Von Jörg Donner

Welchen Sinn hat ein Computer mit zwei Bildschirmen, wenn einer auf der Rückseite des anderen ist?

Ein kleiner Bildschirm außen auf der Klappe eines Laptops ist auf den ersten Blick ungefähr so sinnvoll, wie ein zweiter Fernseher auf der Rückseite eines Fernsehers. Schließlich kann man immer nur eine Anzeige sehen, und das gemeinschaftliche Arbeiten mit einem Gegenüber ist wohl eher die Ausnahme. Das "weltweit erste Notebook mit Außendisplay für Windows Sideshow", wie der Hersteller Asus sein Modell "W5Fe" anpreist, wirkt daher befremdlich.

(© Foto: Asus)

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Allerdings hat der Rechner mit den zwei Bildschirmen durchaus Vorteile: Hinter dem kleinen LCD-Schirm im Deckel versteckt sich sozusagen ein Mini-PC, auf dem kleine Programme laufen können. So lassen sich unter anderem E-Mails lesen, auch wenn der Hauptrechner aus ist.

Das ist praktisch, wenn man beispielsweise im Taxi die Adresse des Hotels nachschlagen will oder mal eben die Telefonnummer des Gesprächspartners für das kommende Interview braucht.

Auch um sich die Zeit mit dem Kartenspiel-Klassiker Solitär zu vertreiben, muss man den Rechner nicht hochfahren, das Spiel läuft unabhängig auf dem kleinen Zusatzbildschirm.

Das zweite Display auf der Klappe ist nur so groß wie das einer Digitalkamera, der dazu gehörende Flashspeicher braucht kaum Strom. Dadurch hält der Akku des Laptops im Mini-Modus wesentlich länger, als im Normalbetrieb. Für Zugfahrten lohnt es sich, den Flashspeicher mit Fotos oder MP3-Dateien zu bestücken.

Dann kann man Musik hören oder auf dem Außendisplay die Urlaubsbilder sortieren, ohne den Rechner zu starten. Allerdings ist die Navigation mit Pfeiltasten etwas mühsam, und ein zugeklapptes Notebook ist deutlich unhandlicher als beispielsweise ein PDA, mit dem sich ähnliche Aufgaben erledigen lassen.

Damit das Außendisplay produktiv genutzt werden kann, ist die Windows-Software "Sideshow" nötig. Sie wird mit Programm-Modulen bestückt, den sogenannte Gadgets, die man aus dem Internet laden kann. Leider stehen momentan nur wenige dieser Programme zur Verfügung. Es besteht also noch Entwicklungsbedarf für dieses neue Feature, das nur mit Windows Vista funktioniert.

Für Technikfreaks bietet sich eine Anwendung an, sollte sich der Partner über mangelnde Kommunikation am Frühstückstisch beschweren. Die eingebaute Webcam kann das eigene Gesicht auf dem Außendisplay zeigen. So könnte man konzentriert arbeiten oder spielen.

Ob der Mensch gegenüber das gebannte Starren auf den Bildschirm als ungeteilte Aufmerksamkeit interpretieren würde, sei jedoch dahingestellt. Vielleicht gibt es demnächst auch eine Spracherkennungssoftware, die einen Dialog vorgaukeln kann.

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(SZ vom 07. Februar 2007)