Herzinfarkt auf Twitter Nahtoderlebnis in Echtzeit

In den USA hat ein Blogger neue Maßstäbe für die Twitter-Welt gesetzt: Er zwitscherte live während seines eigenen Herzinfarkts.

Von Lena Jakat

In der sozial vernetzten Welt scheint es bislang, als sei ein Wettstreit um das spektukulärste Multi-Tasking mit Live-Anschluss entbrannt: Menschen twittern von ihrem Fallschirmsprung, von ihrer Schönheits-OP oder von der Geburt ihres Kindes. Der US-Amerikaner Tommy Christopher hat die Messlatte nun noch einmal ein Stückchen höher gelegt: Er zwitscherte während seines eigenen Herzinfarkts.

Am Samstagabend klang Christopher, Politikkorrespondent des Nachrichtenblogs mediaite.com, noch nach bester Gesundheit: "War Essen. Die Pasta war lecker, aber das Fleisch war zäh", ließ er seine 2565 Follower wissen.

Der Herzinfarkt erwischte den Blogger am Sonntagnachmittag aus heiterem Himmel. Christopher rief den Notarzt und griff dann zum Mobiltelefon, um - nicht ohne ein gerütteltes Maß an Galgenhumor - der Netzöffentlichkeit zu verkünden: "Typisch ich: Ich twittere live von meinem Herzinfarkt." Bevor sich die Anhängerschaft des umtriebigen Zwitscherers Sorgen machen konnte, folgte allerinigs eine Minute später schon die Entwarnung: "Sanitäter denken, ich werde überleben."

Nach einer kurzen Aufatempause für möglicherweise besorgte Kollegen, Freunde und Familienmitglieder aktualisierte Christopher seinen Twitter-Status nur 30 Minuten später: "Gonna get a cardiac cat." Damit meinte er nicht etwa eine Therapie-Katze, sondern eine Computertomographie des Herzens.

Der "todernsteste" Herzinfarkt aller Zeiten

"Jesus, ich bin alt. Das ist frustierend." Derart niedergeschlagen und schmerzgeplagt, tippte Christopher dennoch tapfer weiter: "Das ist nicht wie im Kino - das ist der todernsteste Herzinfarkt aller Zeiten" - "Tut auch mit Morphium noch weh." Dann kehrte vorübergehend Ruhe ein in der Intensivstation jenes Krankenhauses im US-Bundesstaat New Jersey - ebenso wie auf dem Twitter-Profil des Patienten.

Wer allerdings meint, das Krankenhauspersonal habe die Gelegenheit ergriffen - wenn er nun schon einmal da war - und den Handy-Junkie kurzerhand auf Entzug gesetzt, den belehrte der Herzkranke höchstselbst noch vor zwei Uhr morgens eines Besseren: "Hab das Telefon von der Krankenschwerster zurückbekommen", tippte der unermüdliche Zwitschervogel in sein Smartphone - und dachte nicht an sich selbst, sondern an seine Freunde da draußen: "Ihr habt mein Herz attackiert - mit Liebe!"

Ob es wirklich zu viel Zuneigung war, die Christophers Herz verrücktspielen ließ, oder ob doch die Pasta und der Stress des Dauertwitterns ihren Teil dazu beigetragen haben, wissen bislang nur Christophers Ärzte - aber der nächste Tweet kommt bestimmt.