Dabei bezweifeln Wissenschaftler wie der BfS-Mann nicht, dass seine Gesprächspartnerin körperlich leidet. Aber Forscher haben keinen Anhaltspunkt, dass es an der Strahlung liegt. Elektrosensible klagen über Kopfschmerz oder Schlaflosigkeit, wenn sie glauben, die Funkwellen träfen sie.
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In Dutzenden Experimenten im Labor konnten sie aber nicht besser als andere Menschen erkennen, ob ein Sender ein- oder ausgeschaltet ist. Das erinnert Wissenschaftler an den Placebo-Effekt mancher Medikamente. Diese lindern Beschwerden auf eine Weise, die mit ihrem Wirkstoff nicht zu erklären ist. Sich derart verleiten zu lassen, ist menschlich. Doch in der Handy-Debatte fühlen sich die sogenannten Elektrosensiblen zu Fällen für Psychiater abgestempelt.
Sie können zudem nicht verstehen, warum ihre Erfahrung in der Wissenschaft nicht zählt. Ihre subjektive Realität müssten die Forscher mit all ihren Methoden doch als objektive Wahrheit erkennen können! Aus diesem enttäuschten Glauben an die Macht der Wissenschaft keimt ein Verdacht: Korruption. Weil Forscher für ihre Arbeit Geld brauchen, schreiben sie am Ende auf, was den Geldgebern gefällt, mutmaßen Handygegner.
Schließlich hat die Mobilfunkindustrie die Studien des BfS zum Teil finanziert. Solche Anklagen empfinden die Forscher als ungerecht, haben sie eine Mitsprache der Konzerne doch verhindert. Wenn Mobilfunk-Kritiker höhnisch über diese Erklärung lachen, verhärten sich beim geduldigsten Forscher die Züge. Die zunächst größere Bereitschaft, die Argumente der anderen Seite zu prüfen, erlahmt.
So wird in der Debatte zum Problem, dass die Wissenschaftsgläubigkeit der vorgeblich Betroffenen größer ist als die der Wissenschaftler selbst. Die kennen nämlich die Grenzen ihrer Methode. Versuchen sie jedoch zu erklären, warum niemand beweisen kann, dass etwas absolut unschädlich ist, hören ihre Gegner darin nur Beschwichtigungen.
Um den Konflikt zu entschärfen, müssten sich beide Seiten bewegen. Die Forscher sollten ihre Methoden bei Studien in der Lebenswelt der Betroffenen ausreizen. Diese wiederum müssen verstehen, dass chronische Beschwerden oft unabhängig von angeblichen Ursachen bestehen. So ist es bei vielen Rückenpatienten sinnlos, an der Wirbelsäule herumzudoktern; die Wissenschaft findet hier keinen Auslöser mehr. Stattdessen helfen ein anderer Blick auf das Leben, Entspannung und Sport. Auch die sogenannten Elektrosensiblen müssen ihre Fixierung lösen: Beharren sie darauf, den Mobilfunk abzuschalten, vergrößern sie nur ihr Leiden.
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(SZ vom 30.06.2009/mri)
Der Artikel und auch die Studien widersprechen sich in sich. Wenn es den Placebo-Effekt gibt, also die Situation in der Medikamente wirken, die gar nicht gegeben wurden, und das auch noch ohne das die Probanden sagen können, ob sie das Medikament bekommen haben oder ein Placebo, dann macht ein test, bei dem jemand sagen soll ob ein elektronisches Feld nun an ist oder nicht, keinen Sinn.
Wir müßten zunächst die Mechanismen verstehen, die Placebo auslöst. Dann könnten wir auch verstehen, was angeblich Elektrosensible spüren oder krank macht. Das scheint aber niemand zu interessieren, obwohl der Effekt ja belegt ist. Selbst die Frage ob sich hier Effekte kommulieren, die derzeit so nicht bekannt sind, wird ja nicht untersucht. Die Wissenschaft denkt in einer unglaublichen Arroganz weiter fröhlich, für eine Wirkung gibt es genau eine fest definierte Ursache. Nur genau das ist in der Praxis fast immer falsch. Natürlich überfordert die Komplexität von multiplen Ursachen die Forschung und den Beweis extrem, aber so sollte eben unser Wissenschaftsleben nicht funktionieren. Unsere Techniken müssen sich im Alltag als unbedenklich erweisen, nicht in wissenschaftlich isolierten Szenarien, die eben mit dem Alltag nur wenig zu tun haben.
Wenn man also mit dem Placebo-Effekt schon nicht entsprechend umgeht, dann muss auch bezweifelt werden, dass die Testszenarien wirklich wirklichkeitsnah sind.
Digital_Data
P.S. Der Kommentierer ist kein technikfeind, aber kritisch.
Mag sein, dass ich das mit dem Plastik in falscher Erinnerung habe, aber passiert ist die Geschichte tatsächlich, das steht fest!
Es macht ja auch durchaus Sinn, bestimmte Eiferer für zukünftige Projekte ihrer Glaubwürdigkeit zu entheben; derartige Auseinandersetzungen sind ein ständiges Hemmnis für solche Projekte und die Kosten tragen letztlich wieder alle Mobilfunkkunden.
Dieselbe Geschichte habe ich auch mal gehört, nur etwas anders und etwas realistischer ;)
Anstatt einem "Plastikturm" (was ja unsinnig wäre) aufzustellen, haben sie zwar den Sendemast aufgestellt, jedoch erst nach einiger Zeit eingeschaltet. In der Zeit, in der der Mast inaktiv war, beschwerten sich bereits die Bewohner, wie von dir beschrieben.
Ich frage mich jedoch, ob die Geschichte tatsächlich passiert ist und nicht irgedwann von irgendwem aus Spaß in die Welt gesetzt wurde..
Eine belgische Mobilfunkfirma hatte einmal von der Stadt eine Genehmigung erhalten, einen Sendemast aufzustellen.
Die sich sofort bildende "Bürgerinitiative" klagte und verlor letztendlich. Die Firma stellte aber nun nicht wie angekündigt einen Mast auf, sondern eine Atrappe.
So manche ganzheitlich orientierte, ayurvedakundige Hausfrau und Mutter verfiel daraufhin in chronische Kopfschmerzen und konnte eine veritable Liste mit Krankheiten vorlegen, unter denen ihre Kinder seither leiden. Man ließ, zugegebenermaßen in einer provokanten Art, diese Leute so richtig auflaufen, ehe man enthüllte, dass die Antenne nur ein Haufen Plastik sei und somit alle vorgebrachten "Beweise" für deren Schädlichkeit auf reiner Einbildung basierten.
Es ist wohl doch das übliche Freundbild / Feindbild - Denken, das über belegbare Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse abermals triumphiert.
... aber nichts dabei findet, sich stundenlang in unmittelbarer Nähe eines laufenden (Röhren-) Fernsehgeräts aufzuhalten, ...
Momen! Mein Handy klingelt ...
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