Hightech für Babys ... der Roboter hüt' die Schaf

Die Roboter-Wiege MamaRoo simuliert Autofahrten oder Wellenbewegungen.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Start-ups wie 4Moms verkaufen motorisierte Baby-Buggys und automatische Wiegen - die Eltern reißen sich darum.

Von Kathrin Werner, Pittsburgh

Eigentlich sieht MamaRoo aus wie eine ganz normale Baby-Wippe: eine geschwungene Liegeschale, bunte Kissen, ein Mobile darüber. Erst nach dem Knopfdruck wird klar, dass MamaRoo ein Roboter ist, der wiegt wie von Geisterhand und die Armbewegungen der Eltern simuliert. Wählbar sind verschiedene Wiege-Modi: der Känguru-Modus macht sanfte seitliche Hopser, im Autofahrt-Modus geht es hoch und runter und der Wellen-Modus ist eine Kreisbewegung. Per App oder per Klick auf das Display lässt sich das Wiegetempo kontrollieren. Dazu können passende Geräusche eingespielt werden: Regen, Meeresrauschen, Herzschlag. Das Im-Arm-Halten können Eltern also ab sofort an den Roboter abgeben.

Die Millennials, also Menschen mit Geburtsjahrgängen zwischen 1980 und etwa 1995, sind die erste Generation, die mit dem Internet groß geworden ist, sich vor Technik nicht scheut und nun selbst Kinder bekommt. Wer sein Smartphone beim Schlafen auf dem Nachttisch hat und Babyfotos bei Facebook oder Instagram einstellt, hat weniger Hemmungen, sein Kind von einem Roboter in den Schlaf schaukeln zu lassen. Zugleich fühlen sich viele junge Eltern überlastet - Technik, die entlastet, ist also willkommen. Das haben etliche Unternehmen erkannt, Dutzende Startups haben Millennials mit kleinen Kindern als Zielgruppe entdeckt. Hightech für Babys - beziehungsweise ihre Eltern - ist ein boomender Teil des Markts für Spielsachen, Babymöbel und Klamotten, den das Magazin Forbes allein in den USA auf 18 Milliarden Dollar Jahresumsatz schätzt.

Sensoren in der Wiege

"Lange hat niemand über Baby-Zubehör nachgedacht, die Wiege hat sich seit Jahrhunderten kaum verändert", sagt Bryan Coles. "Wir haben Sensoren eingebaut und andere Robotertechnik. Wir wollen diesen Markt durcheinanderwirbeln." Coles ist bei 4Moms, dem Start-up hinter der Roboterwiege, für das internationale Marketing verantwortlich. Und er lässt seine eigenen Kinder damit in den Schlaf schaukeln.

Wiegen sind dabei nicht das einzige Hightech-Produkt für die Allerkleinsten: Mimo ist ein schlauer Strampelanzug, der das Atemtempo, die Liegeposition in der Krippe und Veränderungen der Temperatur auf der Babyhaut in Echtzeit in einer Smartphone-App anzeigt. Das Unternehmen Baby Brezza verkauft einen Automaten, der Babynahrung per Knopfdruck zusammenmischt, genau wie eine moderne Espressomaschine den Latte Macchiato. Es gibt Kameras, die das Kind in der Krippe rund um die Uhr aufnehmen und die Videos auf das Smartphone schicken. Die Firma CTA Digital verkauft Töpfchen mit iPad-Halter, damit die Kleinsten beim Aa machen mit dem Tablet spielen können. Hinzu kommen Dutzende Apps für Eltern: Der Cry Translator des kanadischen Unternehmens Biloop etwa will anzeigen können, warum das Kind gerade weint: Hat es Hunger? Ist es müde? Tut etwas weh? Inzwischen gibt es sogar eine Messe, die sich auf Baby-Technik spezialisiert, die ABC Kids Expo in Las Vegas.