Hilfe für Diabetiker Google entwickelt Elektro-Kontaktlinse

Google entwickelt eine Kontaktlinse, die bei Diabetikern den Blutzuckerspiegel messen soll.

Science, aber keine Fiction: Google tüftelt an einer elektronischen Kontaktlinse mit Antenne, Kondensator und Rechenchip. Sie soll jedoch nicht die Datenbrille Google Glass ersetzen, sondern Diabetes-Patienten helfen.

Von Pascal Paukner, San Francisco

Es sind angenehme Zeiten für Larry Page, Chef des Internetkonzerns Google. Kaum ist sein Unternehmen aus den Schlagzeilen wieder verschwunden, lassen sie in der Konzernzentrale im kalifornischen Mountain View einfach die nächste Neuigkeit auf die Öffentlichkeit los. "Wenn man keine verrückten Dinge tut, dann tut man die falschen Dinge", sagte Page einmal in einem Interview. Gemessen an dieser Aussage, macht Google derzeit einiges richtig.

Nur wenige Tage nach dem Einstieg in intelligente Haushaltselektronik, verkündet der Konzern jetzt die nächste Neuigkeit: Es arbeitet an der Entwicklung einer elektronischen Kontaktlinse. Das Gerät befindet sich einem Google-Blogpost zufolge zwar noch in der Entwicklungsphase, wenn es aber einmal fertig ist, dann soll es das Leben von Millionen Diabetikern erleichtern: Die intelligente Kontaktlinse kann den Blutzuckerspiegel messen.

Dazu haben die Google-Tüftler einen Sensor, eine Antenne, einen Kondensator und einen Rechen-Chip in einer Kontaktlinse verbaut. Durch ein kleines Loch an der Seite gelangt Tränenflüssigkeit zum Gerät, womit die Glucose-Konzentration in der Tränenflüssigkeit gemessen wird. Weicht diese vom gewünschten Level ab, soll das Gerät in der Lage sein, Alarm zu schlagen - über ein LED-Signal beispielsweise.

Microsoft arbeitete schon 2011 an einer Elektro-Linse

Ziel der Apparatur ist es, das ständige persönliche Messen des Blutzuckerspiegels überflüssig zu machen. Bis das System im Alltag der Diabetiker ankommt, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Derzeit tausche man sich in der Angelegenheit mit der Food and Drug Administration (FDA) aus, schreibt Google. Das ist jene amerikanische Bundesbehörde, die unter anderem für die Arzneimittelzulassung zuständig ist.

Google deutete auch an, die Diabetiker-Linsen nicht selbst auf den Markt bringen zu wollen. In dem Blogeintrag heißt es, man werde die Erfindung "nicht alleine" zu einem funktionierenden System machen. Stattdessen will der Konzern laut der Ankündigung mit "Partnern" zusammenarbeiten, die dann eigene Kontaktlinsen und Apps auf Basis der Google-Technologie entwickeln.

Was wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film klingt, ist nicht allein die Idee von Google. Microsoft veröffentlichte bereits 2011 ähnliche Pläne. Babak Parvis, der das Projekt seinerzeit an der University of Washington in Seattle in Zusammenarbeit mit Microsoft leitete, arbeitet inzwischen bei Google. Wie das Technikblog Techcrunch berichtet, gibt es auch eine Reihe weiterer Forscher die an intelligenten Kontaktlinsen arbeiten.

Google-X-Tüftler arbeiten an der Linse

Google ließ offen, ob es den Einsatz solcher Kontaktlinsen auch zu anderen Zwecken anstrebt. Seit die Kalifornier vor anderthalb Jahren die Datenbrille Google Glass der Öffentlichkeit vorstellte, gab es immer wieder Spekulationen, ob es künftig nicht auch Mini-Computer in Form von Kontaktlinsen geben könnte.

Das amerikanische Techblog Recode berichtet unter Berufung auf ein Interview mit dem Kontaklinsen-Entwickler Parvis, dass die beiden Projekte unabhängig voneinander stattfinden. Sowohl die Kontaktlinsen als auch die Datenbrillen sind allerdings im Abteilungsbereich Google X angesiedelt, der direkt Google-Mitgründer Sergey Brin untersteht.

Dabei handelt es um jenen Teil des Konzerns, der sich mit Ideen beschäftigt, die laut Selbstverständnis des Unternehmens besonders innovativ sind. Es geht dort beispielsweise um die Entwicklung selbstfahrender Autos, Internet-Ballone in der Stratosphäre oder die Datenbrille Glass. Nicht immer führen die dort ausgetüftelten Ideen am Ende auch zu einsatzfähigen Produkten.