Von Christopher Schrader

Es sind Fahrzeuge, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und sie haben ein Ziel: Ohne Fahrer eine Strecke von 240 Kilometer durch die Wüste von Nevada zu bewältigen. Auf das Siegerteam wartet eine Prämie von zwei Millionen Dollar.

Sie haben zwei, vier oder sechs Räder, wiegen zwischen 100 Kilogramm und vierzehn Tonnen, haben bis zu sechs Pentium-Computer an Bord und tragen Kameras, Radar- und Lasergeräte auf dem Dach oder am Kühlergrill. Viele haben Trägheits-Navigationssysteme an Bord; manche strecken unter der vorderen Stoßstange sogar Fühler aus wie Insekten.

Monstertruck auf dem Track

Monstertruck auf dem Weg durch die Wüste: Dem Terramax werden gute Siegeschancen eingeräumt. (© Foto: Darpa)

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Aber allen ist eines gemeinsam: Sie werden keinen Fahrer haben, wenn sie am Samstag in der Dämmerung aufbrechen, um 240 Kilometer durch die Wüste im südlichen Nevada zu fahren. Wer die Strecke als erster in weniger als zehn Stunden bewältigt, bekommt einen Preis von zwei Millionen Dollar.

Dieses Rennen heißt Grand Challenge, es wird zum zweiten Mal ausgetagen. Beim ersten Lauf im März 2004 hatten nur vier Fahrzeuge aus einem Starterfeld von 15 mehr als acht Kilometer allein bewältigt; der beste Roboter war nach zwölf Kilometern mit einen geschmolzenen Vorderreifen liegen geblieben.

Für den zweiten Lauf nun hat die Darpa, die Forschungsagentur des amerikanischen Militärs, 23 Roboterfahrzeuge ausgewählt, die am Samstag in Primm, Nevada, etwa 50 Kilometer südwestlich von Las Vegas starten.

Zu den Favoriten zählen zwei Autos der Carnegie-Mellon-University in Pittsburgh: Die beiden knallrot lackierten Roboter sind umgebaute Hummer-Geländefahrzeuge, einer von beiden, ein Auto namens "Sandstorm", hatte 2004 die längste Strecke geschafft; sein roter Bruder heißt "H1ghlander". Daneben gehört zu den Favoriten ein VW Tuareg, der von einem Team der Stanford University mit Hilfe des VW-Forschungslabors in Palo Alto, California umgerüstet worden ist ("Stanley").

Diese drei belegen am Samstag auch die ersten drei Startplätze: "H1ghlander" in der Pole Position, dann Stanley, der zwar präziser, aber auch etwas langsamer war, dann "Sandstorm".

Gute Chancen werden auch eingeräumt: einem Militär-Lastwagen mit Sechs-Rad-Antrieb und -Lenkung ("Terramax"), einem einsitzigen Wüstenmobil, das mit Hilfe des österreichischen Seibersdorf-Forschungszentrums zum Roboter umgerüstet worden ist (Team Sciautonics, "Rascal") und einem umgebauten Jeep Cherokee, der auf dem Dach zwischen seinen Kameras und der Klimaanlage für die Computer im Kofferraum auch zwei blaue Surfbretter trägt ("Spirit") - schließlich kommt das Team aus Südkalifornien.

All diese Favoriten haben sich auf einem Parcours bewährt, auf dem Darpa seit dem 28. September die Roboter getestet hat. Die Strecke im Inneren des California Speedway in Ontario, einer Rennbahn für Nascar-Boliden im Osten des Großraums Los Angeles, hat sich täglich in Details geändert.

Zuletzt war sie circa vier Kilometer lang, 50 Paare orangefarbener Verkehrskegel markierten Tore, die die Roboterautos passieren sollten, Heuballen, Reifenstapel und Kanthölzer wirkten als Hindernisse. Die besten Fahrzeuge haben dafür zwischen neun und elf Minuten gebraucht.

Zudem war die Strecke unsichtbar markiert durch GPS-Koordinaten. Aber den Signalen der Navigationssatelliten zu folgen, war nicht einfach. In einem Tunnel verloren die Fahrzeuge den Kontakt und mussten trotzdem weiterkommen, bis sie wieder Signale aus dem All empfangen konnten.

Auf einigen der GPS-Punkte standen zudem alte Autos, die die Roboter als Hindernisse erkennen und umfahren mussten - was sie nicht immer schafften.

Die Teams, deren Robotern diese Hindernisse zu schaffen machten, dürfen jetzt nicht zum Rennen starten, oder nur in einer Showveranstaltung nach dem Rennen. Zum Beispiel der "Ghost Rider", ein Motorrad von Forschern aus Berkeley. Es kann sich zwar mit Armen an der Seite stabilisieren und nach einem Sturz wieder aufrichten. Im Training hat das Motorrad keine ganze Runde geschafft und war zuletzt im Tunnel umgefallen - aber das Publikum bejubelte es.

Das galt auch für den "Terrahawk", ein selbstgebautes Fahrzeug mit sechs Rädern. Sie waren paarweise an drei Gliedern seines Körpers befestigt, die sich wie bei einer Raupe gegeneinander verschwenken konnten. An jedem Rad konnte der Computer am Steuer die Aufhängung verändern, so dass Terrahawk sich mal duckte, wie um zu schnüffeln, mal hoch aufrichtete, wie um in die Ferne zu blicken.

Als der Roboter am letzten Trainingstag eine Runde auf dem Testparcours fuhr, erkannte er eines der im Weg stehenden Autos, einen alten Ford Mustang, erst sehr spät. Terrahawk wich aus und passierte knapp das Heck des Fahrzeugs, prallte dann aber auf Höhe der Vorderräder des Mustang gegen dessen Kotflügel. Um weiterfahren zu können, hob der Roboter einfach ein Rad empor und fuhr über die Motorhaube des Autos weiter.

Dennoch hat sich das Niveau der Roboter gegenüber dem ersten Rennen 2004 deutlich erhöht. Damals hatten in fünf Tagen des Trainings sieben Roboter den - noch halb so langen - Parcours bewältigt. Diesmal hatten die ersten sieben es nach fünf Stunden geschafft.

Die dramatischen Fortschritte, von denen der Veranstalter Darpa zuvor gesprochen hatte, waren beim Training tatsächlich zu beobachten. "Als gleich am ersten Tag der erste Starter den ganzen Kurs bewältigt hat, hätte ich den Fahrer küssen wollen. Aber da war ja kein Fahrer", sagt Darpa-Direktor Anthony Tether.

Seine Agentur versucht mit dem Rennen, die Forschung an autonomen Fahrzeugen zu beschleunigen. Der US-Kongress hat dem amerikanischen Militär auferlegt, dass im Jahr 2015 ein Drittel aller Fahrzeuge ohne Fahrer auskommt.

Und die Wüste zwischen Los Angeles und Las Vegas eignet sich dafür besonders: "Sie ähnelt der Gegend zwischen Kuwait und Bagdad oder zwischen Kabul und Kandahar", hatte schon beim letzten Rennen ein Oberst in Diensten der Darpa erklärt. Auch die Länge der Strecke und das Zeitlimit "sind repräsentativ für militärische Missionen", verkünden die Miltärforscher.

Allerdings, so spekulieren viele, dürfte die Strecke am Samstag mindestens am Anfang einfacher sein als der Parcours im Jahr 2004, als es schon nach gut fünf Kilometern in steile Hügel ging. Dass damals das beste Fahrzeug nur zwölf der 240 Kilometer schaffte, hatte viele schneidende Kommentare ausgelöst; womöglich möchte Darpa diesmal, dass die Autos ihr Können mit besseren Leistungen unterstreichen.

Dennoch unterschätzt kein Team die Gefahren. "Der Computer muss doch nur einmal auf der Strecke ein Hindernis falsch einschätzen, schon hängt man fest", sagen viele. "Ich habe keine Ahnung, was am Samstag passieren wird", rief Tether den Teams zu, als er die Teilnehmer des Rennens bekanntgegeben hatte. "Lasst es uns doch einfach rausfinden."

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(sueddeutsche.de)