Handyhersteller Blackberry Neues Smartphone, neue Hoffnung

Thorsten Heins, Chef von Blackberry, mit dem neuen Hoffnungsträger: Das Smartphone Z 10

(Foto: dpa)

Blackberry hat im vergangenen Quartal eine Million neue Z10-Smartphones verkauft und Gewinn gemacht. Die Wende ist das für den angeschlagenen Handyhersteller allerdings noch nicht. Firmenchef Thorsten Heins verfolgt eine riskante Strategie.

Von Sophie Crocoll

Thorsten Heins schwärmt: Es habe sich auf jeden Fall gelohnt, auf das neue Betriebssystem zu warten. Sagte er und gab sich alle Mühe, vergessen zu machen, dass das kanadische Unternehmen Blackberry es im vergangenen Jahr nicht geschafft hatte, die Plattform wie geplant auf den Markt zu bringen - was im lukrativen Weihnachtsgeschäft einen Nachteil gegenüber Konkurrenten wie Apple und Samsung bedeutete. Am Donnerstag stellte der Blackberry-Chef die Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr vor.

Und Heins wollte dabei zeigen, dass sein Konzern wieder werden kann, was er einmal war: Hersteller eines Statussymbols. Anfang des Jahres hat das Unternehmen seinen bei den Kunden wenig bekannten Namen Research in Motion abgelegt, um das zu unterstreichen. Nur passten die vorgelegten Zahlen nicht so recht zu Heins Schwärmerei: Zwar hat Blackberry von Dezember bis Anfang März 98 Millionen Dollar Gewinn gemacht - es ist das zweite Quartal in Folge, in dem das Unternehmen unterm Strich kein Geld verlor. Das hat allerdings vor allem damit zu tun, dass Blackberry spart. So hat Heins 5000 von zuvor 16 500 Stellen gestrichen.

Blackberry will sich neben Apple und Google etablieren

Die Wende ist das nicht. Blackberry ist als Hersteller inzwischen weit abgeschlagen, der Marktanteil lag im vergangenen Jahr nur noch bei unter fünf Prozent. Insgesamt fiel im vergangenen Geschäftsjahr ein Verlust von 646 Millionen Dollar an, etwa 504 Millionen Euro. Kunden mussten zuletzt mehr als eineinhalb Jahre auf neue Modelle warten. Ende Januar präsentierte Heins dann das Blackberry Z10 - ein Smartphone ohne die für den Hersteller typische Tastatur. Es habe einen starken Markteintritt erlebt, sagte Heins jetzt. Blackberry habe eine Million Geräte verkauft, obwohl das Smartphone bis Ende Februar nur in wenigen Ländern, etwa Kanada, Großbritannien und Indien, in die Läden gekommen sei. Mit dem Z10 verdient die Firma mehr Geld als mit Mittelklasse-Blackberrys: Es ist teurer, und die Marge sei höher.

Ob sich das Gerät zum großen Wurf entwickelt, den sich der Konzern so dringend erhofft, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Die Werbeausgaben will Blackberry jedenfalls bis Ende Mai um 50 Prozent erhöhen. Ganz auf den Erfolg des neuen Smartphones verlassen will sich Heins aber offenbar nicht. Er kündigte an, im Laufe des Jahres werde Blackberry auch günstige und Mittelklassemodelle des neuen Gerätetyps vorstellen.

Es ist der Versuch, Marktanteile zurückzugewinnen und sich neben Google und Apple als drittes Betriebssystem für Smartphones zu etablieren - das wollen allerdings auch Microsoft und die Firefox-Stiftung mit ihren Betriebssystemen schaffen. Es ist eine riskante Strategie, so verschiedene Märkte zu bedienen. Schon jetzt bringen günstige Geräte, die in Schwellenländern verkauft werden, nur eine knappe Marge. Auch wird es schwerer, den Kunden das Z10 als ebenbürtiges Gerät zu Apples iPhone und Samsungs Galaxy zu verkaufen, wenn Blackberry auch für andere Modelle Geld und Energie investieren muss. So hat das Unternehmen auch im vergangenen Jahr wieder Abonnenten seiner Dienste verloren.

Was aus Blackberry wird, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden. Hartnäckig halten sich Gerüchte, das Unternehmen könnte übernommen werden. Heins sagte dazu am Donnerstag nichts. Er kündigte vollmundig an, Blackberry werde künftig mehr als ein Smartphone-Hersteller sein. Heins wird liefern müssen, bevor er wieder schwärmen kann.