Zu ihrem 50. hat die Internationale Funkausstellung in Berlin den Anschluss verloren - dem digitalen Zeitalter läuft sie nur noch hinterher.
Unter dem Berliner Funkturm wurde eine neue Welt greifbar: Ende der sechziger Jahre knipste Vizekanzler Willy Brandt hier das deutsche Farbfernsehen an. Legenden wie Hans Rosenthal oder Joachim Fuchsberger gingen auf Tuchfühlung mit den Zuschauern, und die Fernsehzeitschrift Hörzu war verzückt: "Die Telegötter steigen vom Bildschirm herab." Das Fernsehen musste Nähe vermitteln. Und die Internationale Funkausstellung (Ifa) in Berlin war der magische Moment, der den Widerspruch aufheben konnte. In dieser Woche findet sie zum 50. Mal statt. Doch von ihrer strahlenden Wirkung ist nichts mehr übrig.
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Die Welt ist digitaler geworden. Und mit der neuen Technik ist sie zusammengewachsen. Mit dem Internet überwinden die Menschen Tausende Kilometer. Ein einziger Klick reicht dazu aus. Der Widerspruch zwischen räumlicher Ferne und gefühlter Nähe hat sich so aufgelöst. Wem sind der Vizekanzler oder ein paar Fernsehsternchen schon noch einen Messebesuch wert, wenn er über soziale Netzwerke wie Facebook virtuelle Freundschaften mit ihnen knüpfen kann?
Einem Computerchip ist es einerlei, ob er eine Fernsehsendung speichert oder ein paar Spiele. Durch ein Übertragungsnetz geht die Seifenoper aus dem Nachmittagsprogramm ebenso hindurch wie ein Telefongespräch. Fernsehen ist längst nicht mehr das wichtigste Unterhaltungsmedium, und klassische Rundfunkfirmen wie Grundig oder Loewe sehen sich von der Computerindustrie bedrängt. Die Ifa hat versucht, mit dieser Entwicklung mitzuhalten - und ist dabei gescheitert: Neben Fernsehgeräten sind unter dem Funkturm nun auch Smartphones, Spiele und selbst Spülmaschinen zu bestaunen. Für Kunden mag es von Vorteil sein, dass sie immer mehr mit einem einzigen Gerät erledigen können, sie kaufen Rundumpakete, die ihren Alltag erleichtern. Eine Messe aber, auf der sich die Unterhaltungsindustrie zeigt, gerät so in die Beliebigkeit. Wer fährt noch zur Ifa, wenn er die neuesten Computer schon auf der Cebit, die neuesten Spiele schon auf Gamescom gesehen hat?
Präsentation wird virtuell
Die Digitalisierung hat auch das Kaufverhalten verändert. Um ein Produkt anzupreisen, braucht es kein Verkaufsgespräch am Messestand mehr. Zwar sind diejenigen, die einen neuen Fernseher oder DVD-Player im Internet kaufen, noch in der Minderheit. Aber ihr Anteil wächst - nicht nur unter den jungen Menschen, auch unter denen, für die der Einkauf bequem und klar nachvollziehbar sein soll. Namhafte Unternehmen haben sich auch deshalb in den vergangenen Jahren von der Ifa zurückgezogen oder sind allenfalls aus alter Verbundenheit geblieben, mit einem kleineren Stand.
Zwar jubelten die Veranstalter im vergangenen Jahr über einen neuen Besucherrekord. Aber mit 220.000 Gästen lag die Zahl noch immer deutlich unter dem langjährigen Schnitt von 300.000. Drei Milliarden Euro Umsatz seien in den Messetagen gemacht worden, triumphierte die Branche. Immer noch wenig, wenn man bedenkt, dass sich diese Summe fast 1200 Aussteller teilten. Apple beispielsweise ist auf keinen Messestand angewiesen. Der amerikanische Konzern hat dennoch wichtige Märkte der Unterhaltungsindustrie aufgemischt und in demselben Zeitraum umgerechnet eine Milliarde Euro umgesetzt - ganz allein.
Das liegt auch daran, dass Apple es geschafft hat, den Zauber, den einst das Fernsehen besaß, in die neue Zeit zu tragen: Der Konzern setzt bei der Vermarktung auf Inszenierung, auf Geheimnistuerei. Aus gutem Grund hat er seine Vorstellung eines neuen Produkts auf den heutigen Tag vorverlegt. Apple schlägt damit der Branche mitten im Ifa-Taumel ein Schnippchen: Mit minimalem Aufwand erzielt der Konzern maximale Aufmerksamkeit. Die wenigen von Apple verschickten Einladungen zu der Bekanntgabe enthielten nur ein Bild, mehr nicht. Seither spekulieren Blogger und Technikfreaks, was sie erwartet: Vielleicht trumpft Apple sogar mit einem eigenen Fernsehformat auf.
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(SZ vom 01.09.2010/leja)
Ich kann mich irren aber den Anschluß verloren zu haben scheint eine bayrische Tageszeitung, die alles andere als überregional berichtet.
Ich kaufe meine Unterhaltungselektronik eigentlich nur noch im Internet.
Gerade aus diesem Grund fahre ich sehr gerne zur Ifa, weil ich hier an einem Tag genau die Informationen bekomme, die ich für die Kaufentscheidungen der nächsten Jahre benötige. Innerhalb von wenigen Minuten kann man aktuelle Geräte auf die üblichen Probleme überprüfen.
Denn in der digitalen Welt von heute gibt viele neue Fallstricke und die wollen beim Kauf berücksichtigt werden. Auch sind teilweise die Entwickler der Geräte vorort und ich habe schon manchen sehr interessanten Kontakt geknüpft.
"Wer fährt noch zur Ifa, wenn er die neuesten Computer schon auf der Cebit, die neuesten Spiele schon auf Gamescom gesehen hat?"
Mit Verlaub, liebe Frau Bernau, aber das ist eine etwas dusselige Frage - selbst, wenn sie als rhetorisches Stilmittel gedacht war.
Die an Profi-Interessen ausgerichtete CeBIT findet im Frühjahr statt, was dort "neu" war, ist es heute nicht mehr.
Ansonsten: Nach Hannover pilgern fast nur Facheinkäufer und technikbegeisterte Männer mittleren Alters. Und wo war doch gleich die Gamescom? Und was hat eine an Teenager-Interessen orientierte Gaming-Veranstaltung mit der Unterhaltungselektronik-Hauptmesse IFA zu tun? Die Schnittmenge dürfte überschaubar sein.
Die IFA mit ihrem Riesenspektrum an aktueller Technik kann man als Wochenendurlauber in Berlin oder Bewohner der Metropole auch mal so "mitnehmen" - es ist dies ein hübsches Buffet, keine spezialisierte Messe für Fachinteressenten. Danach geht es auf den Ku'damm, zum Potsdamer Platz oder in den Prenzlauer Berg. Passt.
So viel zu der flotten These, die Veranstaltung habe sich "überlebt".
Aber mit der Überlegung, Apple habe seine nahezu obligatorische "Back to school"-Präsentation (höchstwahrscheinlich iPods und ein überholtes Apple TV) "aus gutem Grund auf den heutigen Tag vorverlegt" - da wird dem IFA-Auftakt im fernen Berlin dann doch mehr Bedeutung zugemessen, als er für die derzeit wichtigste Technikmarke der Welt haben dürfte. Wir dürfen wohl davon ausgehen, dass in Cupertino nach anderen Kriterien orchestriert wird.
Was ist denn mit dem Autor dieses Artikels passiert, dass er solche Hasstiraden auf die IFA von sich gibt?
Kann ich nicht verstehen, denn auf der Ifa kann man die Geräte nicht nur auf dem Monitor sehen, sondern auch anfassen und ausprobieren. Das finde ich schon sehr gut, informativ und ich hatte bisher immer den Besuch als gut empfunden. Ich gehe gerne zu der Messe und werde das auch dieses Jahr wieder tun, genauso wie tausende andere Menschen...
... das auf der IFA noch nie das Neueste vom Neusten zu sehen war, sondern hauptsächlich die Sachen, von denen sich die Aussteller im nächsten Jahr die größten Einnahmen versprachen? Sachen also, deren Einführung beschlossene Sache war und die jetzt noch möglichst medienwirksam gehypt werden mussten?