Hacking-Vorwürfe "Das ist auf keinen Fall ein Beweis"

Flankierend zu den neuen Sanktionen veröffentlichten FBI und Heimatschutzministerium einen Bericht. Er gibt russischen Geheimdiensten die Schuld. Aber er beschreibt lediglich, wie die Gruppen operierten - nicht, worin ihre Verbindungen zu Russland bestehen. Robert M. Lee, Chef der Firma Dragos Security, hat für die US-Luftwaffe als Offizier gearbeitet. Er sagt: "Das ist auf keinen Fall ein Beweis. Die technischen Details liefern nur sehr schwache Indizien."

Dieser Aussage schließt sich Maarten van Dantzig an. Er arbeitet als Sicherheitsspezialist für die niederländische Firma Fox-IT und hat sich die Excel-Liste angesehen, die von den Behörden veröffentlicht wurde und die IP-Adressen auflistet, von denen aus die Hackergruppe ihre Angriffe ausübt. "Dort sind schon nützliche Informationen enthalten, aber viele der IP-Adressen gehören zu legitimen Web-Diensten wie Microsoft und Twitter". Ohne zu wissen, warum diese Internet-Adressen schädlich sein sollen, sei diese Aussage wertlos.

Ein deutscher Behördenmitarbeiter mit Expertise, der namentlich nicht genannt werden will, sagt: "Die Indikatoren sind von der Qualität ganz, ganz schlecht." Eine Beweisführung sei "absolut nicht abgedeckt".

Matt Suiche, dessen Start-up Comae sich auf Cybersicherheit spezialisiert, wünscht sich einen Bericht mit detaillierten technischen Beweisen. Denn es kann sein, dass die USA weitere Informationen haben, die sie zurückhalten.

Der Großteil der öffentlich bekannten Indizien kommt von der IT-Firma Crowdstrike. Sie aber wurde von den Demokraten nach dem Hack angeheuert - und lebt auch von der Angst vor möglichst bedrohlichen Szenarien, zum Beispiel dem einer hochprofessionellen Hackertruppe eines feindlichen Staates.

IT-Sicherheitsfirmen verfolgen Elite-Hacker seit Jahren. Sie veröffentlichen nur einen Bruchteil ihrer Informationen - aus kommerziellem Interesse. "Wir legen nicht kostenlos offen, was wir haben. Das wird ja für Geld verkauft und ist ein Mehrwert für unsere Kunden", sagt ein Mitarbeiter, der nicht namentlich zitiert werden will. Er sagt auch, dass die Unternehmen den Geheimdiensten nicht auf die Füße treten wollen, indem sie allzu detaillierte Berichte veröffentlichen, die Hacker für den noch laufenden Angriff nutzen könnten.

Was weiß die US-Regierung?

Das bleibt unklar, zumindest bis der umfassende Geheimdienst-Bericht fertig ist, den Barack Obama angeordnet hat. Die Chefs von FBI und Heimatschutzministerium sowie der Nationale Geheimdienst-Direktor der alle Spionagedienste koordiniert, bestätigten am Donnerstag, dass Russland hinter den Angriffen stecke - ohne zu erklären, wie genau sie zu dieser Einschätzung kommen. Sie verwiesen lediglich auf die Ergebnisse von Unternehmen wie Crowdstrike. Wenn die Behörden klare Beweise haben, dann nennen sie diese nicht.

Angesichts der Behauptungen der US-Dienste verweisen Kritiker auf deren Lügen vor dem Irakkrieg und in der NSA-Affäre. Möglicherweise halten die Dienste dieses Mal Informationen geheim, um ihre Quellen und Analysemethoden zu schützen. Doch so bleiben sie der Öffentlichkeit klare Beweise für eine russische Beteiligung am Hack gegen Hillary Clinton vorerst schuldig.

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