Hype um Smartphone-App Yo. Yo. Yo.

Screenshot von der "Yo"-Webseite? Yo.

(Foto: justyo.co)

Eine Freude für alle, die sich gerne über Hypes im Internet amüsieren: Im Silicon Valley haben Investoren eine App mit einer Million Dollar ausgestattet, die nur dazu da ist, zwei Buchstaben zu verschicken. Yo.

Von Pascal Paukner
  • Die Smartphone-App "Yo" hat über eine Million Dollar Risikokapital eingesammelt und damit viel Aufmerksamkeit erregt.
  • Die App hat nur zwei Funktionen: Man kann anderen Nutzern ein "Yo" schicken - und empfangen.
  • Wer die App herunterlädt, sollte vorsichtig sein: Es gibt derzeit eine Sicherheitslücke, Hacker haben Telefonnummern ausgelesen.

Was ist "Yo"?

Eine Kommunikations-App für Smartphones, die mit iOS oder Android ausgestattet sind. Die Funktionen des Programms sind schnell erklärt: Man kann anderen Nutzern der App ein "Yo" schicken, die können dann mit einem "Yo" antworten. Um die eigenen Bekannten zu finden, greift die App auf das Adressebuch des Smartphones zu. Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen durch Eingabe ihres Nutzernamens zu vernetzen, um ihnen "Yos" schicken zu können. Außerdem kann man sich anzeigen lassen, wie viele "Yos" man schon erhalten hat. Laut Angaben des Herstellers ist "Yo" das "einfachste und effizienteste Kommunikationswerkzeug der Welt".

Das ist alles?

Yo. Es gibt keine Likes, keine Kommentare, keine Chat-Funktion.

Warum berichten so viele Medien über die App?

Weil bekannt wurde, dass der Investmentfonds Genesis Angels insgesamt 1,2 Millionen Dollar an Risikokapital in das Start-up investiert hat. Kritiker sehen in dem Erfolg der App einen Beleg für eine neue Kapitalblase, die sich im Silicon Valley bildet: Wenn sogar eine Billig-App wie "Yo" an viel Kapital komme, sei das kein gutes Zeichen. Seit mehreren Jahren wächst das Kapital, das Risikokapitalfirmen in Start-ups investiert haben, beständig an. Unternehmen, die erst ein paar Jahre alt sind, werden für Millionen oder wie im Fall von Whatsapp oder Nest für Milliarden Dollar verkauft. Mahner warnen, dass dies längst Anzeichen für eine neue "Tech-Blase" seien, wie sie im Jahr 2000 bereits einmal platzte.

Wer steckt hinter "Yo"?

Der Gründer und Programmierer ist ein 32-jähriger Israeli namens Or Arbel. Hinter dem Investmentfonds steckt unter anderem Arbels ehemaliger Chef und Gründer des Foto- und Video-Start-up Mogli, Moshe Hogeg. Arbel behauptet, er habe nur acht Stunden gebraucht, um das Programm zu schreiben. Wegen des großen Erfolgs ist Arbel inzwischen von Israel nach San Francisco gezogen, will dort ein Büro eröffnen und Mitarbeiter einstellen. Veröffentlicht hat Arbel "Yo" übrigens am 1. April. Kein Scherz. Apple wollte es angeblich zunächst gar nicht für den App Store freischalten, weil die Kontrolleure dachten, das Programm sei noch gar nicht fertig.

Wie sicher ist die App?

Offenbar hat Arbel beim Programmieren nur wenig auf die Sicherheit geachtet. Am Freitagmorgen wurde bekannt, dass Hacker offenbar in der Lage waren, Telefonnummern von Nutzern aus der App auszulesen und willkürlich Push-Benachrichtigungen zu versenden.

Wie viele Nutzer hat die App?

Einem Artikel in der Financial Times zufolge hatte die App am 17. Juni 50 000 Nutzer, die sich bis dahin insgesamt vier Millionen Mal "Yo" geschickt hatten. Seitdem dürfte die Nutzerzahl aber weiter gestiegen sein, die Medienberichterstattung lief erst nach dem Artikel in der Financial Times so richtig an. Alleine gestern wurde Arbel zufolge mehr als 3,7 Millionen "Yos" verschickt. Auf Twitter erklärte ein Nutzer "Yo" zum "neuen Flappy Birds" - der berüchtigten App mit hohem Suchtfaktor: Er wisse nicht warum, aber er habe ein Bedürfnis, ständig "Yos" versenden.

Spinnen jetzt eigentlich alle?

So einfach ist es nicht. Entwickler Arbel hat sich nach dem Erfolg der App schon ein paar Gedanken über sinnvolle Einsatzzwecke gemacht. So gibt es beispielsweise schon jetzt einen Account, der die Nutzer nach jedem WM-Tor mit "Yo" benachrichtigt - wer es geschossen hat, weiß der Empfänger allerdings nicht, das muss er auf traditionelleren Wegen nachsehen. Arbel entwickelt nach eigenen Angaben derzeit auch die technischen Voraussetzungen, damit die App künftig von Unternehmen genutzt werden kann. So sei es denkbar, dass man künftig von Fluggesellschaften über "Yo" benachrichtigt werde, wenn das Flugzeug eines Bekannten gelandet ist.

Arbel würde gerne auch die Kaffee-Kette Starbucks zu einer Kooperation bewegen. Wer dort einen Kaffee bestellt, wird bislang für alle hörbar mit seinem Namen aufgerufen. "Namen zu rufen, ist altmodisch", sagte Arbel dem Magazin Think Progress. Fortschrittlicher sei es, wenn man von Starbucks mit einem "Yo" benachrichtigt werde, wenn der Kaffee abholbereit ist.