Nokia-Chef Kallasvuo verspricht Internet-Handys für arme Länder. Weniger als 100 Euro sollen die Geräte kosten und über einen Internetzugang verfügen.
Er wolle "das Internet vom Computer befreien", hat Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo Anfang des Jahres auf der Mobilfunkmesse in Barcelona gesagt. Nun ist er diesem Ziel ein Stückchen nähergekommen. Der finnische Handykonzern stellte in Neu-Delhi seine neuen Billig-Telefone vor, die auch im Internet surfen können.
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5130 XpressMusic: Billiges Musikhandy für knapp 100 Euro. (© Foto: nokia)
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Die Geräte sind speziell auf die Bedürfnisse von Menschen in ländlichen Gegenden der Schwellenländer zugeschnitten, sie sollen zwischen 25 und 90 Euro kosten. Mit der neuen Produktpalette wollen die Finnen ihre Position als Marktführer im Niedrigpreissektor behaupten. Sie trägt deutlich die Handschrift des Konzernchefs, der seit seinem Amtsantritt im Sommer 2006 begonnen hat, aus dem Handyhersteller Nokia eine Internetfirma zu machen.
Das Unternehmen, das Kallasvuo von seinem Vorgänger und Lehrmeister Jorma Ollila übernommen hatte, war bereits Weltmarktführer bei den Mobiltelefonen. Etwa 40 Prozent aller weltweit verkauften Handys tragen das finnische Firmenlogo.
Das ist schon seit Jahren so, und dass sich dieser Wert noch deutlich steigern lässt, ist eher unwahrscheinlich. Viele Beobachter hatten darum erwartet, dass der 55-jährige Jurist Kallasvuo nach seinem Aufstieg an die Spitze vor allem das Erbe verwalten, aber wenig verändern würde. Aber Kallasvuo überraschte. In seinen gut zwei Jahren als Vorstandschef hat er eine Menge bewegt.
Vom Handygeschäft zur Dienstleistung
Dabei traf der Finne auch harte Entscheidungen. Zum Beispiel schloss er Anfang des Jahres eine Handyfabrik in Bochum, was zu heftigen Protesten führte. Und erst am Dienstag verkündete Nokia wieder, dass in Europa Angestellte entlassen werden.
Diesmal trifft es vor allem finnische Standorte, unter anderem wird die Niederlassung in Turku mit 200 Mitarbeitern geschlossen. Insgesamt will Kallasvuo weg vom reinen Handygeschäft hin zur Dienstleistung. Nokia soll nach dem Willen des Vorstandschefs künftig Firmen wie Google, Microsoft oder Apples Musikportal iTunes Konkurrenz machen. Um sich dafür zu rüsten, kaufte Kallasvuo viele Firmen, darunter Spezialisten für Internetmusik, Navigationssoftware und digitale Karten.
Nutzer teurer Top-Telefone konnten schon länger über das Mobilfunknetz auf allerlei Dienste der Finnen zugreifen. Der Konzern hat ein eigenes Internet-Portal mit dem Namen Ovi eröffnet. Wer ein Nokia-Handy besitzt, kann dort Musik kaufen, Bilder hochladen oder sein Adressbuch und seine Termine speichern.
Jetzt sollen die Angebote an die Kunden in den Schwellenländern angepasst werden. Unter anderem bekommt Ovi dafür einen E-Mail-Dienst. Dort können die Nutzer dann eine Mailadresse per Telefon einrichten, ein Computer wird nicht mehr benötigt.
Das Nokia-Handy - so die Vision der Finnen - soll damit ein günstiges Tor zum Internet werden, das auch Menschen in den abgelegenen Provinzen Asiens, Afrikas oder Südamerikas offen steht. Bis dieses Ziel wirklich erreicht ist, wird es wohl noch dauern. Aber Olli-Pekka Kallasvuo ist dafür bekannt, dass er sehr hartnäckig sein kann, wenn er sich einmal etwas vorgenommen hat.
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(SZ vom 07.11.2008/heh)
OB-Kandidatin Nallinger
mit den beschriebenen Funktionen gibt's doch bei uns schon lange. Ich weiß wirklich nicht, was daran so visionär sein soll.