Das technische Wettrennen unter den Geräteherstellern ist allerdings sinnlos, solange es nur wenige Filme, Sendungen und Spiele in 3D gibt. Die Kosten für die Gerätehersteller seien vergleichsweise niedrig, sagt Medienexperte Böhm, für die Filmproduzenten und die Übertragungsplattformen aber seien sie enorm. Er erwartet, dass sich Technologiekonzerne und Produktionsstätten, Kabelanbieter und Sendeanstalten zusammentun werden, um die Fernsehzuschauer in die dritte Dimension zu locken - so wie Panasonic, Orange und Eurosport in einer Allianz dieses Jahr erstmals das Tennisturnier der French Open dreidimensional übertragen haben. "3D ist eine komplexe Technologie und von zahlreichen Ressourcen abhängig, über die ein einzelnes Unternehmen selten verfügt", sagt Böhm.

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Dass sich eine neue Technologie nur durchsetzt, wenn alle an einem Strang ziehen, hat sich bereits beim hochauflösenden Fernsehen gezeigt: Vor vier Jahren, pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft in Deutschland, sollte hierzulande der Durchbruch kommen, hatte die Unterhaltungsindustrie einst verkündet. Aber all jene, die sich einen neuen Fernseher gekauft hatten, schauten bei Anpfiff in die Röhre. "Warum sollen wir unsere Produktion umstellen, wenn noch nicht hochauflösend gesendet wird?", hatten die Fernsehhersteller gefragt. "Warum sollen wir hochauflösend senden, wenn es noch keine Geräte gibt?", hatten die Sendeanstalten geantwortet. So zog sich das hin - und schließlich startete das hochauflösende Fernsehen in Deutschland erst im vergangenen Jahr.

Auch in Sachen 3D ist das Ausland weiter: In Spanien gibt es bereits einzelne 3D-Sendungen, in den USA 3D-Kanäle. Solange es daran in Deutschland noch fehlt, hoffen die Fernsehhersteller, dass sich Kunden Kinoerlebnisse per DVD ins Wohnzimmer holen: Der deutsche Fernsehbauer Loewe beispielsweise, der sein erstes 3D-Gerät auf der Ifa zeigen und Anfang kommenden Jahres in die Läden bringen wird, möchte ausdrücklich an den Kinoerfolg von Avatar und den blauen Fantasiewesen in der dritten Dimension anknüpfen. Fast scheint es, als seien die jüngsten Meldungen aus Hollywood noch nicht im fränkischen Kronach angekommen: Nachdem einige teure 3D-Filme an den Kinokassen nicht einmal die Hälfte der Produktionskosten eingespielt haben, ist in der amerikanischen Filmindustrie eine Debatte um Sinn und Unsinn der dritten Dimension entbrannt. Unter den Kinobesuchern hat sich bereits eine gewisse 3D-Müdigkeit eingestellt - und das dürfte manchen Fernsehhersteller daran zweifeln lassen, ob die Rechnung so einfach ist.

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  1. Die verflixte dritte Dimension
  2. Sie lesen jetzt Wenn die Rechnung nicht aufgeht
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(SZ vom 02.09.2010/leja)