Seit "Avatar" wollen alle die dritte Dimension, glauben die Fernsehhersteller und setzen große Hoffnungen in das Geschäft mit tiefen Bildern. Doch so einfach ist die Rechnung nicht.
Die Rechnung ist einfach: Wer etwas mehr für die Kinokarte zahlt, um sich eine Brille aufzusetzen und mit blauen Fantasiewesen durch den Nebel zu schwirren, der zahlt wohl auch etwas mehr für den Fernseher, um bei Bundesligaspielen dem Fußballrasen ganz nah zu sein. "Heute hat erst ein Prozent der Haushalte 3D-Fernseher, aber wir sehen: Die Aufgeschlossenheit ist groß", frohlockt Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsrat der Gesellschaft zur Förderung der Unterhaltungselektronik (gfu), die die Internationale Funkausstellung (Ifa) veranstaltet.
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41 Prozent der Deutschen wollen sich nach einer Studie, die der Branchenverband in Auftrag gegeben hat, in den nächsten drei Jahren einen 3D-Fernseher kaufen. Und diese Kunden wollen die Hersteller nun unterm Berliner Funkturm umschmeicheln, wo in dieser Woche die 50. Ifa beginnt.
Dabei ist Deutschland noch ein vergleichsweise unbedeutender Markt. Die Geräte für die dritte Dimension sind vor allem in den USA, Großbritannien, Frankreich und im asiatischen Raum gefragt. Dort, wo der Fernseher traditionell nicht nur für die Fernsehserie eingeschaltet wird, sondern auch für Kinofilme auf DVD und Videospiele. Und wo Bezahlfernsehen weiter verbreitet ist.
Umständliches Tiefenerlebnis
"Pay-TV muss seinen Kunden einen Mehrwert bieten, deshalb setzen diese Sender stärker auf 3D", sagt Klaus Böhm, Medienexperte beim Beratungsunternehmen Deloitte. Zudem passe die dritte Dimension besser zu Sportereignissen und Blockbustern als zu den Abendnachrichten. Nach einer Prognose von Deloitte und des Branchenverbands Bitkom stehen bis Ende des Jahres 5,9 Millionen und in fünf Jahren 76,4 Millionen 3D-Fernseher in den Wohnzimmern dieser Welt. Der japanische Hersteller Panasonic will bis Jahresende etwa eine Million Geräte verkaufen, sein koreanischer Konkurrent Samsung sogar doppelt so viele. Branchenbeobachter bezweifeln aber, dass diese Rechnung aufgeht: Noch kostet ein 3D-Fernseher deutlich mehr als ein herkömmlicher; hinzu kommt die sogenannte Shutterbrille, die wechselweise das linke und das rechte Auge abdunkelt und so ein dreidimensionales Bild erst entstehen lässt. Das ist teuer, umständlich - und nur etwas für Techniknarren, argumentieren Analysten.
Möglich ist der Blick in die dritte Dimension bereits ohne Brille: Der japanische Konzern Nintendo hat für das Frühjahr eine Konsole angekündigt, auf der Spieler mit Super Mario durch dreidimensionale Landschaften hüpfen können - ohne Brille. Der Bildschirm ist vergleichsweise klein, ebenso wie bei Mobiltelefonen, die Samsung und Sharp auch schon für die dritte Dimension ausgerüstet haben. Zwar haben auch deutsche Forscher die Technologie bereits auf die größeren Fernsehbildschirme übertragen. Aber bis diese sich in Wohnzimmern durchsetzen, werden noch bis zu zehn Jahre vergehen, vermuten sie. Die Japaner sind offenbar schneller: Der Technologiekonzern Toshiba will mit einem 3D-Fernseher ohne Brille bereits an Weihnachten aufwarten - zumindest auf dem heimischen Markt.
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Bürgerbeteiligung im Internet
Nicht nur die Nachrichten bleiben die gleichen, auch das sonstige, überwiegend minderwertige Programm bleibt uns erhalten. Vielleicht wird es noch schlimmer, wenn 3D und die zugehörige Effekthascherei im Vordergrund steht.
Ich erinnere mich an die Kunstkopf-Stereofonie, bei der z.B. Hörspiele nicht wegen des Inhalts, sondern wegen der Effekte in Erinnerung blieben. Auch von Avatar bleibt nichts, wenn man 3D streicht, auf das so manche Szene hingetrimmt worden ist.
werden auch in 3d nicht besser
So so: 41 % der Befragten wollen also demnächst einen 3D-Fernseher kaufen...
Wers glaubt. Mark my words: das ist ein Hype, der schneller verschwinden wird, als der Hula-Hoop-Reifen anno dunnemals.
arte brachte am 28.08. zwei 3D-Filme in so grottenschlechter Qualität, daß auch der letzte Enthusiast abgeschreckt wurde: Hitchcocks BEI ANRUF MORD, in Farbe gedreht, war praktisch monochrom. Und auch die 3D-Filme, die man bislang im Kino sehen konnte, verursachen mehr Kopfweh als der Rotwein vom aldi. Allein für zwei Shutterbrillen müßte der Verbraucher soviel ausgeben (300 €) wie für ein TV-Gerät.
Da lügen sich Hersteller und Marketing-Fuzzis doch in die Tasche, wenn sie das als Trend der Zukunft sehen. Es hat sich ja noch nicht einmal das HD-Fernsehen etabliert.