Von Claudia Tieschky

RTL und Vox strahlen ihre Programme ab sofort hochauflösend aus. Das markiert eine Wende: Zuschauer müssen künftig für Privatfernsehen tief in die Tasche greifen.

An diesem Sonntag wird das Fernsehen vielleicht nicht unbedingt besser, aber jedenfalls ein Stück schöner. Die Privatsender RTL und Vox beginnen dann mit der Ausstrahlung ihrer Programme als hochauflösendes HD-Fernsehen (High Definition Television) über Satellit, im Januar 2010 kommen unter anderem Sat1, Pro Sieben und Kabel1 zu dem Angebot hinzu, das SES Astra unter der Marke HD+ vertreibt. ARD und ZDF wollen ihre Hauptprogramme von Beginn der Olympischen Winterspiele im Februar an in HD zeigen.

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Hochauflösendes Fernsehen: "Entweder es wird Pay oder pleite" (© Foto: iStockPhoto)

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So neu ist die Sache nicht. Vielmehr betrieben Pro Sieben und Sat1 bereits HD-Sender, stellten sie aber im Februar 2008 nach zwei Jahren mangels Nachfrage wieder ein. Seither gab es das hochauflösende Fernsehen vor allem beim Abosender Sky sowie als Nischenangebot bei Arte oder dem Anbieter Anixe.

Erst seit die Öffentlich-Rechtlichen sich auf einen Einstiegszeitpunkt festlegten, nahmen die Privatsender HD wieder auf den Plan. Der Gebührenzahler subventioniert die Markteinführung kräftig mit. Für das Projekt HD wurde den Öffentlich-Rechtlichen von 2009 bis 2012 insgesamt 134,4 Millionen Euro Gebührengeld für die ARD und 99,5 Millionen für das ZDF bewilligt.

Kabelbetreiber verhandeln derzeit ebenfalls über ein HD-Angebot mit den Sendern. Abschreckend ist jedenfalls der Aufwand für die Zuschauer: Um die gestochen scharfen Bilder zu sehen, brauchen Kunden von SES Astra einen HD-fähigen Flachbildschirm; zudem benötigen sie die Technik zur Entschlüsselung der Satellitensignale (neue "HD+"-Receiver oder bei Flachbildschirmen mit integriertem Dekoder eine Schnittstelle für die CI-plus-Technik). Wer früh in den neuen Standard investiert hat, wird sich wohl ärgern; erst im nächsten Jahr soll es Lösungen geben, bisherige HD-Receiver nachzurüsten.

Das Privatfernsehen wird durch HD+ nicht nur technisch besser, sondern auch teurer. SES Astra hat angekündigt, für sein Paket nach zwölf Gratismonaten jährlich 50 Euro von den Kunden zu verlangen.

Es geht um neue Erlösquellen

Ob HD-Fernsehen insgesamt zu "Pay-TV light" wird, an dem Sender mitverdienen, hängt unter anderem davon ab, ob die Kabelgesellschaften für HD ebenfalls zusätzlich Geld verlangen werden. Die Frage steht auch im Zusammenhang mit Plänen der Privatsender, die auf einen Ausbau in Richtung Bezahl-TV zielen.

Anders gesagt: Es geht um neue Erlösquellen. Der Vorstandschef des Pro-Sieben-Konzerns, Thomas Ebeling, hat gerade erklärt, die Sender müssten unabhängiger vom Werbemarkt werden. Der hat sich in den vergangenen Monaten als unsichere Einnahmequelle erwiesen.

Bis 2014 will die Pro-Sieben-Gruppe um die 30 Prozent ihrer Einnahmen außerhalb von Werbung erzielen. Eine Möglichkeit ist, stärker auf zusätzliche TV-Angebote gegen Geld zu setzen: etwa mit Spartenprogrammen wie den Abo-Sendern RTL Crime oder Sat-1-Comedy. Oder eben mit technischen Neuerungen wie HD-Programmen. "Entweder es wird Pay oder pleite", formulierte der Lobbyist Jürgen Doetz, Präsident des Privatsenderverbands VPRT, bei den Münchner Medientagen.

Insofern ist der Start von HDTV an diesem Wochenende vor allem vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Glanzzeit des frei empfangbaren, billigen Privatfernsehens in Deutschland vielleicht vorbei ist.

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(SZ vom 31.10.2009/joku/gal)