablet angekündigt.
Fragt man Ankershoffen nach den Vorzügen des WeTab, kommt der Redefluss schnell wieder in Schwung. Der WePad soll so etwas wie die offene Alternative zum iPad sein. Anders als beim amerikanischen Konkurrenten gibt es für Nutzer, Verlagshäuser und Softwareentwickler mehr Freiheiten und weniger inhaltliche Beschränkungen. Den Nutzern verspricht er "ein neues, komfortables und leicht zugängliches Leseerlebnis". Und das Gerät soll auch über die nötigen Schnittstellen verfügen, um Drucker, USB, Kameras oder auch eine Tastatur anzuschließen.
Ankershoffen wird nicht müde, die neue Magie des elektronischen Zeitungslesens und die damit verbundenen Chancen für die Verlage zu beschwören. Den Zeitungshäusern, die ihre gedruckten Ausgaben digital anbieten wollen, bietet er mit WeMagazin eine Softwareplattform an, mit deren Hilfe die Titel interaktiv nutzbar gemacht werden können. Für ihn steht fest, dass die Verlage auf diese Weise den Leserschwund bei Print-Produkten kompensieren könnten. Zugleich könnten sie durch die hochwertige Präsentation von Inhalten der im Netz noch weit verbreiteten "Kostenlos-Mentalität" begegnen. "Die Verlage können mit diesen neuen Angeboten im Netz deutlich mehr Geld verdienen", ist Ankershoffen überzeugt. In diesem Moment scheint aller Ärger verflogen.
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(SZ vom 04.09.2010/leja)
Kuriose Schilder (4)
@KulturOptimist: Gebe Ihnen vollkommen recht. Und gerade das ist der Grund, warum Apple so erfolgreich ist. Die verkaufen den Menschen nicht die ultimativ beste Lösung, sondern eine Lösung, die die Menschen wollen. Grad das Weglassen von Dingen ist ja das Erfolgsgeheimnis von Apple.
Mich stört auch die geschlossene Produktpolitik von Apple und hoffe, dass WeTab sich mit seinem Ansatz durchsetzten kann. Aber ich hab ein wenig Bedenken, dass dies Gerät wieder zu tekki wird. Kann zwar alles besser als das iPad, aber hat nicht die Leichtigkeit der Bedienung.
Aber ich bin mal auf den Verkaufsstart gespannt.
In der Softwarebranche ist es oft so, dass diejenigen, die in schönem Gewande etwas aus dem Hut zaubern können (=einen guten Vertrieb haben), wahrscheinlicher einen Auftrag an Land ziehen, als diejenigen, die tatsächlich gut Software entwickeln können.
Immer noch schaffen es AfterShave-Werbungstaugliche Berater, großen Firmen Reporting- oder Arbeitsablaufsteuerungen mit Microsoft Access zu verkaufen, einer Office-Anwendung, die auch Leuten mit wenig (oder gar keiner) Programmierkompetenz vorgaukeln kann, sie hätten welche.
Unter (echten) Informatikern gibt es hingegen schon lange das geflügelte Wort: Access und Ähnliches sollte man ab einer definierten Benutzergruppengröße niemals verwenden: 1!
Informatiker und Ingenieure, die detailverliebt und begeistert an ihrem Produkt basteln sind oft keine Verkaufsgenies.
Daher bin ich immer noch zuversichtlich, dass das weTab ein schönes Gerät ist oder noch wird.