Hands-on Apple TV, iPhone 6s und iPad Pro im Blitz-Check

Was unterscheidet iPhone 6 und 6s? Wer braucht ein Riesen-iPad? Und wie funktioniert Apples TV-Box?

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Nach der Vorstellung der Produktneuheiten bittet Apple Medienvertreter traditionell zum Ausprobieren. Diese ersten Eindrücke ersetzen keinen Test, aber geben doch eine Vorstellung davon, was gut und weniger gut gelungen ist. Ein Überblick.

iPhone 6s/6s Plus

Was ist anders? Zunächst liegen die neuen Modelle minimal schwerer in der Hand als die Vorgänger (das 6s wiegt 14 Gramm mehr). Die größte und tatsächlich gelungene Neuerung ist das drucksensitive Display "3D Touch", beim Macbook und der Apple Watch noch als "Force Touch" bekannt.

Ein längerer Druck lässt eine Schnellansicht mit Kurzfunktionen aufpoppen, selbst im Hauptmenü. Beispiel: Ein Lang-Druck auf das Kamera-Symbol führt zu Schnellfunktionen wie Selfie, Video oder Foto (siehe Bild oben), einer auf ein Instagram-Vorschaubild lädt die Komplettansicht, ohne das Bild aufzurufen. Drückt man noch einmal fester, erscheint der Instagram-Beitrag komplett. All das spart Zeit, der Nutzer merkt durch eine leichte Vibration des Telefons, wann sein Druck "einrastet". Praktisch ist auch die Möglichkeit, durch leichtes Pressen auf den linken Rand (aber nicht rechts, warum auch immer) von geöffneter App zu geöffneter App wischen zu können (nimm dies, Home-Button!).

Die Qualität der Kamera ließ sich wegen der schummrigen Beleuchtung nur schwer überprüfen; "Live Photos", also die automatische Aufnahme einer kurzen Videosequenz vor und nach einem Foto, ist nichts für Schnell-Abdrücker, aber ein nettes Gimmick, um Erinnerungen lebendig werden zu lassen. Auf iPhones mit 16 Gigabyte Speicher dürfte es allerdings schnell an Platz mangeln - ein sicherlich gewollter Nebeneffekt, um größere Modelle zu verkaufen.

Erster Eindruck: Wer ein iPhone 6 besitzt, wird den Nachfolger vermutlich auslassen. Zögernde Eigentümer früherer Modelle sollten die Kamera-Tests abwarten, "3D Touch" spart viel Zeit, ist aber kein zwingendes Kaufargument.

Hat hier jemand Surface gesagt? Apples iPad Pro.

(Foto: AFP)

iPad Pro

Das iPad Pro ist so schwer wie das iPad der ersten Generation, aber doppelt so groß. Und es wiegt nur halb so viel wie ein Macbook Air mit identischer Bildschirmgröße. Es ist also näher an einem Ultraleicht-Laptop als an einem iPad Mini, auch preislich.

Die Demos zeigten, an wen sich das Tablet richtet: Designer, Geschäftsleute und alle, die mit ähnlichen Modellen wie Microsofts Surface Pro liebäugelten. Es geht um Produktivität, nicht um Unterhaltung.

Die Tastatur kostet extra und tut, was sie soll, ohne dabei revolutionär zu sein - die klassischen Tippfehler auf externen Tablet-Keyboards bleiben. Die Tastatur kostet extra - ebenso wie der "Apple Pen". Der Digital-Stift gibt die Druckstärke sehr adäquat auf dem Schirm wieder und ist sonst schlicht gehalten.

Die hohe Auflösung des iPad Pro zeigt sich vor allem im Zoom auf komplexere Zeichnungen und Schemen. Der Rest ist klassisch iPad mit einem besseren Prozessor und der angenehmen Möglichkeit, zwei Quasi-Vollbildschirme für Multitasking nebeneinander zu packen.

Erster Eindruck: Wer demnächst ein neues Macbook Air kaufen wollte, könnte einen Blick riskieren. Keine Revolution, aber eine sehr solide Umsetzung eines bewährten Konzepts.

Apple TV: Was steckt in einer Box?

(Foto: REUTERS)

Apple TV

Vorab: Sich in die Bedienung einer TV-Box einzuarbeiten, funktioniert nicht innerhalb weniger Minuten. Die Menüs erscheinen auf den ersten Blick übersichtlich, Siri als Sprachsteuerung funktioniert zumindest bei einfachen Befehlen ("zeige mir lustige Filme aus den Achtzigern").

Die Touch-Fläche der Fernbedienung ist bei Spielen sehr hilfreich, man wendet die von Smartphone-Games eingeübte Technik (Wischen, wischen! Drücken, drücken!) an und sieht das Geschehen auf einem größeren Bildschirm (im Mehrspieler-Modus lassen sich auch Controller anschließen).

Die nativen Apps leiden an der klassischen TV-App-Krankheit: Die Navigation über die Fernbedienung ist mühevoll, auch wenn alles reibungsloser als bei anderen Smart-Fernsehern oder Boxen wirkt. Unklar ist, wie die Auswahl an Apps für Deutschland aussehen wird, die bislang vorgestellten Programme sind vorwiegend US-spezifisch.

Erster Eindruck: Warum auf dem TV spielen, statt nebenbei auf dem Smartphone, während die Glotze läuft (oder gleich auf der dafür ausgelegten Konsole)? Warum über den Fernseher Internet-Inhalte konsumieren, wenn es über mobile Geräte viel reibungsloser geht? Auch Apple kann diese Fragen noch nicht beantworten, die Killer-App für den Fernseher muss erst gefunden werden. Bis sie ihren Weg in den App-Store findet, ist Apple TV ein gutes Produkt unter mehreren.

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