Nach Frankreich möchte auch Großbritannien Filesharern den Internetzugang sperren. Der britische Wirtschaftsminister fordert die EU auf, dem Beispiel zu folgen.
Frankreich hat es vorgemacht, nun will die britische Labour-Regierung nachziehen: Nach Berichten der BBC hat Wirtschaftsminister Peter Mandelson auf einer Diskussionsveranstaltung in London angekündigt, Nutzern von illegalen Tauschbörsen künftig nach zwei Verwarnungen den Internetzugang zu sperren.
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Großbritanniens Wirtschaftsminister Mandelson: Die EU muss helfen. (© Foto: AFP)
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Das "Three Strikes"-Gesetz war in Frankreich in der vergangenen Woche vom obersten Gericht unter Auflagen genehmigt worden. Auch in Großbritannien gab es bereits länger Gerüchte über eine mögliche Einführung, allerdings hatte die Regierung lange Zeit öffentlich betont, auf solche Maßnahmen verzichten zu wollen.
Besonders brisant ist, dass über die Sperrung des Netzzugangs nicht wie in Frankreich von einem Gericht entschieden werden soll. Stattdessen wird ein "Tribunal" eingerichtet, das der unabhängigen Telekom-Regulierungsbehörde Ofcom untersteht. Dem Guardian zufolge ist folgendes Procedere geplant (pdf hier): Ermittler der Rechteinhaber machen Filesharer ausfindig und geben die gesammelten Informationen an den Internetanbieter weiter, der wiederum einen Warnbrief an den Betroffenen verschicken kann.
Mandelson sieht Europa in der Pflicht
Bei weiteren Verstößen können auch Maßnahmen wie das Drosseln der Internet-Geschwindigkeit oder die Beschränkung des Datenvolumens für den verdächtigen Nutzer eingeleitet werden. Am Ende droht eine Sperre, gegen die der Verdächtige zweimal Einspruch erheben kann.
Verschiedene Medien berichten übereinstimmend, dass das Gesetz zeitnah auf den Weg gebracht und noch im Frühjahr 2010 in Kraft treten soll. Ein Jahr lang werden dann allerdings nur Warnbriefe verschickt; sollte es dadurch nicht gelingen, das Ziel einer Verringerung von illegalen Internet-Downloads um 70 Prozent zu erreichen, werden ab Juli 2011 die ersten Sperren verhängt. Internetanbieter und die Musik-, Software- und Filmindustrie sollen sich die Kosten für das Strafsystem teilen.
Bürgerrechtler warnen davor, dass die Regelung zahlreiche rechtliche Grauzonen streife. So sei unklar, wie Beweise gewichtet würden, zudem könnten bei Internet-Anschlüssen, die von mehreren Menschen genützt werden, Unbeteiligte bestraft werden.
Mandelson betonte, das illegale Tauschen von urheberrechtlich geschütztem Material müsse auf europäischer Ebene bekämpft werden. In der Europäischen Union laufen im Moment die entscheidenden Verhandlungen über das Telekompaket, das für die nächsten Jahre die Telekommunikationsrichtlinien in der EU regeln soll.
Das EU-Parlament hatte die Richtlinien vor einigen Monaten um einen Zusatzparagraphen ergänzt, der die Sperrung von Internetzugängen nur nach richterlicher Anordnung erlaubt. In der neuen Vorlage zur Verhandlung mit dem EU-Ministerrat ist davon nicht mehr die Rede.
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(sueddeutsche.de/joku/beu)
Wave-Gotik-Treffen in Leipzig
@harpaganos.
Nette Idee... nur wie regeln Sie das mit dem Haushalt?
Das sehe ich auch als Hauptproblem. Wenn Juristen eine neue Sache entdecken, versuchen sie fast automatisch, diese in ihre ohnehin schon stark verallgemeinerten Schemata zu pressen.
"Wir behandeln das wie [hier vergleichbares altes Ding einsetzen]."
Nur so kommen Menschen auf die Idee, etwa Verschlüsselungssoftware für Daten als Waffe und die entsprechenden Keys als Munition zu bezeichnen und Leute, die sich damit beschäftigen entsprechend zu kriminalisieren. Dann noch den richtigen, einflussreichen Profiteur auf seiner Seite und zack ist so ein Schmodder Gesetz.
"Liquid Democracy" ist tatsächlich eine Sache, die dem Abhilfe schaffen könnte. Wenn ich als Bürger mehr Einfluss auf einzelne Ressorts hätte, etwa durch Wahl einer Partei für die entsprechenden Posten, wären die Kompetenzen ganz anders verteilt. Für das Sozialministerium hätte vielleicht sogar die Linke meine Stimme. Diese Partei hat einfach die entsprechenden Anliegen als Schwerpunkt und entsprechend kundiges Personal, würde allerdings nicht einmal ansatzweise von mir mit Themen wie Wirtschaft oder innerer Sicherheit betraut.
Bei Umwelt wären sicher die Grünen ganz vorne, und und und...
Ein weiterer Vorteil dieses Konzepts ist, dass die Kompetenz eines Ministers Gewicht bekommt bzw. die Motivation der Parteien, solche Leute aufzustellen.
Dass jemand vom Familien- ins Finanzministerium wechseln kann, nur weil er das richtige Parteibuch hat, nicht etwa, weil er sich mit der Materie auskennt, darf eigentlich nicht sein.
Ich finde das ist ein klassisches Gebiet für die FDP. Die Frage ist, für welche Seite sich die FDP stellen wird?
kann man sich dem Eindruck nicht entziehen, dass hier auch die Juristenlobby bedient werden soll. Schon seit Jahren haben wir ein Problem, dass es zu viele Juristen gibt, die einfach Aufgrund der Marktsituation, keinen Job finden bzw. nicht selbstständig werden können.
Wenn ich noch die immer härterwerdenden Gesetze anschaue, naja. Zudem ist das Patentrecht, sowie das Urheberrecht in den letzten Jahren zu einem florierenden Markt geworden. Es zählen schon nicht die Entwicklungen oder Forschungen, sondern die Gelder aus den Patentstreitereien (z.B. Microsoft gegen Tomtom, usw.)
(ist nur meine persönliche Vermutung)
Vielleicht hilft dieses Gesetz anonymen und vor Strafverfolgung sicheren Filesharingdiensten wie Gnunet endlich zum Durchbruch...
Paging